Forsa-Umfrage zur Nährwertkennzeichnung

Große Mehrheit für die Nutri-Score-Ampel

69 Prozent der Bevölkerung sprechen sich laut einer Umfrage für eine Kennzeichnung von Lebensmitteln mit der Nutri-Score-Ampel aus. Der von Bundesernährungsministerin Julia Klöckner bevorzugte „Wegweiser Ernährung“ fiel bei den Verbrauchern durch.

Julia Klöckners Wegweiser halten zwei Drittel der Befragten eher für kompliziert – für den Nutri-Score sagen dies nur vier Prozent. Adobe Stock_guillaume_photo

Insgesamt 69 Prozent der befragten Personen bevorzugten den Nutri-Score gegenüber dem von Klöckner in Auftrag gegebenen und vom bundeseigenen Max-Rubner-Institut entwickelten Kennzeichnungsmodell „Wegweiser Ernährung“. Für den Wegweiser sprachen sich nur 25 Prozent der befragten Verbraucher aus: Die Mehrheit beurteilte ihn im Vergleich eher als „kompliziert“ und „verwirrend“. Das ergab eine Umfrage des Forsa-Instituts im Auftrag der Verbraucherorganisation foodwatch und mehrerer Verbände und medizinischer Fachgesellschaften.

Klöckners Vorschlag: "kompliziert“ und „verwirrend“.

In fast allen Dimensionen bevorzugt die Mehrheit der Befragten laut Umfrage den Nutri-Score. 90 Prozent empfinden ihn als das auffallendere Logo – für den Wegweiser Ernährung sagen dies nur zwei Prozent. Die Farbgebung des Nutri-Score beurteilen 88 Prozent als die eher sinnvollere (Wegweiser Ernährung drei Prozent). 87 Prozent halten eher den Nutri-Score für schnell erfassbar - nur fünf Prozent wählen hier den Wegweiser. Den Wegweiser halten hingegen 65 Prozent der Befragten eher für kompliziert – für den Nutri-Score sagen dies nur vier Prozent.

Vor allem Verbrauchergruppen mit Fehlernährung sind für den Nutri-Score

Forsa nahm auch eine Auswertung der Daten nach Bildungsabschluss und Körpergewicht vor. Vor allem Verbrauchergruppen, die besonders stark von Fehlernährung betroffen sind, favorisierten den Nutri-Score: Besonders Personen mit Hauptschulabschluss meinen demnach, dass der Nutri-Score die Auswahl gesunder Lebensmittel im Vergleich zum Wegweiser eher erleichtert (66 Prozent versus 53 Prozent der Befragten mit Abitur).

Auch Befragte mit starkem Übergewicht empfinden den Nutri-Score an diesem Punkt häufiger als hilfreicher (68 Prozent versus 56 Prozent der Befragten mit Normalgewicht). Zugleich beurteilt diese Gruppe den Wegweiser besonders oft als das kompliziertere Logo (72 Prozent versus 60 Prozent der Befragten mit einem BMI unter 25).

Hintergrund

Ärzteverbände, medizinische Fachgesellschaften und Verbraucherorganisationen fordern schon seit Langem verbindliche Maßnahmen gegen Fehlernährung und Übergewicht. Dabei ist die eine verständliche Nährwertkennzeichnung ein wichtiges Element. Doch welches System zum Tragen kommen soll, ist noch offen. Auch im Koalitionsvertrag ist festgeschrieben, dass in Deutschland ein vereinfachtes, erweitertes Nährwertkennzeichnungs-System auf der Vorderseite von Lebensmittelverpackungen eingeführt werden soll.

Dazu hat Bundesernährungsministerin Julia Klöckner das Meinungsforschungsinstitut INFO beauftragt, eine entsprechende repräsentative Befragung durchzuführen. Zur Wahl stehen vier Modelle, darunter auch der Nutri-Score und der Wegweiser Ernährung. Das Ergebnis dieser Befragung soll im September vorliegen. Danach soll entschieden werden, welches Modell in Deutschland zur Anwendung kommen soll. Die Umfrage von Forsa kommt der Befragung aus dem Bundesernährungsministerium zuvor.

Lediglich in der Dimension „liefert genügend Informationen“ schneidet der Wegweiser Ernährung der Umfrage zufolge besser ab (50 Prozent Zustimmung). Allerdings ist diese Eigenschaft den Befragten auch am wenigsten wichtig: Nur 35 Prozent halten detaillierte Informationen auf der Vorderseite der Verpackung für „sehr wichtig“. Wichtiger ist den Verbrauchern, dass das Kennzeichnungssystem eindeutig ist (72 Prozent), leicht verständlich (70 Prozent) und unkompliziert (61 Prozent).

„Die Umfrage zeigt: Die deutschen Verbraucherinnen und Verbraucher wollen den Nutri-Score,“ kommentierte Barbara Bitzer, Sprecherin des Wissenschaftsbündnisses DANK und Geschäftsführerin der Deutschen Diabetes Gesellschaft, das Ergebnis der Umfrage: „Diese Nährwert-Ampel hat zuvor in über 35 wissenschaftlichen Studien ihre Wirksamkeit bewiesen. Wir erwarten, dass Bundesernährungsministerin Julia Klöckner den Nutri-Score schnellstmöglich einführt. Ein Label, das die Mehrheit der Menschen als verwirrend empfindet, ist wissenschaftlich nicht akzeptabel.“

Für Prof. Dr. Hans Hauner, Vorsitzender der Deutschen Diabetes Stiftung und Beiratsmitglied der Deutschen Adipositas-Gesellschaft, zeigt die Umfrage klar, dass der Nutri-Score genau das liefert, was die Menschen erwarten – eine schnelle, verständliche Orientierung beim Einkauf. Hauner: „Die Politik muss diese wirksame Maßnahme für eine gesündere Ernährung endlich umsetzen.“

 

Die Umfrage

Die repräsentative Umfrage der forsa Politik und Sozialforschung GmbH wurde im Auftrag folgender Verbänden und medizinischen Fachgesellschaften durchgeführt: Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten DANK, foodwatch e.V., Deutsche Diabetes Gesellschaft, Deutsche Gesellschaft für Kinder-und Jugendmedizin, Deutsche Diabetes Stiftung, Berufsverband der Kinder-und Jugendärzte, diabetesDE –Deutsche Diabetes-Hilfe, Deutsche Adipositas-Gesellschaft und Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin.

Insgesamt 1.003 Teilnehmer ab 18 Jahren wurden bundesweit befragt. Das Forsa-Institut hatte den repräsentativ ausgewählten Verbrauchern online beispielhaft Lebensmittel gezeigt, die mit den beiden Nährwertmodellen – Nutri-Score-Ampel und „Wegweiser Ernährung“ – gekennzeichnet waren. Im Anschluss sollten die Teilnehmer im direkten Vergleich bewerten, welches Modell verständlicher ist und die Wahl gesunder Lebensmittel eher erleichtert.

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