Veraltete Approbationsordnung für Zahnärzte wird modernisiert

ZApprO: Eine Novellierung in zwei Stufen

Der Bundesrat hat Änderungen an der zahnärztlichen Ausbildung zugestimmt. Doch die Reform kommt nicht so, wie 2017 von der Bundesregierung ursprünglich geplant: Eine gemeinsame Ausbildung für Zahnmedizin und Humanmedizin im vorklinischen Abschnitt ist abgelehnt.

Endlich: Die Novellierung der ZApprO kommt. Aber: Es bleibt vorerst bei der getrennten Ausbildung von Zahn- und Humanmedizinern. Diese soll erst im Rahmen des Prozesses zum Masterplan Medizinstudium 2020 zwischen Bund und Ländern ausgehandelt werden. Adobe Stock/Photographee.eu

Der Bundesrat hat am 7. Juni 2019 der Verordnung zur Neuregelung der zahnärztlichen Ausbildung zugestimmt – allerdings unter der Maßgabe von Änderungen: Die beabsichtigte gemeinsame Ausbildung in den Studiengängen Zahnmedizin und Humanmedizin im vorklinischen Abschnitt lehnte der Bundesrat mit seinem Maßgabenbeschluss ab. Mit diesem Beschluss folgte das Gremium einem Antrag aus mehreren Ländern, der einen Kompromiss zwischen Bund und Ländern vorsieht.

Ausbildung für Zahnärzte aus dem Jahr 1955 endlich modernisiert!

Die Bundeszahnärztekammer (BZÄK) begrüßt, dass die völlig veraltete Approbationsordnung für Zahnärzte (ZApprO) nun endlich modernisiert wird. Der Bundesrat hat der Novelle nach langem Ringen zugestimmt.

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Die Novellierung der Zahnärztlichen Approbationsordnung (ZApprO) erfolgt nun in zwei Stufen:

  • Es bleibt vorerst bei der getrennten Ausbildung von Zahn- und Humanmedizinern. Die Länder begründen ihre Ablehnung der Zusammenlegung beider vorklinischen Ausbildungen damit, dass eine solch grundlegende Reform auch die Weiterentwicklung der allgemeinen medizinischen Ausbildung umfassen sollte.
  • Diese wird erst im Rahmen des Prozesses zum Masterplan Medizinstudium 2020 zwischen Bund und Ländern ausgehandelt.

Damit ändert die aktuell beschlossene Verordnung nur die zahnärztlichen Inhalte der Approbationsordnung, die seit 1955 weitgehend unverändert gilt. Das Studium gliedert sich danach künftig in einen viersemestrigen vorklinischen und einen sechssemestrigen klinischen Studienabschnitt. Die ersten vier Semester enden mit dem "Ersten Abschnitt der Zahnärztlichen Prüfung", die in der vorlesungsfreien Zeit stattfinden soll.

Der klinische Abschnitt besteht aus zwei Semestern anhand standardisierter Ausbildungssituationen am Phantom und vier Semestern mit Ausbildung am Patienten. Auch hier folgen jeweils staatliche Prüfungen.

Zahnärztekammer Niedersachsen

"63 Jahre andauerndes Koma beendet"

Die Zahnärztekammer Niedersachsen (ZKN) begrüßt, dass der Bundesrat im nunmehr dritten Anlauf zugestimmt hat, die seit 63 Jahren gealterte und unveränderte zahnärztliche Approbationsordnung (ZApprO) zu modernisieren. "Dass die dringend überfällige Aktualisierung der Approbationsordnung erst in zwei Schritten erfolgt, ist nicht optimal, aber alle Male besser, als sie weiter im Koma liegen zu lassen", betont der Präsident der ZKN Henner Bunke, D.M.D./Univ. of Florida. "Hier danke ich insbesondere auch dem Land Niedersachsen, das an der Erarbeitung der Kompromisslösung beteiligt war, und bereit ist, sich an der Finanzierung der Mehrkosten zu beteiligen."

