Initiative in Westfalen-Lippe

ECC bekämpfen – Netzwerke bilden

Ärzte und Zahnärzte in Westfalen-Lippe wollen gemeinsam die Prävention für Säuglinge und Kleinkinder verbessern. Dazu gibt es jetzt eine neue Initiative: Auf regionalen Konferenzen entstehen persönliche Netzwerke.

Das Kinderuntersuchungsheft in Westfalen-Lippe KZVWL

Netzwerkbildungen und Kooperationen im Gesundheitswesen sind ein wichtiger Bestandteil bei der Lösung der in der Versorgungsplanung und -steuerung auftretenden Fragen und Probleme. Die Early-Childhood-Caries (ECC) ist hierfür ein gutes Beispiel. Um ganzheitlich erfolgreich zu handeln, so betonen Ärzte und Zahnärzte in Westfalen-Lippe, darf die sektorübergreifende Prävention nicht nur ein gesundheitspolitisches Schlagwort sein, sondern muss in der Praxis angewandt und umgesetzt werden. Voraussetzung dafür ist nicht nur die grundsätzliche Bereitschaft, übergreifend zu agieren, sondern die Bildung regionaler, persönlicher Netzwerke zwischen Zahnärzten und Ärzten.

Um das notwendige ärztliche und zahnärztliche Hintergrundwissen zu vermitteln, ein konkretes Kennenlernen zu ermöglichen und erste regionale Absprachen treffen zu können, haben Ärztekammer, Kassenärztliche Vereinigung, Zahnärztekammer, Kassenzahnärztliche Vereinigung und der Landesverband Westfalen-Lippe im Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e.V. (BVKJ) am 11. April 2018 in Rheda-Wiedenbrück die erste von drei regionalen Veranstaltungen ausgerichtet.

Gute Prophylaxe zählt

Die aktuelle Studie der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege e.V. (DAJ) untersuchte erstmals systematisch die Mundgesundheit dreijähriger Kinder. In Westfalen-Lippe sind 10,6 Prozent behandlungsbedürftig, 2,6 Prozent saniert und 86,8 Prozent der untersuchten Dreijährigen naturgesund. Dafür verantwortlich ist vor allem die gute Prophylaxe. Eine kontinuierliche Prophylaxe für alle Kinder ab dem Durchbruch des ersten Zahns ist entscheidend, damit die Kinder langfristig kariesfrei bleiben. Das gelbe Kinderuntersuchungsheft ist in Westfalen-Lippe um ein zahnärztliches Kinderuntersuchungsheft ergänzt und ermöglicht so die gegenseitige Information von Zahn- und Kinderarzt über Auffälligkeiten.

Ein erster Meilenstein ist die beginnende Kommunikation und Kooperation von Zahnärzten mit Kinder- und Jugendärzten. Weiter sollen hierbei regionale Netzwerke gebildet werden, die den regelmäßigen Austausch fördern sollen - für eine bessere ganzheitliche Gesundheit der Kinder und Jugendlichen, insbesondere im Sinne der Prävention.

Dr. Frank Bordan, Vorsitzender der Vertreterversammlung der KZVWL: "Alleine die vielen Veranstalter machen deutlich, was hier und heute passiert. Die Gesundheitspolitik spricht seit Jahren, auch wieder im aktuellen Koalitionsvertrag, über eine sektorübergreifende Versorgung. Wir bieten hier heute ein praktisches Beispiel, wie eine solche Kooperation themenspezifisch erfolgen kann. Wir geben uns somit nicht mit Worthülsen zufrieden, sondern lassen Taten folgen." | KZVWL

Dr. Wilfried Beckmann, Vorstandsmitglied der ZÄKWL, berichtete über die Gründe der ECC: 1. Die Elterngeneration wächst ohne Leidensdruck auf; 2. Es gibt einen wachsenden Marktanteil konfektionierter Lebensmittel mit hohem Zuckergehalt; 3. Immer mehr Kinder sind immer jünger, wenn sie in KiTas kommen: 4. Es gibt weniger gemeinsame Mahlzeiten in den Familien; 5. Es gibt immer längere KiTa-Aufenthalte; 6. Es gibt kein (durchgängiges) Kariespräventionskonzept in den KiTas | KZVWL

Nachdem der Vorsitzender der KZVWL-Vertreterversammlung Dr. Frank Bordan die Teilnehmer begrüßt hatte, berichtete Dr. Wilfried Beckmann (Mitglied des Vorstandes der ZÄKWL) über Early-Childhood-Caries-Problematik (ECC) und die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit anderen Arztgruppen in den Regionen. Thomas Hamacher, Leiter der KZVWL-Vertragsabteilung, stellte außerdem die Besonderheiten des zahnärztlichen Kinderuntersuchungsheftes in Westfalen-Lippe vor. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit aus Sicht der Kinder- und Jugendärzte beleuchtete anschließend Dr. Burkhard Lawrenz, Kinder- und Jugendarzt und Landesverbandsvorsitzender von Westfalen-Lippe des BVKJ e.V.

