Ärzteschaft positioniert sich

Der Physician Assistant ist keine Lösung für den Ärztemangel

Der Physician Assistant (PA) soll Ärzte unterstützen und entlasten. Doch die Mediziner befürchten, dass der neue Beruf sie überflüssig machen könnte. Das Berufsbild muss aus ihrer Sicht daher dringend modifiziert werden.

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Der Deutsche Ärztetag hat jetzt Studienganganbieter aufgefordert, Studierende nur dann zuzulassen, wenn sie zuvor eine abgeschlossene Ausbildung in einem Gesundheitsfachberuf absolviert haben. Nur so sei die für eine wirksame Unterstützung und Entlastung des Arztes erforderliche fundierte theoretische, qualitativ hochwertige und praktische Ausbildung zu gewährleisten, stellten die Delegierten in Erfurt klar. Ein grundständiges Studium erfülle die Strukturvorgaben für eine einheitliche Qualifizierung nicht.

Physician Assistant

Beim Physician Assistant (PA) handelt es sich um einen medizinischen Assistenzberuf, der seit vielen Jahrzehnten vor allem in den USA und anderen angloamerikanischen Ländern, seit etwa 15 Jahren auch in den Niederlanden etabliert ist. Der Arzt überträgt dem PA delegierbare Aufgaben und wird so bezüglich seiner Kernaufgaben entlastet und unterstützt. Der PA ist dem ärztlichen Dienst unterstellt. Deutsche Bezeichnungen sind Medizinassistent oder Arztassistent, sie werden jedoch uneinheitlich verwendet.

PAs übernehmen aufgrund ihrer hochschulischen Ausbildung die Begleitung komplexer Dokumentations- und Managementprozesse und organisatorischer Verfahren, können solche aber auch im Auftrag der ärztlichen Leitung mit entwickeln. Sie sind in der Lage, Ärzte in verschiedenen Tätigkeitsbereichen flexibel immer dann zu entlasten, wenn es sich nicht um höchstpersönlich vom Arzt zu erbringende Leistungen handelt.

Der Einsatzbereich liegt derzeit in der stationären Versorgung, sowohl im ländlichen wie städtischen Raum und auch im Bereich von Maximalversorgern. Physician Assistants finden insbesondere breite Akzeptanz bei den ärztlichen Leitern medizinischer Abteilungen.

Quelle: Bundesärztekammer und Kassenärztliche Bundesvereinigung „Physician Assistant – Ein neuer Beruf im deutschen Gesundheitswesen“, Berlin, 2017

Die Ärzte wollen den Beruf nur als einen anerkannten Bachelorabschluss als Delegationsberuf akzeptieren, formulierten sie in dem Beschluss weiter. Tätigkeitsrahmen und Einsatzmöglichkeiten der Absolventen von PA-Studiengängen sollen nach dem Delegationsprinzip primär im stationären Bereich, und zwar unter Beteiligung der ärztlichen Fachverbände und Berufsverbände, überprüft und weiterentwickelt werden. Dabei verweisen die Delegierten auf das von BÄK und KBV 2017 erstellte Konzept im Konsenspapier „Physician Assistant – ein neuer Gesundheitsfachberuf“.

Bei diesen Tätigkeiten sehen die Ärzte Gefahren für die Patientenversorgung:

  • die Abgabe originär ärztlicher Tätigkeiten, wie die Patientenanamnese oder die Verfassung einer umfänglich wertenden Epikrise
  • die Durchführung von Wundverschlüssen, Intubationen oder die Überwachung von Narkosen
  • die Dokumentation der eigenen Tätigkeit lediglich durch Dritte, in diesem Fall durch den PA
  • die Einführung einer weiteren Kommunikationsschnittstelle zwischen den in die Behandlung involvierten Berufsgruppen
  • die Übergabe der Verantwortung für ein gutes Entlassmanagement an Dritte, in diesem Fall an den PA.
  • die Abgabe von Assistenzen bei operativen und endoskopischen Eingriffen, die Abgabe der OP-Vorbereitung oder gar des Wundverschlusses sowie die Abgabe anästhesiologischer Prozeduren

Der letzte Ärztetag 2017 in Freiburg hatte dieses Konzept verabschiedet. Darin wurde der neue Beruf als ein Beitrag der Ärzteschaft zu einer sinnvollen Weiterentwicklung der Aufgabenteilung zwischen den Gesundheitsberufen gesehen. Wichtig war den Ärzten dabei die Weiterqualifizierung der Studierenden auf der Grundlage einer abgeschlossenen Ausbildung in einem Gesundheitsfachberuf und nicht die Etablierung eines neuen akademischen Gesundheitsberufs. Das Konzept bietet demnach für Gesundheitsfachberufe, besonders für Medizinische Fachangestellte, Perspektiven für die Berufsentwicklung.

