Blitzumfrage in Krankenhäusern

Eine Rückkehr zur Regelversorgung ist vorerst nicht möglich

Eine Blitzumfrage unter Deutschlands Krankenhäusern zeigt: Die Mehrzahl sieht sich im Falle einer zweiten Pandemiewelle erneut Engpässe bei der persönlichen Schutzausrüstung (PSA) gut gerüstet. Bei der Infektionsprävention sind Mehrbettzimmer ein Problem.

Die Mehrzahl der Krankenhäuser meint, dass sie im Fall einer zweiten Pandemiewelle ihren Bedarf an PSA über den Direktbezug bei Herstellern und Lieferanten decken kann. Erneute Engpässe werden allerdings bei FFP3-Masken und Schutzkitteln befürchtet. Adobe Stock_Luis Louro

Die deutschen Krankenhäuser haben schon früh damit begonnen, Verdachtsfälle von Covid-19-Patienten, wie etwa Patienten mit einschlägiger Symptomatik oder Kontakt mit Infizierten, flächendeckend zu testen. Dies ist das Ergebnis einer repräsentativen Krankenhausbefragung des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI) für die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) von Anfang Juni 2020. Mit der Befragung sollte die Situation bei persönlichen Schutzausrüstungen (PSA) und Corona-Tests im Krankenhaus untersucht werden. Bundesweit hatten sich 724 Kliniken beteiligt.

Fast alle Krankenhäuser testeten Verdachtsfälle

Insgesamt 98 Prozent der befragten Häuser führten entsprechende Tests in der Regel einmalig (44 Prozent) oder mehrfach während eines Krankenhausaufenthalts dieser Patienten durch (54 Prozent). Weitere Test-Schwerpunkte bildeten Risikogruppen wie Patienten mit bestimmen Vorerkrankungen, Hochbetagte oder Patienten, die aus Alten- und Pflegeheimen aufgenommen oder dorthin entlassen werden. Knapp drei Viertel der Krankenhäuser testeten Risikogruppen in der Regel einmalig (50 Prozent) oder mehrfach (23 Prozent) während eines stationären Aufenthalts. Speziell in Allgemeinkrankenhäusern wurden darüber hinaus Patienten vor Operationen mehrheitlich auf den Erreger getestet

Auch bei den Krankenhausmitarbeitern waren Verdachtsfälle für Infektionen der Schwerpunkt von Corona-Tests. Fast alle Häuser testeten diese Mitarbeiter regelmäßig, so etwa Mitarbeiter mit bestimmter Symptomatik und mit Kontakt zu Infizierten außerhalb des Krankenhauses. Fast 90 Prozent der Häuser testeten diese Mitarbeiter regelmäßig, sei es zumeist einmal pro Woche (46 Prozent) oder seltener als einmal pro Woche (44 Prozent). Einen weiteren Schwerpunkt von Testungen bildeten Mitarbeiter auf Isolier- und Intensivstationen.

PSA: Umfrage bestätigt Beschaffungsprobleme

Die Befragung bestätigte zudem Beschaffungsprobleme bei der persönlichen Schutzausrüstung (PSA) in vielen Krankenhäusern bei Ausbruch der Pandemie im März 2020, insbesondere für Schutzmasken (OP-Masken, FFP2-und FFP3-Masken) zu, bei denen jeweils rund zwei Drittel aller Häuser entsprechende Probleme anführten.

Auch bei Schutzkitteln war die Lage sehr angespannt. Hier berichtete knapp die Hälfte (45 Prozent) der Krankenhäuser, seit dem Ausbruch der Pandemie oft, und gut ein Viertel (27 Prozent), manchmal von Beschaffungsproblemen betroffen gewesen zu sein. Die Verfügbarkeit von Schutzbrillen, Gesichtsschutz (Visieren) und Einmalhandschuhen war im Vergleich weniger problematisch. Hier gab jeweils gut die Hälfte der Kliniken an, nur selten oder sogar nie mit einem Mangel konfrontiert gewesen zu sein. Im Zuge der Pandemie hat sich hier nach Auffassung der Krankenhäuser zudem die Produktqualität teilweise verschlechtert.