Thomas Hamacher, Leiter der KZVWL-Vertragsabteilung, stellte das zahnärztliche Kinderuntersuchungsheft aus Westfalen-Lippe vor, welches einen großen Mehrwert im Vergleich zum regulären Kinder U-Heft darstellt. | KZVWL

Dr. Burkhard Lawrenz, Kinder- und Jugendarzt und Landesverbandsvorsitzender von Westfalen-Lippe des BVKJ e.V., sprach sich dafür aus, dass Gynäkologen, Pädiater und Zahnärzte sich gemeinsam um die Zahngesundheit kümmern sollten. | KZVWL

 

 

Zum Hintergrund

Die frühkindliche Karies (Early Childhood Caries, ECC) lässt sich zuverlässig durch Prophylaxe vermeiden. Die Hälfte aller kariösen Defekte, die bei der Einschulung festgestellt werden, entsteht in den ersten drei Lebensjahren. ECC ist aufgrund der Anzahl der betroffenen Zähne, des Schweregrads der Zerstörung und des geringen Alters der Kinder ein großes kinderzahnheilkundliches Problem. Entgegen einer weitverbreiteten Fehleinschätzung hat Karies im Kleinkindalter auch äußerst negative Auswirkungen auf die spätere Mundgesundheit von Erwachsenen. Laut einer aktuellen wissenschaftlichen Studie der Universität Witten/Herdecke (Jordan et al. 2016) wiesen Studienteilnehmern, die bereits kariöse Erkrankungen an den Milchzähnen hatten, an durchschnittlich 14,8 mehr Zahnflächen eine Karies auf, als bei solchen, die als Kind kariesfrei waren. Außerdem hatten Teilnehmer, die bereits an frühkindlicher Karies erkrankt waren, im Schnitt 3,8 funktionstüchtige Zähne weniger.

Danach widmeten die Zahn- und Kinderärzte sich dem Erfahrungsaustausch und der Diskussion zur Präventionsbehandlung von Kindern und Jugendlichen in kleinen Round-Table-Gesprächen. Die Ergebnisse stellten sie abschließend vor. So war ein klares Fazit, dass das zahnärztliche Kinder Untersuchungsheft für den Austausch eine große Hilfe sei, auch berichteten alle Gruppen, dass man sich zukünftig häufiger in Qualitätszirkeln gemeinsam austauschen wolle und sich gegenseitig zu Stammtischen einladen werde.

Viel Gelegenheit zum persönlichen Kontakt bot sich bei Diskussionen und beim Erfahrungsaustausch in kleinen Gruppen am runden Tisch. | KZVWL

Ein Vorschlag war außerdem, die sozialen Medien zu nutzen, um Eltern aus dem Risikogruppen besser zu erreichen und zu informieren oder deren Kinder im Rahmen von „Familiensprechstunden“ zu sehen. Einig waren sich alle, dass es wichtig ist, die Kinder und Eltern so früh wie möglich in die Prävention einzuführen, damit erst gar keine Karies entsteht. Kitas, Hebammen, Gynäkologen, Sozialarbeiter und Erzieherinnen seien hierbei wichtige Multiplikatoren. 

Ann-Kathrin Kiesel
KZV Westfalen-Lippe

Folgende Veranstaltungen finden noch statt:

Mittwoch, 18. April 2018 von 18.00 bis 20.30 Uhr
Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe, Robert-Schimrigk-Straße 4-6, 44141 Dortmund

Mittwoch, 25. April 2018 von 18.00 bis 20.30 Uhr
Ärztekammer Westfalen-Lippe, Gartenstraße 210-214, 48147 Münster

ECC hat in den vergangenen Jahren in Deutschland stark zugenommen. Dabei konzentriert sich das Erkrankungsrisiko auf Bevölkerungsschichten mit niedrigem sozialem Status: Zwei Prozent dieser Kinder vereinen 52 Prozent der Karies auf sich.

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