Spahn stellt Coronavirus-Surveillanceverordnung vor

Auch Deutschland setzt auf Genom-Sequenzierung

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will das Instrument der Genom-Sequenzierung von Coronaviren in Deutschland stark ausbauen, teilte er heute bei der Vorstellung der neuen Surveillanceverordnung mit.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn stellte heute die neue Verordnung zur Sequenzierung des Coronavirus vor: Um einen besseren Überblick über die in Deutschland zirkulierenden Varianten des Coronavirus zu bekommen, fördert die Bundesregierung die bundesweite Genomsequenzierung der Viren. Screenshot zm

Um herauszufinden, wie weit sich die Virusvarianten in Deutschland bereits verteilt haben, hat Spahn die Sequenzierung als festen Bestandteil der Pandemie-Überwachung definiert – neben den Tests, der Einreiseverordnung und der Impfung der älteren und vulnerableren Bevölkerungsteile. Alle Sequenzdaten werden gesammelt und zentral an das Robert Koch-Institut (RKI) übermittelt.

Alle Sequenzdaten gehen an das RKI

"Wir wollen noch besser nachvollziehen können, wo sich bekannte Mutationen verbreiten und ob es neue Mutationen gibt", führte Spahn aus. "Dafür fördern wir die Laboranalyse finanziell, vernetzen die Akteure und führen die Ergebnisse beim RKI zusammen." Zwar gebe es jetzt schon ein Netzwerk an Laboren, das Mutationen des Corona-Virus analysiert, doch das reiche in der aktuellen Situation nicht, um ein genaues Lagebild zu erhalten.


Reaktionen auf die aktuelle Pandemie-Lage

Der Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) unterstützt den Lockdown-Kurs der Bundesregierung und der Länder nach eigenem Bekunden nachdrücklich: "Er ist die einzige Alternative zur Bewältigung der Corona-Pandemie, bevor insbesondere durch einen Impfschutz eine ausreichende Herdenimmunität der Bevölkerung erreicht ist."

Aus seiner Sicht müssen daher die aktuellen Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie weiter konsequent fortgeführt werden. Mit Blick auf die Irritationen der letzten Tage über die Haltung der KBV zu den Corona-Maßnahmen stellt der Vorstand klar, dass die Kontaktbeschränkungen erforderlich seien und von der KBV nicht angezweifelt werden. "Aus unserer Sicht werden die Maßnahmen in Kombination mit den Impfungen und einem konsequenten Schutz der besonders gefährdeten Bevölkerungsgruppen letztendlich zum Erfolg führen“, erklärten KBV-Chef Dr. Andreas Gassen und sein Vize Dr. Stephan Hofmeister.

Sie fordern, dass die Politik den Schutzschirm für die Praxen verlängert und dass die Krankenkassen den KVen die zusätzlichen Kosten für die außerordentlichen Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie zu erstatten.

Trotz enormer Meldelücken gibt es Hinweise, dass der verschärfte Lockdown seit Mitte Dezember wirkt, meldet das Berliner IGES Institut. So sinke seit dem 4. Januar die Zahl der Covid-19-Patienten auf Intensivstationen: Während dort gemäß der Daten der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) am 3. Januar noch 5.745 intensivmedizinisch behandelte Corona-Patientenbetreut wurden, waren es am 13. Januar nur noch 5.164 - ein Rückgang um zehn Prozent.

„Daraus lässt sich schließen, dass die Zahl der Neuinfektionen etwa seit den Weihnachtstagen zurückgeht, da die bisherigen Lockdowns immer nach rund elf Tagen wirkten“, sagte Prof. Bertram Häussler, Leiter des IGES Instituts.
 