Engpässe werden bei FFP3-Masken und Schutzkitteln befürchtet

„Wir brauchen eine bessere Bevorratung von Schutzmaterial und Schutzausrüstung als am Beginn der Pandemie. Zwar erwarten die Krankenhäuser größtenteils für den Fall einer zweiten Pandemiewelle, ihren Bedarf an PSA über die vorhandenen Vertriebswege decken zu können. Auch haben Bundesländer angekündigt, Vorratslager für PSA anzulegen oder auszubauen. Dies muss jetzt auch umgesetzt werden“, forderte DKG-Hauptgeschäftsführer Georg Baum.

Nach der Einstellung der zentralen Beschaffung von PSA über den Bund Ende Juni 2020 erwartet die Mehrzahl der Krankenhäuser laut der Blitzumfrage im Fall einer zweiten Pandemiewelle ihren Bedarf über den Direktbezug bei Herstellern und Lieferanten in relativ hohem Maße decken zu können. Mögliche erneute Engpässe werden allerdings bei FFP3-Masken und Schutzkitteln befürchtet.

In Mehrbettzimmern kann der Abstand nicht eingehalten werden

Gleichzeitig stehen laut Studie durch die Schaffung von separaten Bereichen für neue Patienten, bei denen noch kein Negativbefund vorläge, sowie von Quarantänezimmern für nachgewiesene COVID-Infektionen, weniger Behandlungsplätze für die Regelversorgung zur Verfügung. „Die Kapazitäten werden durch die Erfordernisse zur konsequenten Infektionsprävention weiterhin sehr stark begrenzt. Die Versorgung im Mehrbettzimmer ist kaum noch möglich“, so Baum. So sei eine Rückkehr zur Regelversorgung – wie vor Corona –  bis weit ins nächste Jahr hinein nicht möglich.

Dies belegten auch Aussagen von Kliniken in der Studie im Zusammenhang mit Mehrbettzimmern: „Die Belegungsproblematik von Mehrbettzimmern macht aufgrund des i.d.R. nicht realisierbaren Abstandes von 1,50 Metern die Aufnahme des Normalbetriebes unmöglich!“

Für die Krankenhäuser bleibe abzuwarten, wie oft asymptomatische Patienten und Krankenhausmitarbeiter künftig getestet werden und ob die Testvergütungen kostendeckend sind, heißt seitens der DKG. Die Bundesländer haben angekündigt, Vorratslager für PSA anzulegen oder auszubauen. Auch hier sei aber noch nicht absehbar, inwieweit die zentrale Beschaffung und Verteilung von PSA im Fall einer zweiten Pandemiewelle zur Bedarfsdeckung in den Krankenhäusern beiträgt.

Zur Methodik

Das DKI hatte Anfang Juni seine repräsentative Krankenhausbefragung unter 724 Krankenhäusern bundesweit durchgeführt. Mit der Befragung sollte die Situation bei Corona-Tests im Krankenhaus und bei persönlichen Schutzausrüstungen (PSA)untersucht werden. Die Kurzbefragung („Blitzumfrage“) wurde vom 4. bis zum 12.Juni 2020 durchgeführt. Die Auswirkungen der Corona-Testverordnung des Bundesministeriums für Gesundheit vom 08.06.2020 konnten deshalb in den Ergebnissen kaum Berücksichtigung finden. Grundlage der Befragung bildete ein eigens vom DKI entwickelter und mit der DKG abgestimmter weitestgehend standardisierter Fragebogen. Die Befragungsunterlagen waren an die Geschäftsführungen der teilnehmenden Krankenhäuser adressiert. Die Teilnehmer konnten den Fragebogen schriftlich oder online über die DKI-Homepage beantworten.

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