Interview mit Sylvia Gabel vom VmF

Wertschätzung ist das Zauberwort!

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NachrichtenPraxis
Sylvia Gabel, Referatsleitung Zahnmedizinische Fachangestellte beim Verband medizinischer Fachberufe (VmF), erzählt, worauf es ankommt, damit das Team mitzieht - und die ZFA bleibt. Manchmal wirkt schon ein Eis am Nachmittag Wunder!

Wie viele ZFA fehlen derzeit in den Praxen? In welchen Regionen wirkt sich der Fachkräftemangel besonders stark aus?

Sylvia Gabel:

Der Fachkräftemangel ist in den Praxen angekommen und fühlbar. Ich denke, in jeder Praxis fehlen mindestens zwei Kolleginnen zur Entlastung des Teams

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Warum schlägt der Fachkräftemangel noch nicht auf die Gehälter durch?

Ich denke, der Fachkräftemangel ist noch nicht in allen Köpfen angekommen und es wird auch noch nicht realisiert, wie kostbar das vorhandene Personal ist. Gutes Personal sind die Perlen der Praxis.

Ein Argument der Arbeitgeber ist: "Auch wir haben keine Erhöhung in der GOZ erhalten und woher nehmen, wenn nicht stehlen?" Ich denke, dass sich in den kommenden Jahren der Fachkräftemangel noch massiver bemerkbar machen wird, und dann werden die Arbeitgeber von ganz alleine mehr Entlohnung zahlen. Nur dann ist es leider zu spät! Dann werden meine Kolleginnen in anderen Berufen sitzen, wo sie mehr Bezahlung erfahren.

Auch die Kammern initiieren gezielt Aktionen, um für den Beruf der ZFA zu werben

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Die Aktionen von den Zahnärztekammern, kompetente Fachkräfte zu finden, sind eine Möglichkeit. Leider hat sich noch keine Kammer dazu Gedanken gemacht, mit uns zusammen eine Aktion zu gestalten. Wer kennt die Bedürfnisse der Kolleginnen? Richtig, dass sind wir!

Aber so viele Kolleginnen möchten gar nicht mehr in diesem schönen Beruf nach der Ausbildung bleiben, da der monetäre Anreiz nicht da ist. Wer möchte noch mit 40 Jahren bei Mutti wohnen, weil man sich mit unseren Gehältern leider keine eigene Wohnung leisten kann oder Wohnung, Auto, Urlaub? Ja, auch diese Anforderungen haben meine Kolleginnen an das Leben!

Aus der Sicht des Verbandes medizinischer Fachberufe liegt es unter anderem auch an der fehlenden Wertschätzung uns gegenüber. Eine Möglichkeit wäre zum Beispiel, der Arbeitsgemeinschaft zur Regelung der Arbeitsbedingungen für Zahnmedizinische Fachangestellte/Zahnarzthelfer/innen (AAZ) beizutreten, und an den Tarifverhandlungen teilzunehmen. Es funktioniert doch in und mit den vier Kammerbereichen!

Ich würde mich sehr darüber freuen und wir wären ein ganzes Stück weiter zu einem guten Miteinander. Auch ein Lob des Teams am Ende der Woche spornt enorm an. Und bei diesen Temperaturen im Sommer wirkt ein Eis am Nachmittag Wunder. Wir gehören zum Team – wir sind das Team. Meine Definition von Team lautet, Teil einer außergewöhnlichen Mannschaft zu sein!

Hat sich das Anforderungsprofil für ZFA über die Jahre verändert? 

Das Anforderungsprofil hat sich in den letzten Jahren sehr verändert. In unserer jetzigen Version rechnen wir zum Beispiel noch per Erfassungsschein ab, die Hygieneanforderungen sind noch nicht dem heutigen Stand angepasst, Qualitätsmanagement wird nur ein wenig gelehrt. Die Anforderungen an meine Kolleginnen sind enorm gestiegen und werden tagtäglich von ihnen gemeistert.

Wie können Praxen attraktivere Arbeitgeber werden?

Es gibt tolle Inserate in den Zeitungen. Wertschätzung ist das Zauberwort. Eine flexible Arbeitszeit. Angebote, wie zum Beispiel die Übernahme der Kosten von einem zertifizierten Sportstudio im Rahmen der Betrieblichen Gesundheitsförderung, die Bezahlung des Kindergartenplatzes, Tankgutscheine ...

Es gibt ganz viele Möglichkeiten - einfach mal den Steuerberater kontaktieren und gezielt danach fragen. Auch einem Azubi mal Weihnachtsgeld oder Urlaubsgeld bezahlen. Azubis so ausbilden, dass sie gerne in unserem Beruf bleiben und vor allem in der Praxis bleiben, wo sie ausgebildet worden sind. So handhabt es die Praxis, in der ich arbeite, und mein Chef kennt das Wort Fachkräftemangel nicht.

Die Fragen stellte Marko T. Hinz.

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