GKV-Finanzentwicklung

Rücklagen der Krankenkassen steigen erstmals auf mehr als 20 Milliarden Euro

Die Finanzreserven der gesetzlichen Krankenkassen sind bis Ende Juni auf 20,1 Milliarden Euro angewachsen. Das hat das Bundesgesundheitsministerium (BMG) jetzt bekannt gegeben.

Peter Atkins - Fotolia

Demnach haben die gesetzlichen Krankenkassen im 1. Halbjahr des Jahres 2018 einen Überschuss von rund 720 Millionen Euro erzielt. Damit sei erstmals die Grenze von 20 Milliarden Euro überschritten worden. Im Durchschnitt entspreche dies mehr als einer Monatsausgabe und damit mehr als dem Vierfachen der gesetzlich vorgesehenen Mindestreserve, heißt es weiter.

Die Zahlen im Detail: Einnahmen in Höhe von rund 120,3 Milliarden Euro standen Ausgaben von rund 119,6 Milliarden Euro gegenüber. Damit sind die Einnahmen der Krankenkassen um 3,3 Prozent gestiegen. Die Ausgaben für Leistungen und Verwaltungskosten verzeichneten bei einem Anstieg der Versichertenzahlen von knapp 0,9 Prozent einen Zuwachs von 3,8 Prozent.

Der Anstieg derjenigen Ausgaben, für die die Krankenkassen Zuweisungen aus dem Risikostrukturausgleich erhalten, lag bei 4,0 Prozent. Der durchschnittlich von den Krankenkassen erhobene Zusatzbeitragssatz lag bei 1,07 Prozent und damit um 0,04 Prozentpunkte unterhalb des Vergleichsquartals.

"Die Reserven der Kassen steigen wegen der guten wirtschaftlichen Lage immer weiter an. Davon sollen auch die Beitragszahler profitieren", sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn nach Veröffentlichung der Daten. Und betonte: "Unser Versichertenentlastungsgesetz ist der richtige Schritt." Der Gesetzentwurf sieht vor, dass Krankenkassen mit zu hohen Finanzreserven künftig einen Teil ihrer Rücklagen über geringere Zusatzbeiträge abbauen müssen.

Finanzentwicklung nach Krankenkassenarten

Bei einer differenzierten Betrachtung nach Krankenkassenarten ergibt sich folgendes Bild: Die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOKen) verzeichneten im 1. Halbjahr einen Überschuss von rund 371 Millionen Euro, die Ersatzkassen von 151 Millionen Euro, die Betriebskrankenkassen (BKKen) von 80 Millionen Euro, die Innungskrankenkassen (IKKen) von 40 Millionen Euro und die Knappschaft-Bahn-See von 84 Millionen Euro. Lediglich die Landwirtschaftliche Krankenversicherung erzielte ein geringes Defizit von 6 Millionen Euro.

Der Gesundheitsfonds, der zum Stichtag 15. Januar 2018 über eine Liquiditätsreserve in einer Größenordnung von rund 9,1 Milliarden Euro verfügte, verzeichnete im 1. Halbjahr 2018 einen saisonüblichen Ausgabenüberhang von rund 3,05 Milliarden Euro. "Daraus können keine Rückschlüsse auf eine ähnliche Entwicklung im weiteren Jahresverlauf gezogen werden", heißt es aus dem BMG. "Während die Ausgaben des Gesundheitsfonds als monatlich gleiche Zuweisungen an die Krankenkassen fließen, unterliegen die Einnahmen unterjährig erheblichen Schwankungen. Denn die Einnahmen aus der Verbeitragung von Sonderzahlungen wie Weihnachts- und Urlaubsgeldzahlungen fließen dem Gesundheitsfonds weitestgehend in der zweiten Jahreshälfte zu. Hinzu kommen weitere Zusatzeinnahmen, aus den Rentenanpassungen zur Jahresmitte."

Moderate Ausgabenzuwächse

Bei den Krankenkassen gab es im 1. Halbjahr 2018 einen Ausgabenzuwachs von 3,8 Prozent bei deutlich steigenden Versichertenzahlen von knapp 0,9 Prozent. Die Leistungsausgaben stiegen um 3,7 Prozent, die Verwaltungskosten um 6,5 Prozent. Bei der Interpretation der Daten des 1. Halbjahrs sei jedoch grundsätzlich zu berücksichtigen, dass die Ausgaben in einigen Leistungsbereichen von Schätzungen geprägt sind, da Abrechnungsdaten häufig noch nicht vorliegen. 

Die Ausgaben für Krankenhausbehandlung sind im 1. Halbjahr 2018 um 3,0 Prozent und damit nur moderat gestiegen. Bei Preisabschlüssen zwischen 2½ und 3 Prozent spricht Vieles dafür, dass die Mengenentwicklung in den Krankenhäusern wie im Vorjahr moderat verläuft.

Die Arzneimittelausgaben stiegen um 3,9 Prozent. Bei den Rabattvereinbarungen zwischen Krankenkassen und pharmazeutischen Unternehmern gab es eine Erhöhung des Erstattungsvolumens von 6,5 Prozent.

Im Bereich der vertragsärztlichen Vergütung stiegen die Ausgaben um rund 2,6 Prozent. "Bei den Ausgaben für ärztliche Behandlung ist zu beachten, dass es bereits im Jahr 2017 bei einer Reihe von Kassenärztlichen Vereinigungen mit vergleichsweise niedrigen Leistungsausgaben auf Grund der sog. 'Konvergenzregelung' zu höheren Vergütungsabschlüssen gekommen ist", so das BMG. Diese hätten dazu geführt, dass der Ausgabenzuwachs im vergangenen Jahr mit 4,3 Prozent deutlich höher lag. Erhebliche Zuwächse verbuchten im 1. Halbjahr 2018 die Hochschulambulanzen, deren Ausgaben um 19 Prozent gestiegen sind.

Bei den Ausgaben für zahnärztliche Behandlung betrug der Anstieg ebenfalls 2,1 Prozent, beim Zahnersatz lediglich 0,3 Prozent.

Deutlich überproportional sind vor allem die Ausgaben für Heilmittel (7,4 Prozent) gestiegen. Bei Heilmitteln machen sich vor allem die schrittweise erfolgten Honorarerhöhungen auf Grund des Heil- und Hilfsmittelversorgungsgesetzes bemerkbar, die zu einer Verbesserung der wirtschaftlichen Situation der Heilmittelerbringer beitragen. Der Zuwachs bei Hilfsmitteln betrug 4,0 Prozent

Die Netto-Verwaltungskosten der Krankenkassen sind nach deutlich unterproportionalen Anstiegen in den Vorjahren im 1. Halbjahr 2018 um 6,5 Prozent gestiegen. Rechnet man die erhöhten Zuführungen zu den Alterungsrückstellungen im Vergleich zum Vorjahreshalbjahr heraus, lag der Anstieg der Netto-Verwaltungskosten bei rund 3,4 Prozent.

"Nach den Finanzergebnissen des 1. Halbjahres spricht alles dafür, dass die GKV auch das Gesamtjahr 2018 mit einem deutlichen Überschuss abschließen wird", prognostiziert das BMG. Mit der Einnahmen- und Ausgabenentwicklung 2019 wird sich Mitte Oktober der GKV-Schätzerkreis der Finanzexperten von Bundesversicherungsamt, Bundesministerium für Gesundheit und GKV-Spitzenverband befassen. Nach Auswertung der Ergebnisse des GKV-Schätzerkreises wird das BMG bis zum 1. November den durchschnittlichen Zusatzbeitragssatz für das kommende Jahr bekanntgeben.

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