Allerdigs spiegelten die derzeit veröffentlichten Zahlen der Neuinfektionen und Sterbefälle nicht die aktuelle Lage wider. So habe es zwischen Weihnachten und erster Januarwoche eine Meldelücke von rund 60.000 Fällen gegeben, die sich jetzt erst in der Statistik auswirkten. Und auch bei den Corona-Sterbefällen hinkten die Meldungen vier Wochen hinterher. „Der derzeitige Rückgang der Sterbezahlen wird erst ab Ende Januar sichtbar werden.“

„Unser Meldesystem gibt derzeit kaum Orientierung. Das steht im krassen Missverhältnis zu den milliardenschweren Entscheidungen der Politik“, kritisiert Häussler. Das Meldesystem könne für diese Pandemie auch nicht mehr flächendeckend fit gemacht werden. Er schlägt daher vor, vier bis fünf Gesundheitsämter modellhaft in kürzester Zeit technisch und personell maximal auszustatten. Diese könnten dann als Seismographen und Korrektiv für das ganze Land dienen.

Der "Pandemie Monitor" wird vom Berliner IGES Institut herausgegeben und bietet differenzierte Analysen rund um das Infektionsgeschehen mit dem Coronavirus SARS-CoV-2. Ziel sei, mehr Orientierung in der Corona-Krise zu geben.

Weltärztepräsident Frank Ulrich Montgomery befürwortet härtere Maßnahmen im Kampf gegen Corona. Der bisherige Lockdown sei bislang nicht erfolgreich, weil es zu viele Schlupflöcher gebe und zu viele Menschen sich nicht an die Maßnahmen hielten, sagte er der Saarbrücker Zeitung. "Wir haben nach wie vor zu viele persönliche Kontakte und zu viel Mobilität."

Er plädiert dafür, im Sinne der Kontaktvermeidung "alles, was irgend geht", ins Homeoffice zu verlagern. Die Hygienekonzepte der Firmen müssten zudem auf ihre Wirksamkeit hin überprüft werden. Montgomery: "Es nützt wenig, allein im Büro zu sitzen, aber mittags in der Kantine unter vielen Kollegen." Er sprach sich für Bußgelder aus, sollten Unternehmen ihren Mitarbeitern das Arbiten von zu Hause verweigern, obwohl es möglich wäre. Montgomery zeigte sich darüber hinaus verwundert, dass die Impfpflicht für Pflegekräfte politisch abgelehnt wird.

Verspätet gemeldete COVID-19-Fälle erschweren ein effektives Pandemie-Management. Das kritisiert das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) und schlägt eine Neujustierung der Meldewege vor.

Durch verzögerte Meldungen von COVID-19-Fällen durch die Gesundheitsämter an das Robert Koch-Institut (RKI) fehlen diese Daten bei der Berechnung der Sieben-Tage-Inzidenz. Zu diesem Ergebnis kommt das Zi anhand einer aktuellen Analyse der Meldedaten. Hierdurch werde die regionale Vergleichbarkeit der Daten verzerrt. Zudem könne die Aussagefähigkeit dieser zentralen Kennzahl für bestimmte Kreise systematisch beeinträchtigt sein, wenn es um die im Infektionsschutzgesetz oder in Verordnungen festgelegten Grenzwerte für Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie geht.

Eine Neujustierung der Meldewege könnte dies künftig vermeiden, zeigt sich das Zi überzeugt. Die letzten Meldetage könnten bei der Berechnung der Sieben-Tage-Inzidenz komplett ausgeschlossen werden, sofern sie sich nicht zügig verkürzen ließen.

Das Zi hinterfragt zudem die Fokussierung auf die Inzidenz als einzige rechtsverbindliche Maßzahl. Da diese Maßzahl auf den gemeldeten Fällen beruhe, hängt sie stark von der verwendeten Teststrategie ab: Historisch ließen sich so zum Beispiel die Sieben-Tage-Inzidenzen während der ersten Welle kaum mit den aktuellen Werten vergleichen. Die Testsituation unterscheide sich stark in Bezug auf etwa die Zahl der durchgeführten Tests, der Testpositivquote und der Symptomatik der Getesteten.

Nach Auffassung des Zi sei es dringend notwendig, weitere zentrale Aspekte des Infektionsgeschehens in den Blick zu nehmen – allen voran die Auslastung der Intensivstationen oder die Inzidenz in den Risikogruppen, insbesondere der älteren Bevölkerung und Pflegebedürftiger im häuslichen Umfeld und in Heimen.

 


Die Bundesregierung will dadurch die Verbreitung der besonders ansteckenden Mutationen des SARS-CoV-2-Virus eindämmen.

