Studie zu Arztsuch- und bewertungsportalen

"Die Menschen erwarten, dass sie neutral und unabhängig informiert werden"

Einer neuen Studie der Bertelsmann Stiftung zufolge spiegeln kommerzielle Arztsuchportale nicht den Kundenwunsch wider. Marcel Weigand von der Weissen Liste erklärt, warum.

Ziel der Studie, die in Zusammenarbeit der Bertelsmann Stiftung mit dem Arztbewertungsportal "Weisse Liste" entstand, war herauszufinden, wie transparent Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern mit Informationen über ambulante Ärzte umgeht und welche Informationen den Bürgern wichtig sind, wenn sie nach einem Arzt suchen. Hintergrund: In Planung ist laut Bertelsmann Stiftung, dass die Weisse Liste Mitte des Jahres anhand eines Prototypen aufzeigen wird, "wie eine ideale Arztsuche auf Basis der Studienerkenntnisse aussehen könnte". zm-mg

Für die Studie der Bertelsmann Stiftung wurden Patienten befragt, welche Informationen sie als besonders relevant empfinden und im zweiten Schritt vom IGES-Institut untersucht, wie diesen Bedürfnissen in anderen Ländern durch Public Reporting Rechnung getragen wird. Ergebnis: Insbesondere die angelsächsischen Länder erweisen sich als vorbildlich.

Die Schlussfolgerungen der beiden Analysen gingen am Ende in die repräsentative Befragung der Weissen Liste ein, für die zwischen dem 23. und 27. März von Kantar Emnid rund 1.007 Frauen und Männer über 14 Jahren befragt wurden. Zentrales Ergebnis: 86 Prozent der Befragten stimmten der Aussage "sehr" oder "eher" zu, "Arztsuchportale sollten neutral und werbefrei sein".

Herr Weigand, was bedeutet das Umfrageergebnis nach Einschätzung der Bertelsmann Stiftung für kommerzielle Arztsuchportale wie jameda & Co.?

Marcel Weigand: Das Ergebnis zeigt sehr deutlich, dass die Menschen bei der Arztsuche nicht-kommerzielle Arztsuchportale bevorzugen. Werbung und neutrale Anbieterinformation sind schwer in einem Angebot zusammenzubringen. Das zeigen auch die einschlägigen Gerichtsurteile zu kommerziellen Arztsuchportalen wie jameda. Die Menschen erwarten gerade wenn es um ihre Gesundheit geht, dass sie neutral und unabhängig informiert werden. Darum sollten solche Angebote möglichst werbefrei sein.

Die Befragten wünschen sich regelmäßige Erhebungen von Patientenerfahrungen. Wie könnte so etwas nach Einschätzung der Bertelsmann Stiftung durchgeführt und abgebildet werden?

Die Befragungsergebnisse, die im Rahmen des Qualitätsmanagements in den Arztpraxen derzeit schon erhoben werden, sollten veröffentlicht werden. Dadurch würden keine Mehrkosten entstehen. Idealerweise würde ein einheitlicher Kerndatensatz an Fragen die Vergleichbarkeit erhöhen.

Immerhin zwei Drittel der Befragten wünschen sich außerdem Daten zur Qualität der Arztpraxen. Mit welchen Parametern ließe sich diese "Qualität" nach Ansicht der Bertelsmann Stiftung erfassen?

