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Zahl traumatisierter Soldaten steigt rasant

Die Zahl der Bundeswehrsoldaten, die traumatisiert aus dem Einsatz zurückkehren, hat sich innerhalb von drei Jahren fast verdreifacht, zeigt ein aktueller Bericht.

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Zählte der Sanitätsdienst 2009 in der Bundeswehr 466 Traumafälle, waren es 2012 schon 1.143. Das Problem einsatzbedingter psychischer Erkrankungen habe sich weiter verschärft, heißt es im Jahresbericht 2012 des Wehrbeauftragten des Bundestages.

Auf seiner Station im Bundeswehrzentralkrankenhaus in Koblenz macht die  posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) das Gros der Behandlungsfälle aus, berichtet Psychiater Oliver Holzschuher. Und die Zahl steigt weiter. 

Auslandseinsätze vervierfacht Risiko

Eine Dunkelzifferstudie der Technischen Universität Dresden kommt demnach zu dem Ergebnis, dass die Teilnahme an einem Auslandseinsatz das Risiko, an PTBS zu erkranken, um das Vierfache erhöht. Zudem wird davon ausgegangen, dass jede zweite Erkrankung unerkannt und damit unbehandelt bleibt.

Insgesamt leidet der Studie zufolge jeder vierte Einsatzteilnehmer an psychischen Störungen bis hin zu PTBS. Es gilt die Faustregel: Wenn die Spannung in den Einsatzgebieten steigt, es mehr Gefechte oder Anschläge gibt, steigen auch die PTBS-Fälle, wie Holzschuher erklärt. Von den 44 Dienstposten im Sanitätsdienst der Bundeswehr sind jedoch nur 29 besetzt. Psychiater seien schwer zu bekommen oder zu halten, heißt es beim Kommando Sanitätsdienste. Sie seien auch im zivilen Leben sehr gefragt, und die Ausbildung dauere sehr lange. 

Aussage im Bericht: "Entscheident ist die Widerstandsfähigkeit".

Im Ausland sei der Belastungsgrad sehr hoch, sagt Holzschuher: Die Soldaten seien weg von zu Hause und einer Bedrohungslage ausgesetzt. "Wenn sie von Anschlägen in der Nähe hören, macht das was mit den Leuten." Einige kämen damit klar, andere nicht, entscheidend sei die Widerstandsfähigkeit.

Bei einer PTBS-Erkrankung spielen sich traumatische Szenen immer wieder im Kopf ab. "Die Soldaten haben etwa die Bilder vom Anschlag in Afghanistan vor Augen und können dieses Buch einfach nicht mehr zumachen", sagt Holzschuher. Häufige Folgen seien sozialer Rückzug und extreme Stimmungsschwankungen. 

Er und seine Kollegen behandeln Betroffene, indem sie diese zunächst stabilisieren und dann mit dem Trauma konfrontieren. "Dabei lernen sie, wie sie mit dem Erlebten umgehen können." Wie sie also das Buch voller furchtbarer Bilder zwischenzeitlich schließen. Die Behandlungsdauer variiert zwischen einigen Monaten und vielen Jahren.