Hamburger Strategietag zur Reduzierung des Zuckerkonsums

Senatorin Prüfer-Storcks fordert eine Zuckersteuer

Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) hat sich für eine bundesweite Zuckersteuer ausgesprochen. Sie fordert verbindliche Reduktionsziele und eine Nährwertampel für Lebensmittel, um Übergewicht nachhaltig zu bekämpfen.

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Früh erworbenes Übergewicht kann Adipositas und weitere ernährungsbedingte Krankheiten wie Diabetes II und Karies zur Folge haben. Insbesondere Kinder und Jugendliche gehören zu den anfälligen Bevölkerungsgruppen. Deshalb hatte die Hamburger Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz (BGV) gestern zu einer Fachtagung unter dem Motto "Bitte nicht zu süß" geladen, auf der Vertreter aus Politik, Medizin, Gesundheits- und Verbraucherschutzverbänden über Maßnahmen für eine gesamtgesellschaftliche Strategie zur Zuckerreduktion in Deutschland diskutierten.

Der Präsident der Zahnärztekammer Hamburg, Konstantin von Laffert, unterstützt die Forderung der Bundeszahnärztekammer nach einer Steuer auf Zucker-Softdrinks: "Das kann auch bei uns der richtige Weg sein!"

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Ein Schwerpunkt bildete dabei die Gesundheitsförderung bei Kindern und jungen Erwachsenen. "Es gehört heute leider zur Normalität, dass gerade Fertigprodukte und Getränke hohe Zuckeranteile enthalten", sagte die Senatorin dazu. "Gesundheitsbewusste Ernährung wird den Menschen sehr schwer gemacht, denn oftmals suggerieren Produkte, gesund zu sein, sind aber eigentlich Zuckerbomben und tarnen die Süßungsmittel im Kleingedruckten." Um den Zucker im alltäglichen Speiseplan zu reduzieren, forderte sie wirksame Maßnahmen und mehr Transparenz für Verbraucher.

Prüfer-Storcks: "Auf Selbstverpflichtungen und den guten Willen der Industrie zu setzen, wie die Bundesregierung es tut, reicht nicht aus. Wir sollten endlich auch in Deutschland eine Nährwertampel auf Lebensmittelverpackungen einführen und irreführende Werbung, die gesüßte Kinderprodukte als gesund verkauft, untersagen."

Zuckerreduktion in Hamburgs KiTas und Schulen

In Hamburg engagieren sich schon jetzt viele Kitas und Schulen für eine zuckerreduzierte, gesunde Ernährung: Die Richtlinien für den Betrieb von Kindertageseinrichtungen verpflichten die Träger, ein ausreichendes und ausgewogenes Nahrungsangebot auf der Basis der aktuellen ernährungswissenschaftlichen Erkenntnisse bereitzustellen. Ebenso achten die KiTas schon heute auf die ausreichende Versorgung mit zuckerfreien Getränken. Künftig soll es aber noch mehr Unterstützung geben.

Deshalb haben die beteiligten Behörden eine Hamburgische Zuckerreduktionsstrategie erarbeitet, in deren Zuge weitere Maßnahmen umgesetzt werden: So soll Trinkwasser in allen KiTas und Schulen kostenlos verfügbar sein. Zudem soll bis 2021 auf die Ausgabe von gezuckerten Getränken in KiTas ganz verzichtet werden. Darüber hinaus ist geplant, zuckergesüßte Milchgetränke aus der Schulmilchförderung herauszunehmen. Die Schulbehörde wird schrittweise Trinkwasserbrunnen an Schulen einführen und darauf hinwirken, dass weniger zuckergesüßte Getränke angeboten werden.

Weiter forderte sie: "Zucker in Babynahrung sollte verboten werden, für Fertiglebensmittel und Getränke müssen verbindliche Zucker-Reduktionsziele festgelegt werden." Die höhere Besteuerung von Tabak und Alkopops hat der Senatorin zufolge gezeigt, dass damit der Konsum schnell und deutlich gesenkt werden konnte. Deshalb sprach sie sich für die Einführung einer Zuckersteuer aus. Prüfer-Storcks weiter: "Langfristig müssen wir unsere unsystematisch gewachsenen Umsatzsteuer-Regeln überarbeiten und gezielt gesunde Lebensmittel niedriger besteuern."

Auch der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Dr. Thomas Fischbach, der stellvertretende Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Jens Hoyer, Privatdozent Dr. Tobias Effertz von der Fakultät für Betriebswirtschaft der Universität Hamburg und verschiedene Vertreter aus Ernährungswissenschaft, Verbraucherschutz und Pädagogik haben sich auf dem Hamburger Strategietag für verbindliche Maßnahmen zur Reduzierung des Zuckergehalts in Lebensmitteln, eine Nährwertampel und Zuckersteuer ausgesprochen.

Hält Klöckner eine Studie zurück, die die Lebensmittelampel positiv bewertet?

Unterdessen meldet die Organisation foodwatch, dass Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) eine wissenschaftliche Studie zurückhalte, die offenbar die Lebensmittelampel "Nutri-Score" positiv bewertet. "Nutri-Score" wird bereits in einigen anderen europäischen Ländern wie etwa Frankreich oder Großbritannien empfohlen.

Foodwatch bezieht sich auf interne Mails aus dem Bundesernährungsministerium. Die Ministerin hatte einen Bericht des Max-Rubner-Instituts (MRI) in Auftrag gegeben und vor kurzem veröffentlicht, der elf Nährwertkennzeichnungen verglichen hatte. Hier schnitt der "Nutri-Score" zwar vergleichsweise gut ab, wurde aber nicht ausdrücklich empfohlen, heißt es bei foodwatch.

Foodwatch wirft der Ministerin nun vor, eine weitere wissenschaftliche Studie aus dem vergangenen Jahr, die den "Nutri-Score" positiv bewertet hatte, bisher zurückzuhalten und fordert die Herausgabe der Studie.Aus dem Ernährungsministerium wurde hingegen zuvor schon bekannt, dass die vom MRI vorgenommene Bewertung bestehender Kennzeichnungssysteme klarstellt, dass keines der bestehenden Systeme eine optimale Lösung für die Verbraucher bietet.

Das MRI ist deshalb damit beauftragt worden, ein weiteres Modell zu entwickeln. Dieses soll - gemeinsam mit vorhandenen relevanten Systemen - in einer Verbraucherbefragung getestet werden. Klöckner erklärte bei einem Treffen mit Ernährungswirtschaft und Verbraucherverbänden am 11. April 2019 dazu: "Eine europäisch abgestimmte, vereinfachte Nährwertkennzeichnung wäre der beste Weg."

Nährwertkennzeichnung

Der Auftrag nach einer vereinfachten Nährwertkennzeichnung ist Koalitionsvertrag festgelegt. EU- Mitgliedstaaten dürfen grundsätzlich keine einzelstaatlichen Vorschriften erlassen, die über die bisherige verpflichtende Nährwertkennzeichnung hinausgehen. Wollen Mitgliedstaaten zusätzliche nationale Kennzeichnungspflichten erlassen, müssen diese den Voraussetzungen des Artikels 39 Absatz 1 der LMIV (Lebensmittel- und Futtermittelinformationsverordnung) genügen. Umfassende erweiterte Nährwertkennzeichnungssysteme wie "Nutri-Score" oder die britische Ampel sind bisher ausschließlich als Empfehlungen konzipiert, die Teilnahme ist den Unternehmen freigestellt. Eine Verpflichtung, solche Systeme verwenden zu müssen, ist nach EU-Recht derzeit nicht möglich.

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