"Sinnvoll ist, dass die zahntechnische und prothetische Ausbildung im Zahnmedizinstudium erhalten bleibt und dass die Gleichwertigkeitsprüfung für ausländische Zahnärzte geklärt worden ist", resümiert der Vizepräsident der ZKN Jörg Röver. "Denn in ihrer Neufassung definiert die Approbationsordnung auch bundesweit einheitliche Verfahrensregeln für die Anerkennung ausländischer zahnärztlicher Berufsabschlüsse." nb/pm

Ein weiterer wichtiger Aspekt: In den Praxisteilen des Zahnmedizinstudiums soll das Zahlenverhältnis von Lehrenden zu Studierenden verbessert werden: im Phantomkurs von 1:20 auf 1:15 und im Unterricht am Patienten von bisher 1:6 auf 1:3. In einer begleitenden Entschließung warnt der Bundesrat jedoch davor, dass die kleineren Lerngruppen nicht zu einer verringerten Studienplatzkapazität führen dürfen. Schließlich sei der Versorgungsbedarf unverändert hoch. Insofern bittet er die Bundesregierung darum, diese Frage im Dialog mit den Ländern zu klären.

Zahnärztekammer Nordrhein

"Verbesserte studentische Ausbildung der Zahnärzte hilft Patienten"

Die vom Bundesrat beschlossene Novellierung der ZApprO sehen die Zahnärzte in Nordrhein grundsätzlich positiv: Nun sei die Möglichkeit geschaffen, die Ausbildung in der  Zahnheilkunde in Deutschland auf einen modernen und zukunftsfähigen Stand zu bringen.

"Wir haben in den vergangenen Monaten hierzu viele intensive Gespräche mit dem in NRW zuständigen Bildungsministerium geführt", so Dr. Johannes Szafraniak, Präsident der Zahnärztekammer Nordrhein. "Zusammen mit den Kollegen der Zahnärztekammer Westfalen-Lippe haben wir wieder und wieder aufgeführt, warum eine Novellierung so dringend notwendig war. Es ist schön zu sehen, dass sich unser Einsatz für die Zahnmedizinstudierenden in NRW und bundesweit gelohnt hat", so Szafraniak. Schade sei nur, dass die Novellierung im vorklinischen Teil zunächst verschoben sei. Die hier notwendigen Reformen dürften keinesfalls aus den Augen verloren werden, fordert der Präsident.

Neben einer Neugewichtung der bisherigen Ausbildungsinhalte und der Einbeziehung von aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen sieht die Ordnung unter anderem ein besseres Verhältnis von Studierenden und Lehrenden in den praktischen Kursen vor. "In einem Studiengang, wo es auch auf handwerkliches Geschick, Fingerfertigkeit und Übung ankommt, ist eine intensive Betreuung das A und O, um die bestmögliche Versorgung für die Patienten zu gewährleisten", so Dr. Ralf Hausweiler, Vizepräsident und Pressesprecher der Zahnärztekammer Nordrhein. "Dass beispielsweise Prävention und Erhaltung von Zähnen künftig eine größere Rolle in der Ausbildung spielen, hilft ebenfalls den Patienten."

Die Bedenken des zuständigen NRW-Ministeriums zur Finanzierung der zusätzlichen Betreuung können die Zahnärzte nachvollziehen. Vor dem Hintergrund der vielen zahnmedizinischen Studienstandorte in NRW sieht die Zahnärztekammer Nordrhein hier den Bund in der Pflicht. Denn, so Szafraniak: "Die bestmögliche Ausbildung der Zahnärztinnen und Zahnärzte in Deutschland und damit auch die bestmögliche Patientenversorgung darf nicht auf der Strecke bleiben!" nb/pm

Ebenfalls Teil der Reform ist die Neugewichtung der bisherigen Ausbildungsinhalte sowie die Stärkung des Strahlenschutzes und der wissenschaftlichen Kompetenz der Studierenden. Letztere soll als Querschnittsfach eingeführt werden.

