Bertelsmann Stiftung zur Krankenhauslandschaft

Eine bessere Versorgung ist nur mit halb so vielen Kliniken möglich

In Deutschland gibt es zu viele Kliniken. Eine Reduzierung ihrer Anzahl würde zu einer besseren medizinischen Versorgung der Patienten führen. Das ergab eine Studie im Auftrag der Bertelsmann Stiftung.

Die Studie kommt zu dem Fazit, dass es zur Konzentration im Kliniksektor keine Alternative gibt. Adobe Stock_Monkey Business

Laut einer Studie, die das Berliner IGES Institut im Auftrag der Bertelsmann Stiftung erstellt hat,gibt es in Deutschland zu viele Krankenhäuser. Eine starke Verringerung der Klinikanzahl von aktuell knapp 1.400 auf deutlich unter 600 Häuser würde die Qualität der Versorgung für Patienten verbessern und bestehende Engpässe bei Ärzten und Pflegepersonal mildern.

Viele Krankenhäuser in der Bundesrepublik Deutschland sind der Studie zufolge zu klein und verfügen oftmals nicht über die nötige Ausstattung und Erfahrung, um lebensbedrohliche Notfälle wie einen Herzinfarkt oder Schlaganfall angemessen zu behandeln. Viele Komplikationen und Todesfälle ließen sich durch eine Konzentration der Kliniken vermeiden, zeigen sich die Autoren der Studie überzeugt. Ebenso gingen damit eine bessere Ausstattung, eine höhere Spezialisierung sowie eine bessere Betreuung durch Fachärzte und Pflegekräfte einher.

Die IGES Studie

Das IGES ist der Frage nachgegangen, wie eine Versorgung durch Kliniken aussähe, die sich nicht in erster Linie an einer schnellen Erreichbarkeit, sondern an Qualitätskriterien orientiert. Dazu gehören beispielsweise eine gesicherte Notfallversorgung, eine Facharztbereitschaft rund um die Uhr, ausreichend Erfahrung und Routine des medizinischen Personals sowie eine angemessene technische Ausstattung. Eine primäre Orientierung an Fahrzeiten ginge dagegen in die falsche Richtung.

Für die Studie hat das IGES in einem ersten Schritt ein Zielbild für Deutschland entwickelt, das sich an den benannten Qualitätskriterien orientiert. Im Anschluss berechnete das IGES in einer Simulation erstmals, wie sich eine verpflichtende Einhaltung dieser Vorgaben auf die Kliniklandschaft einer ganzen Region auswirken würde. Die Wahl fiel dabei auf den Großraum Köln/Leverkusen, der sowohl von städtischen als auch ländlichen Gebieten geprägt ist.

Wie die Simulation zeigt, könnte die Region mit 14 statt den aktuell 38 Akutkrankenhäusern eine bessere Versorgung bieten, ohne dass die Patienten im Durchschnitt viel längere Fahrzeiten in Kauf nehmen müssten. Die Bündelung von medizinischem Personal und Gerät würde zu einer höheren Versorgungsqualität in den verbleibenden Häusern beitragen, vor allem in der Notfallversorgung und bei planbaren Operationen. Nur diese Kliniken in der Region verfügen überhaupt über die technische Ausstattung, um Herzinfarktpatienten angemessen zu behandeln.

Laut der Studienautoren zeigt ein Blick ins Ausland, dass es Potenzial für eine Verringerung der Klinikanzahl gibt. Deutschland weist demnach im internationalen Vergleich im Durchschnitt mehr medizinisches Personal pro Einwohner auf als vergleichbare Länder, aber weniger pro Patient. Das liegt laut IGES daran, dass in der Bundesrepublik viel mehr Patienten in Krankenhäusern versorgt werden als im Ausland.

Die Autoren verweisen auf Untersuchungen, wonach rund ein Viertel der heute in deutschen Kliniken behandelten Fälle nicht stationär versorgt werden müsse. Zwar sei die konkrete Ausgestaltung der umliegenden ambulanten Strukturen noch offen, trotzdem kommt die Studie zu dem Fazit, dass es zur Konzentration im Kliniksektor keine Alternative gibt.

Stimmen zur Studie

Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen: Sie zeigt sich überzeugt, dass der Bertelsmann-Studie der Realitätsbezug fehlt. Statt eines nachhaltigen Versorgungskonzepts stünden Krankenhausschließungen im Vordergrund. Für eine im Gutachten vorgeschlagene Reduzierung der Anzahl der Krankenhäuser in der Region von 45 auf 12 oder 14 Standorte seien erhebliche Investitionen notwendig, die an keiner Stelle erwähnt oder beziffert würden.

Prof. Dr. Andrew Ullmann, MdB FDP: „Ich begrüße die Ergebnisse der Bertelsmann-Studie. Sie zeigt klar, dass wir eine grundlegende Strukturreform im Gesundheitswesen brauchen. Nur auf diesem Weg können wir den unsäglichen Dreiklang von Über-, Unter- und Fehlversorgung zerschlagen. Wenn wir eine bessere Versorgung der Patienten wollen, dann müssen wir endlich bedarfsgerechte und moderne Krankenhausstrukturen schaffen und einen wirklichen Qualitätswettbewerb in der Versorgung sicherstellen. Daher ist ein Konzentrationsprozess bei Akutkrankenhäusern unerlässlich. Da bin ich ganz auf der Seite der Studienautoren. Gleichzeitig braucht es aber eine Stärkung des Rettungsdienstes, der ambulanten Versorgung und der Reha-Einrichtungen."

Rudolf Henke, 1. Vorsitzender des Marburger Bundes:Planungsentscheidungen werden in den Ländern getroffen und nicht am grünen Tisch der Bertelsmann Stiftung. Es lässt sich aus der Warte von Ökonomen leicht von Zentralisierung und Kapazitätsabbau fabulieren, wenn dabei die Bedürfnisse gerade älterer, immobiler Menschen unter den Tisch fallen, die auf eine wohnortnahe stationäre Grundversorgung angewiesen sind. Versorgungsprobleme werden nicht dadurch gelöst, dass pauschal regionale, leicht zugängliche Versorgungskapazitäten ausgedünnt werden. Strukturelle Probleme, wie sie in der Notfallversorgung zu Tage treten, sind längst erkannt, an Konzepten wird intensiv gearbeitet. So hat der Marburger Bund erst jüngst gemeinsam mit der Kassenärztlichen Bundesvereinigung ein Konzept zur Etablierung gemeinsamer Anlaufstellen von Krankenhäusern und Bereitschaftspraxen der niedergelassenen Ärzte vorgelegt.“

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