Zwei neue Studiengänge

In Kürze starten zwei neue Studiengänge zum Physician Assistant:

  • Carl Remigius Medical School Hamburg (als Teil des Fachbereichs Gesundheit & Soziales der Hochschule Fresenius): Start ist das Wintersemester 2018/19. Angeboten wird der Studiengang Physician Assistance (B.Sc.) mit und ohne eine vorherige Berufsausbildung. Beide Zugänge zum Studium sind laut Auskunft der Schule nach den geltenden gesetzlichen Regelungen zulässig.
  • Berufsakademie Plauen: Start ist das Wintersemester 2018/19. Der Studiengang entspricht laut Auskunft der Akademie den Vorgaben des Konzepts von Bundesärztekammer und Kassenärztlicher Bundesvereinigung, veröffentlicht auf dem 120. Deutschen Ärztetag 2017. Eine Zulassungsvoraussetzung für diesen Studiengang ist eine abgeschlossene dreijährige Ausbildung in einem Gesundheitsfachberuf.

Die Hochschulausbildung zum Physician Assistant dauert nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Physician Asistants (DGPA) mindestens sechs Semester (drei Jahre) und schließt mit dem akademischen Grad „Bachelor of Science“ ab. Grundvoraussetzung ist nach Beschluss des 119. Ärztetages eine abgeschlossene dreijährige medizinische Berufsausbildung. Weitere Zulassungsvoraussetzungen wie allgemeinbildender Schulabschluss und Berufserfahrung sind in den einzelnen Bundesländern noch unterschiedlich geregelt. Nach gemeinsamem Beschluss von BÄK, KBV, Deutscher Hochschulkonferenz Physician Assistance (DHPA) und DGPA wird das deutsche PA-Studium standardisiert. Die Aufnahme des PA-Studiums ohne vorherige medizinische Berufsausbildung entspricht nicht dem Beschluss des 119. Ärztetages.

Der diesjährige Deutsche Ärztetag griff den 2017 getroffenen Beschluss wieder auf. Insbesondere nach der Prüfung von Curricula (genannt wird die Steinbeis-Hochschule Berlin und die Duale Hochschule Baden-Württemberg Karlsruhe) stellte er fest, dass vom Berufsbild des Physician Assistant kein Vorteil für Patientensicherheit, Patientenversorgung sowie für den Arbeitsalltag von Ärzten und Pflegenden zu erwarten ist, sondern dass der Beruf auch mit erheblichen Risiken behaftet ist.

„Gerade die Ärzteschaft sollte dem Ärztemangel nicht dadurch begegnen, den eigenen Berufsstand mit der Etablierung eines neuen Berufs zwischen Arzt und Pflege überflüssig zu machen“, so die Delegierten. Und weiter: „Beim sogenannten PA nimmt eine Entwicklung ihren Lauf, die ebenso oder ähnlich in anderen nichtärztlichen Gesundheitsberufen zu beobachten ist. Angehörigen von nichtärztlichen Gesundheitsberufen werden Weiterqualifizierungen und hiernach neue Berufe angeboten, die sie zu weit mehr Tätigkeiten befähigen sollen, als diese Berufsgruppen nach geltendem Recht ausüben dürfen.“

BZÄK - Delegationsprinzip fest im Blick

Die Bundeszahnärztekammer (BZÄK) hat beim Berufsbild des PA vor allem das Delegationsprinzip im Blick. Das arztunterstützende Aufgabenprofil nicht-ärztlicher Mitarbeiter kann aus ihrer Sicht nur Hilfeleistungen umfassen, die im Einzelfall vom Arzt angeordnet, überwacht und damit verantwortet werden.

Grundsätzlich seien im Rahmen der Einzelfallentscheidung über die Frage der Delegationsfähigkeit ärztlicher Leistungen auf Nichtärzte eine Reihe von Fragestellungen zu beantworten und Voraussetzungen zu berücksichtigen, wie unter anderem Delegationsfähigkeit der Leistung, gesetzliche Regelungen zum Arztvorbehalt, Komplikations- und Gefahrendichte der Tätigkeit, Einwilligung des Patienten, Überwachungspflicht des Arztes etc.

Im Ergebnis – so die BZÄK dazu - muss der delegierende Arzt für sich selbst beurteilen, ob er die Voraussetzungen im konkreten Fall als erfüllt ansieht. Das gilt im Grundsatz gleichermaßen für die Zahnmedizin. Für den Zahnarzt regelt das Zahnheilkundegesetz die Delegation von Teilleistungen an dafür qualifizierte nichtzahnärztliche Mitarbeiter.

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