Zur Begründung des Beschlusses verwies der Bundesrat auf den Masterplan Medizinstudium 2020: Ein wesentliches Element der ZApprO-Novelle ist laut Bundesrat unter anderem eine Verzahnung des ersten Studienabschnitts der Medizin und der Zahnmedizin. Aufgrund der bald anstehenden Novellierung der Ärzteapprobationsordnung im Rahmen der Umsetzung des Masterplanes Medizinstudium 2020 sollten diese Pläne nach Auffassung des Bundesrates derzeit nicht weiterverfolgt werden. Gleichwohl halten sie eine Reform der zahnärztlichen Ausbildung dringend erforderlich. Deshalb kann die Novelle nur unter der Maßgabe der aufgezeigten Änderungen erfolgen.

Bayerische Landeszahnärztekammer und Kassenzahnärztliche Vereinigung Bayerns

"Wesentliche Impulse aus Bayern bringen den Erfolg"

"Die bayerischen Zahnärzte fordern seit Jahren die Reform der Approbationsordnung. Jetzt sehen wir endlich Licht am Ende des Tunnels. Wir danken der bayerischen Gesundheitsministerin Melanie Huml und ihrem Haus, die das Ringen um die Neugestaltung der zahnärztlichen Ausbildung mit großem Einsatz unterstützt haben. Die erneute Initiative aus Bayern hat dazu geführt, dass die Reform endlich kommt", so Christian Berger, Präsident der Bayerischen Landeszahnärztekammer und Vorsitzender der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Bayerns.

Der Bundesrat hatte sich auf Betreiben der Bayerischen Staatsministerin für Gesundheit und Pflege, Melanie Huml, erneut mit der Reform befasst, die 2017 von der Bundesregierung angestoßen wurde. Die zustimmungsbedürftige Verordnung kam jedoch im Bundesrat zwei Mal nicht zur Abstimmung.

"Unser Dank gilt auch Prof. Dr. Reinhard Hickel, Direktor der Poliklinik für Zahnerhaltung und Parodontologie am Klinikum der LMU München, der sich über viele Jahre hinweg mit überaus großem Engagement für eine neue Approbationsordnung eingesetzt hat", so Berger weiter. Eine Novellierung der zahnärztlichen Ausbildung sei angesichts der Weiterentwicklung in der Zahnmedizin und den Anforderungen einer interdisziplinären Lehre unabdingbar. Die Qualität der zahnärztlichen Ausbildung sei zudem die Voraussetzung für die zeitgemäße zahnmedizinische Versorgung, die den Herausforderungen einer immer älter werdenden Gesellschaft gerecht werden muss. nb/pm

Dem Beschluss des Bundesrates vorausgegangen war eine am 6. Juni 2019 in 2./3. Lesung im Bundestag angenommene Änderung zum Entwurf des Gesetzes für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung (GSAV). In der ursprünglichen Fassung des Gesetzentwurfs war in Artikel 17 eine Änderung der Ermächtigungsgrundlage zur ZApprO vorgesehen, sodass deren Erlass künftig nicht mehr der Zustimmung des Bundesrats bedurft hätte. Diese Regelung ist im Rahmen der Kompromisslösung nun entfallen.

Geklärt: Die Berufserlaubnis für ausländische Bewerber

Die Gleichwertigkeitsprüfung ist vom Maßgabe-Beschluss der Länder nicht betroffen. Deshalb ist mit der ZApprO-Novelle jetzt auch diese geklärt worden:

Derzeit gültige Approbationsordnung für Zahnärzte (AO-Z 1955, status quo): Die Kenntnis- und Eignungsprüfung nach dem Zahnheilkundegesetz wird in der Praxis derzeit auf normativer Grundlage von Verfahrensordnungen oder Verwaltungsvorschriften der zuständigen Behörden der Länder durchgeführt, die sich in ihren Einzelheiten voneinander unterscheiden und sich nicht am Standard der Staatsexamensprüfung in Deutschland orientieren. Wenn jedoch der Ausbildungsstand des Antragsstellers nach Aktenlage nicht klar nachvollzogen werden kann, so ist eine Gefährdung der öffentlichen Gesundheit derzeit nicht ausgeschlossen.

