Standardisierung Medizinischer Informationsobjekte (MIOs)

Wie der Impfpass in die elektronische Patientenakte kommt

MIOs sollen medizinische Informationen standardisieren und den interprofessionellen Austausch erleichtern. Das erste MIO liegt jetzt vor - für den elektronischen Impfpass, dem ersten Bestandteil der elektronischen Patientenakte (ePA).

Das erste medizinische Dokument, dass standardisiert wurde, ist der Impfpass. Adobe Stock_blende11.photo

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat dazu ihr Konzept zur Standardisierung Medizinischer Informationsobjekte (MIOs) vorgestellt. Wichtig werden MIOs vor allem als Bausteine für die geplante ePA, die ab Januar 2021 eingeführt werden soll. Das erste MIO wird der elektronische Impfpass sein.

Medizinische Informationsobjekte - MIOs

MIOs sind klar definierte medizinische Elemente. Sie können als kleine digitale Informationsbausteine verstanden werden, die universell verwendbar und kombinierbar sind. So können aus kleinen Informationselementen komplexere zusammengesetzt werden. Mit den MIOs tritt im medizinischen Informationsaustausch ein einheitliches Format an die Stelle von vielen verschiedenen Formaten. Zum Einsatz sollen die MIOs im gesamten Gesundheitswesen kommen - überall, wo medizinische Informationen erstellt, verwertet und ausgetauscht werden: also zum Beispiel im ambulanten Bereich, in Krankenhäusern, Apotheken, Rettungsdiensten, in der Pflege und auch in der Forschung.

Befunde, Medikationspläne, Impfpässe – die elektronische Patientenakte bietet viele Vorteile für Patienten, aber auch für Ärzte und Akteure im Gesundheitswesen.

MIOs machen medizinische Daten für alle Akteure lesbar

Die KBV war im Terminservice- und Versorgungsgesetz beauftragt worden, die für die Inhalte der ePA notwendigen Festlegungen in Zusammenarbeit mit weiteren Institutionen und Organisationen zu treffen, um deren semantische und elektronische Interoperabilität zu gewährleisten. Dazu hat die KBV das Konzept der MIOs entwickelt. MIOs dienen dazu, medizinische Daten nach einem festen Format zu dokumentieren. Durch die Standardisierung werden sie austauschbar und können interaktiv und sektorenübergreifend genutzt werden.

Das heißt, die medizinischen Informationen können von verschiedenen Akteuren (Ärzten, Krankenhäusern oder Notdienst, später dann auch etwa Hebammen, Pflegekräften) sowie deren unterschiedlichen Softwaresystemen gelesen und verwendet werden. Praxen können untereinander, aber auch mit Kliniken oder anderen Bereichen (zum Beispiel Krebsregisterstellen) Informationen austauschen.

Die KBV sieht sich in der Pionierrolle

KBV-Chef Dr. Andreas Gassen unterstrich bei der Vorstellung des Konzepts: „Die KBV übernimmt damit eine Pionierrolle wohl nicht nur in Deutschland, denn eine sektorenübergreifende Standardisierung gab es in dieser Form bislang nicht. Als Vertreter des größten Bereichs im Gesundheitswesen, nämlich der ambulanten Versorgung, verfügen wir über das nötige medizinische, organisatorische und digitale Know-how. Gleichwohl sind wir uns darüber im Klaren, dass diese große Aufgabe nur gemeinsam mit kompetenten Partnern bewältigt werden kann, um alle Perspektiven zu berücksichtigen.“

Das erste medizinische Dokument, dass standardisiert wurde, ist der Impfpass. Ein Team aus Medizinern und IT-Spezialisten hat in den letzten Monaten an der Spezifikation gearbeitet. Jetzt ist diese für sechs Wochen zur Kommentierung freigegeben. Das Verfahren ist öffentlich und dazu wurde eine Internetplattform eingerichtet, auf der Experten sich einbringen können.

Neben dem Impfpass sind für 2020 weitere MIOs in der Pipeline, unter anderem der Mutterpass, das zahnärztliche Bonusheft, das Gelbe Untersuchungsheft für Kinder, der Krankenhaus-Entlassbrief oder Labordaten.

Die Interoperabilität muss gewährleistet sein

Aus Sicht der KBV bringen MIOs einen großen Mehrwert für die Versorgung. So erklärte Dr. Stefan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV: „Damit solche sinnvollen Anwendungen für alle Nutzer gleichermaßen funktionieren, muss die Interoperabilität gewährleistet sein: Selbst wenn die Versicherten verschiedener Krankenkassen elektronische Patientenakten unterschiedlicher Anbieter nutzen – die Datenbasis muss standardisiert sein um die, gegebenenfalls je nach Nutzer angepasste, Darstellung zuverlässig realisieren zu können.“

Zur Umsetzung des Konzepts der MIOs hat die KBV neue organisatorische Strukturen geschaffen. Die Projektleitung liegt bei der KBV. Die Umsetzung erfolgt durch kv.digital (ehemals KV Telematik GmbH), die bald in eine eigene GmbH ausgegliedert wird. Gearbeitet wird in interdisziplinären Teams mit medizinischer Ausbildung und mit IT-Spezialisierung.

Das sind die Vorteile des eImpfpasses!

Ist der Impfpass in elektronischer Form hinterlegt, kann der Arzt in der Notaufnahme beispielsweise sofort sehen, ob eine Tetanus-Immunisierung erforderlich ist oder nicht. Unnötige Doppelimpfungen und damit auch unnötige Kosten lassen sich so verhindern. Ein eImpfpass ermöglicht auch einen lückenlosen Informationsfluss zwischen Ärzten und Patienten sowie eine sichere und nachhaltige Dokumentation von Impfdaten.

Der Vorteil von strukturierten Daten liegt beispielsweise darin, dass der Impfstatus auf einen Blick zu sehen ist. Auf Anhieb ist erkennbar, bei welchen Erkrankungen Impflücken bestehen oder bis wann eine Immunisierung vorhanden ist und wann sie aufgefrischt werden muss. Daraus lassen sich Erinnerungsfunktionen generieren, so dass Praxen ihre Patienten rechtzeitig über eine fällige Impfung informieren können. Des Weiteren lässt sich die Impfhistorie in einer Übersicht darstellen. Ärzte sehen dann sofort, welcher Impfstoff wann verwendet wurde. Auch Patienten können den Impfpass in ihrer Patientenakte aufrufen und sich so über abgelaufene oder demnächst fällige Impfungen informieren lassen.

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