KBV-Fachtagung: Medizin im Wandel

„Die Lösung ist: Machen!“

Wie verändert Digitalisierung den Arbeitsalltag des Arztes? Was wird sie dem Arztberuf bringen? Und kann man dadurch auch Arztzeit einsparen? Antworten zu diesen Fragen gaben Experten auf einer Fachtagung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV).

Über die Rolle der Digitalisierung im Gesundheitswesen und deren Einfluss auf den Arztberuf diskutierten Experten auf der KBV-Fachtagung "Medizin im Wandel" am 29. März in Berlin. Adobe Stock_metamorworks

Für Dr. Thomas Kriedel, Vorstandsmitglied der KBV, ging es bei den Diskussionen und Vorträgen um eine Positionierung und Standortbestimmung, wobei auch der ethische Rahmen nicht außer Acht gelassen werden dürfe. Für ihn stelle sich vor allem die Frage, wie durch Digitalisierung mehr Arztzeit für die Versorgung von Patienten gewonnen werden kann.

Prof. Dr. Jörg Debatin, Radiologe und Vorsitzender der Initiative Gesundheitswirtschaft e.V. (IGW), verwies auf die Rolle des Patienten: Dieser nehme im Versorgungsgeschehen einen immer aktiveren Part ein und es gelte, dessen Souveränität zu stärken. Heute stehe die Gesellschaft vor einem Paradigmenwechsel: Weg von einer institutionell bezogenen und hin zu einer patientenbezogenen Datenspeicherung. Die Daten müssten vor allem interoperabel sein. Das gelte vor allem für die geplanten elektronischen Patientenakten der Krankenkassen.

"Wir dürfen die freie Arztwahl nicht auf dem Altar der Digitalisierung opfern!"

In seiner Zeit als Chef des Hamburger Universitätsklinikums Eppendorf konnte durch die Einführung einer elektronischen Patientenakte eine Effizienzsteigerung im Arbeitsalltag erzielt werden. Trotz Euphorie in Sachen Digitalisierung ("Big Data ist nötig und bringt Vorteile") zeigte sich Debatin aber auch kritisch: "Wir dürfen die freie Arztwahl in Deutschland nicht auf dem Altar der Digitalisierung opfern," warnte er.

Einen skeptischeren Blick auf das Thema warf Prof. Dr. Gerd Antes, Mathematiker und Co-Direktor der Cochrane Deutschland Stiftung. Er warnte davor, sich davor, zu viel zu versprechen. Es sei eine unbewiesene Behauptung, dass Big Data das Leben leichter mache. Inzwischen stecke die Wissenschaft in einer Krise: Die Reproduzierbarkeit von Ergebnissen sei oft nicht gegeben.

"Amazon und Microsoft fuhrwerken in das deutsche Gesundheitswesen hinein!"

"Big Data heißt auch: Die falschen Informationen wachsen schneller", sagte Antes. "Amazon und Microsoft fuhrwerken in das deutsche Gesundheitswesen hinein." Und: "Die Basis, dass mehr Daten auch besser sind, ist falsch. Wir brauchen ein Datenmanagement." Antes, der sich ausdrücklich für eine gesellschaftliche Diskussion des Menschenbildes aussprach, verwies besonders auf die Problematik, dass durch IT keine Muster und Erfahrungen, wie Menschen sie kennen, aufgenommen werden können. Der IBM Supercomputer Dr. Watson, der Ärzten nach Spracheingabe irreführende Behandlungsempfehlungen gab, sei "In Deutschland gegen die Wand gefahren".

Wie Veränderungen durch Digitalisierung im ärztlichen Alltag tatsächlich aussehen können, skizzierte Dr. Irmgard Landgraf, niedergelassene Ärztin aus Berlin-Steglitz. Vernetzte Strukturen und Tätigkeiten mit anderen Berufsgruppen und Fachärzten helfen ihrer Ansicht nach, mehr Zeit für den Patienten zu gewinnen. So etwa mit Mitarbeitern in der eigenen Praxis, in Zusammenarbeit mit dem Labor oder mit digitalem Patientenmanagement (Medikationsplan, Impfmanagement).

Gute Erfahrungen hat Landgraf auch bei der digital unterstützten Betreuung eines Pflegeheims gemacht. Digitale Patientenakten dort seien kompatibel mit ihrem eigenen Praxissystem, durch Vernetzung mit dem Pflegepersonal könne viel Zeit (etwa bei Rückfragen) eingespart werden. Diese Zeit komme den Patienten zugute.

In vier parallelen Workshops wurden auf der Fachtagung weitere Themen vertieft: Potenziale und Risiken von KI in der ambulanten Versorgung, Ärzte zwischen Wissensflut und Diagnosesicherheit, Digitale Gesundheitskompetenz - Auswirkungen auf Diagnostik und Therapie, und Digitalisierung - Turbo oder Bremse für die Arzt-Patienten-Kommunikation.

Kriedels Fazit der Tagung: Beim Thema Digitalisierung stehe der Berufssand vor einem Kulturwandel. Es gelte, die Chancen zu nutzen, Fehler zu vermeiden und die digitale Kompetenz bei Ärzten wie bei Patienten zu verbessern. Dazu sei aber auch ein ethischer Rahmen notwendig. "Unsere Aufgabe als KBV ist es, Standards zu setzen, für eine sichere Vernetzung zu sorgen und Ängste abzubauen." Er appellierte an seine Kollegen, sich an guten Informationen zu orientieren: "Die Daten sind schon da. Die Lösung ist: Machen!"

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