Geplante Approbationsordnung für Zahnärzte und Zahnärztinnen (ZApprO, Stand: 2. August 2017): Künftig sollen die Absolventen einer deutschen Universität und ausländische Antragsteller auf Erteilung einer Berufserlaubnis gleich behandeln werden. So soll in der neuen Approbationsordnung explizit geregelt werden, dass sich die Eignungs- und Kenntnisprüfung ausländischer Bewerber am Standard der Staatsexamensprüfung in Deutschland orientiert. Dabei ist zu unterstützen, dass auch ein Zahnarzt mit einer vorläufigen Berufserlaubnis über die für die Ausübung der Berufstätigkeit erforderlichen Kenntnisse der deutschen Sprache verfügen muss. Im Zweifel sind die Sprachkenntnisse durch eine entsprechende Fachsprachenprüfung nachzuweisen. Dieses ist im Sinne des Patientenschutzes und im Sinne der hohen Qualität der zahnärztlichen Versorgung in Deutschland notwendig und unabdingbar.

 

Das BMG wird die Verordnung voraussichtlich in dieser Fassung erlassen. Bereits im Änderungsantrag der Koalitionsfraktionen zu Artikel 17 GSAV hatte die Bundesregierung erklären lassen, dass die beabsichtigten Maßgaben des Bundesrates für sie kein Verkündungshindernis für die ZApprO darstellen. Eine nochmalige Befassung des Bundesrates ist in diesem Fall nicht erforderlich. Nach der Verkündung im Bundesgesetzblatt kann die Verordnung mit den vom Bundesrat beschlossenen Änderungen zum 1. Oktober 2020 in Kraft treten.

Verband der ZahnÄrztinnen – Dentista e.V.

"Wir hätten uns mehr Mut gewünscht"

Der Verband der ZahnÄrztinnen – Dentista e.V. (VdZÄ - Dentista) begrüßt die überfällige Novellierung, bedauert jedoch die weiter getrennte Ausbildung von Zahn‐ und Humanmedizinern in der Vorklinik. "Wir hätten uns hier mehr Mut gewünscht, schließlich sind die Zahnärztinnen und Zahnärzte die Fachärzte für die Mundhöhle – und diese wiederum ist ein Spiegel der Allgemeingesundheit", sagt Dr. Anke Klas, Präsidentin des VdZÄ – Dentista. Medizin müsse daher einen wesentlichen Teil des zahnmedizinischen Studiums darstellen. Es bleibe zu hoffen, dass dies im Rahmen der Verhandlungen zum Masterplan Medizinstudium 2020 noch einmal aufgegriffen werde.

Ausdrücklich begrüßt VdZÄ ‐ Dentista die Verbesserung des Zahlenverhältnisses Studierende zu Lehrenden im klinischen Abschnitt der Ausbildung – und die ausdrückliche Warnung des Bundesrates, dies dürfe nicht zu einer Verringerung der Studienplatzkapazitäten führen. Dies habe Gender Dentistry bereits 2017 angemahnt, ergänzt PD Dr. Dr. Christiane Gleissner, Vizepräsidentin Wissenschaft und Gender Dentistry im VdZÄ – Dentista. "Gerade im Hinblick auf den nach wie vor steigenden Frauenanteil unter den Studierenden und die damit verbundenen anstehenden Veränderungen der Ausübung zahnärztlicher Praxistätigkeit müssen wir uns eher für eine Ausweitung der Studienplätze einsetzen." Bei unverändert hohem Bedarf sei dies ein wichtiger Schritt für die Sicherstellung zahnärztlicher Versorgung in den kommenden Jahren.

"Dass nach so langer Zeit nun endlich eine verlässliche Neuordnung zahnärztlicher Ausbildung auf den Weg gebracht wurde, kann schon als Meilenstein verstanden werden", fasst Präsidentin Dr. Anke Klas zusammen. Wenn nun noch die Bundesregierung die Änderungen des Bundesrates umsetze, könne die neue Approbationsordnung zum 1. Oktober 2020 in Kraft treten. Nach 65 Jahren sicher nicht zu früh. nb/pm

Ergänzend zum Maßgabe-Beschluss hatte der Bundesrat außerdem eine Entschließung auf Antrag der Länder Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Sachsen gefasst. Darin wird die Bundesregierung aufgefordert, in einen Dialog über eine Beteiligung des Bundes an den Folgekosten der gesamten Reform bei gleichzeitigem Erhalt der Studienplatzkapazitäten einzutreten.

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