Die wesentlichen Regelungen der am 19. Januar 2021 in Kraft tretende Verordnung sind:

  • Laboratorien und Einrichtungen, die Sequenzierungen von SARS-CoV-2 vornehmen, sind verpflichtet, die erhobenen Genomsequenzdaten an das RKI zu übermitteln. Für diese Übermittlung haben die sie einen Anspruch auf eine Vergütung in Höhe von 220 Euro pro Datenübermittlung.

  • Wenn sie eine SARS-CoV-2 Diagnostik durchführen, jedoch selbst keine Genomsequenzierung vornehmen, können sie einen bestimmten Anteil der positiv auf SARS-CoV-2 getesteten Proben in andere Laboratorien und Einrichtungen zur Durchführung der Sequenzierung einschicken. In diesem Fall werden Versandkosten von bis zu 20 Euro erstattet.

  • Der Anteil der positiv auf SARS-CoV-2 getesteter Proben, die sequenziert werde, hängt von der Zahl der Neuinfektionen in der jeweils vergangenen Kalenderwoche ab: Übersteigen die Neuinfektionen bundesweit 70.000 Fälle, können fünf Prozent der positiv getesteten Proben zur Sequenzierung eingesendet werden. Fällt die Zahl niedriger aus, erhöht sich dieser Anteil auf zehn Prozent.

  • Im Rahmen der durchgeführten Ausbruchsuntersuchungen können auch bei mehr als fünf beziehungsweise zehn Prozent der positiv getesteten Proben die Übermittlung der Daten und die Einsendung der Proben erstattet werden.

Die Vergütung der Labore finanziert der Bund

Die Bundesregierung reagiert mit der neuen Verordnung auch auf wachsende Kritik, es würde zu wenig zur Eindämmung der Mutationen aus Großbritannien und Südafrika unternommen. Allerdings wurde laut Spahn bewusst keine Verpflichtung der Labore zur Sequenzierung von Proben in die Verordnung aufgenommen.

Vergütung wie Versandkostenerstattung werden aus dem Bundeshaushalt gezahlt. Die sequenzierenden Laboratorien und Einrichtungen sowie die einsendenden Laboratorien und Einrichtungen rechnen mit der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) ab, in deren Bezirk sie ihren Sitz haben. Den KVen werden die entstehenden Verwaltungskosten erstattet, sagte Spahn.

Das RKI rät zu 14 Tagen Quarantäne für Kontaktpersonen 

"Bei Nachweis einer neuartigen Variante von SARS-CoV-2, wie sie in England und Südafrika erstmals isoliert wurden", solle die Quarantäne volle 14 Tage betragen, heißt es in den neuen Vorgaben des RKI an die Gesundheitsämter. Ansonsten rät das RKI, dass Kontaktpersonen von Infizierten die häusliche Quarantäne verkürzen dürfen, wenn sie keine Symptome haben und nach frühestens zehn Tagen einen negativen Test vorlegen.

Die Schweiz greift durch

In der Schweiz wird zur Eindämmung der Verbreitung der neuen Corona-Mutationen bereits härter durchgegriffen: In den Kantonen Bern und Zürich müssen auch Kontaktpersonen zweiten Grades in Quarantäne, wenn für den Infizierten eine der beiden neuen Mutationen des SARS-CoV-2-Virus nachgewiesen wurde. Das führt in Einzelfällen zur Massenquaratäne.

So wurden laut Medienberichten jüngst 500 Tessiner Schüler nach Hause geschickt, weil bei einer Schülerin die Virusvariante B.1.1.7 nachgewiesen wurde. Das Vorgehen der Behörden löste bereits scharfe Kritik aus. Der volkswirtschaftliche Schaden derartiger Maßnahmen sei zu groß, hieß es etwa vom liberalen Thinktank Avenir Suisse. Der Präsident der kantonalen Gesundheitsdirektorenkonferenz rechtfertigte die Maßnahme jedoch. Man probiere, die neuen Varianten forciert zu bekämpfen.

Das neu identifizierte Coronavirus SARS-CoV-2 verursacht die "Corona virus disease 2019" (Covid-19) und ist Auslöser der COVID-19-Pandemie.

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