Umfrage in 27 Ländern

Gesundheitssysteme im internationalen Vergleich

Aus Sicht der Deutschen stellt fehlendes Personal das größte Problem unseres Gesundheitssystems dar. Russen sorgen sich dagegen um die Qualität der medizinischen Versorgung, US-Bürger um die Kosten der Gesundheitsversorgung.

61 Prozent der Deutschen sind der Ansicht, dass der Mangel an Gesundheitsfachkräften eines der drei Hauptdefizite im deutschen Gesundheitswesen ist. 37 Prozent empfinden außerdem zu lange Wartezeiten als problematisch - sowie den hohen bürokratischen Aufwand (32 Prozent). Ipsos Global Advisor-Studie "Global Healthcare"

Das Markt- und Sozialforschungsinstituts Ipsos hat eine Umfrage in 27 Ländern durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen: Sechs von zehn Deutschen (61%) sind der Ansicht, dass der Mangel an Gesundheitsfachkräften eines der drei Hauptdefizite im deutschen Gesundheitswesen ist - nur in Schweden (68%), Frankreich (67%) und Ungarn (63%) wird dieses Problem als noch schwerwiegender eingestuft.

Japaner und Chinesen fürchten sich vor "Altersboom"

"Das Problemempfinden der Menschen in Bezug auf das eigene Gesundheitswesen variiert sehr stark von Land zu Land", erklärt Ipsos. Während etwa die Russen besonders häufig die schlechte Qualität der medizinischen Versorgung bemängeln (59%), sorgt sich jeder zweite Japaner (52%) und Chinese (48%) über die zunehmend alternde Bevölkerung im eigenen Land.

In Indien und Südafrika werden wiederum überdurchschnittlich oft die geringen Sauberkeitsstandards beklagt (jeweils 30%). In den USA (64%) empfinden zwei Drittel aller Befragten das eigene Gesundheitssystem als viel zu teuer. In Deutschland hingegen werden die Kosten nur von jedem fünften Umfrageteilnehmer (19%) als besonders dringliches Problem angesehen.

Methode:

Die Ergebnisse stammen aus zwei Umfragen, die über das Ipsos Online Panel System durchgeführt wurden. Befragung A wurde vom 20. April bis zum 4. Mai 2018 unter 20.767 Personen in 27 Ländern durchgeführt: Argentinien, Australien, Belgien, Brasilien, Chile, China, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Indien, Italien, Japan, Kanada, Malaysia, Mexiko, Peru, Polen, Russland, Saudi-Arabien, Serbien, Südafrika, Südkorea, Spanien, Schweden, Türkei, Ungarn, USA. Befragung B lief vom 25. Mai bis zum 8. Juni mit 23.249 Personen in 28 Ländern. Die Länder waren die gleichen wie bei Befragung A, plus Kolumbien. Alle Befragten waren zwischen 16 und 64 Jahren alt, in Kanada und den USA 18-64.

Es wurde laut Ipsos eine Gewichtung der Daten vorgenommen, um die demografischen Merkmale auszugleichen und damit sicherzustellen, dass die Stichprobe die aktuellen offiziellen Strukturdaten der erwachsenen Bevölkerung eines jeden Landes widerspiegelt. 17 der untersuchten Länder stellen jeweils repräsentative Stichproben dar (Argentinien, Australien, Belgien, Kanada, Frankreich, Deutschland, Großbritannien, Ungarn, Italien, Japan, Polen, Serbien, Südkorea, Spanien, Schweden und USA).

Brasilien, Chile, China, Indien, Malaysia, Mexiko, Kolumbien, Peru, Russland, Saudi-Arabien, Südafrika und die Türkei repräsentieren eine nationale Stichprobe, welche eher die wohlhabende und gut vernetzte Bevölkerung abbildet. Gerade diese Bevölkerungsgruppe nimmt laut Ipsos in den genannten Ländern jedoch eine wichtige gesellschaftliche Rolle ein.

Im globalen Durchschnitt wird insbesondere der schlechte Zugang zu Behandlungen kritisiert. Vier von zehn Befragten (40%) sehen hierin eines der Hauptdefizite im Gesundheitswesen des jeweils eigenen Landes. Fehlendes medizinisches Fachpersonal rangiert im internationalen Vergleich auf Rang zwei der gravierendsten Probleme (36%), gefolgt von den zu hohen Behandlungskosten (32%).

Positive Patientenerfahrungen - Behandlung mit Würde und Respekt

"Obwohl die Daten in vielen Ländern eher gemischte oder teils sogar sehr negative Einstellungen der Menschen gegenüber dem eigenen Gesundheitssystem erkennen lassen, äußern sich die Befragten deutlich positiver in Hinblick auf ihre persönlichen Erfahrungen mit dem Personal im Gesundheitswesen", erklärt Ipsos. In Deutschland stimmen fast zwei Drittel (65%) aller Befragten der Aussage zu, vom Gesundheitspersonal während vergangener oder gegenwärtiger Behandlungen stets mit Würde und Respekt behandelt worden zu sein. Im weltweiten Vergleich gestalten sich die persönlichen Patientenerfahrungen ähnlich positiv.

Drei von zehn Deutschen rechnen mit negativer Entwicklung der Gesundheitsversorgung

Zwar schneidet das deutsche Gesundheitssystem bei den Befragten in puncto Zufriedenheit mit der medizinischen Versorgung weltweit am besten ab, gleichzeitig bildet Deutschland im Vergleich der 27 Umfrageländer das Schlusslicht, wenn es um den Glauben an positive Veränderungen in den nächsten zehn Jahren geht. Vor allem bezüglich der Kostenentwicklung sieht man schwarz in Deutschland. Mehr als vier von zehn Befragten (41%) befürchten, dass sich die Kosten erhöhen werden.

Fast jeder dritte Deutsche glaubt, dass sich die eigene medizinische Versorgung in puncto Qualität (30%), Verfügbarkeit von Gesundheitsdienstleistern (31%) und Verfügbarkeit von Behandlungen (29%) in den nächsten zehn Jahren verschlechtern wird. Rund die Hälfte der Bevölkerung erwartet jedoch, dass der derzeitige Status im Gesundheitswesen gehalten wird. Qualität (54%) und Kosten (48%) der medizinischen Versorgung ebenso wie die Verfügbarkeit von Gesundheitsdienstleistern (56%) und von Behandlungen (54%) werden nach ihrer Meinung in etwa gleich bleiben.

In Schwellenländern glauben die Menschen an die positive Entwicklung

Auf globaler Ebene stellt sich heraus, dass in Schwellenländern wie China, Indien oder Saudi Arabien die Bevölkerung mehrheitlich an eine positive Entwicklung ihrer Gesundheitsversorgung in den nächsten zehn Jahren glaubt. Währenddessen wird in den Industrienationen, die insgesamt eher schon ein höheres Versorgungsniveau haben, bei vielen keine Änderung in den nächsten zehn Jahren erwartet. Die Befragten allerdings, die einen Wandel in diesem Zeitraum sehen, sind überwiegend pessimistisch eingestellt, was die Zukunft der eigenen Gesundheitsversorgung angeht.

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