Mit welcher Deutlichkeit Patienten Informationen zur Erfahrung des Arztes mit der Behandlung der Erkrankung, zur Spezialisierung, zu Hygienemaßnahmen in der Praxis und den angebotenen Leistungen einfordern, hat uns auch überrascht. Auf der Basis der Abrechnungsdaten und den sogenannten qualitätsgesicherten Leistungen lassen sich sehr viele Informationen hierzu ableiten. Informationen wie Behandlungsfallzahlen (Hat der Internist Erfahrung mit der Behandlung meiner Schilddrüsenerkrankung?) qualitätsgesicherte Leistungen (Erfüllt der Kardiologe die Voraussetzungen für die Herzkatheteruntersuchung?), Ausstattungen mit Geräten (welche radiologische Praxis hat ein MRT?) ließen sich ohne Weiteres ableiten. Die Datenquellen liegen den Kassenärztlichen Vereinigungen vor. Wir fordern, dass diese Daten von einer neutralen Datenannahmestelle aufbereitet und Arztsuchen zur Verfügung gestellt werden sollten. Damit hätten Patienten in Deutschland auch endlich die Möglichkeit sich weitergehend über die Qualität von niedergelassenen Ärzten zu informieren und eine fundierte Arztwahl zu treffen. In Ländern wie USA, England oder Niederlande ist dies längst der Fall, wie unsere Ländervergleichsstudie zeigt.

Marcel Weigand ist Mitarbeiter der Bertelsmann Stiftung und Ansprechpartner für die "Weisse Liste", einem Projekt der Bertelsmann Stiftung. Strategische Partner und Co-Initiatoren der Weissen Liste sind die Dachverbände der größten Patienten- und Verbraucherorganisationen. Nach eigener Aussage erforscht, entwickelt und realisiert die gemeinnützige GmbH Informationslösungen im Gesundheitswesen an der Schnittstelle von Patienten, Leistungserbringern und Kostenträgern.

Mit einer durchschnittlichen Note von 1,33 bekommen Zahnärzte im Vergleich zu anderen Arztgruppen die besten Patientenbewertungen auf Deutschlands größtem Bewertungsportal. Doch wo Licht ist, ist auch Schatten.

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Peter GorenflosJamedas Echtheit-Postulat ist eine gezielte Desinformation
Das Echtheits-Postulat der Bewertungen durch Jameda und seine Pressesprecherin Kathrin Kirchler ist eine gezielte Desinformation. Wie „gefaket“ diese Bewertungen sind, beweist eine WDR Sendung vom 8.11.2017 und eine RBB Sendung vom 7.5. diesen Jahres. Beliebige
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Passanten einer Einkaufsstraße in Köln und Berlin haben Ärzte bewertet, die sie gar nicht kannten, und diese Bewertungen sind im Profil der Ärzte tatsächlich veröffentlicht worden.
Wenn Jameda die Echtheit ernst meinen würde, dann würde man bei jeder Bewertung einen Behandlungs-Nachweis verlangen. Das ist ganz einfach: man legt der Bewertung ein Smartphone-Foto von einem Rezept, einer Krankschreibung oder einer Überweisung bei und bei Nachfrage des betroffenen Arztes/Zahnarztes leitet man es anonymisiert an diesen weiter. Bewertungsfabriken sind nur die Spitze des Eisberges und wenn Jameda gegen diese vorgeht, macht man sich nur vom Bock zum Gärtner. Denn der ZEIT-Artikel vom 18.1.2018 legt nahe, dass nicht nur die Bewertungsdurchschnitte von Jameda manipuliert werden, er legt auch nahe, dass zahlende Kunden selbst für zahlreiche Positiv-Bewertungen sorgen. Das merkt man u.a. auch an der Einförmigkeit, der Standardisierung der Texte. Jameda kann also kein Interesse an der Echtheit der Bewertungen haben. Das wäre nicht im Interesse seiner Kunden, die ihren Ruf aufpolieren (lassen), nicht im wirtschaftlichen Interesse des Portals, dass von seinen Kunden lebt. Natürlich können das auch zwangsrekrutierte Kollegen im Portal tun und sei es aus Notwehr. Aber die Anzahl der schlechten Bewertungen - darin liegt der eigentliche Schlüssel der Bewertungsdurchschnitts-Manipulation – verringern sie nur signifikant, wenn sie „Schutzgeld“ bezahlen, wie das die Rechtsanwältin von Astrid Eichhorn formulierte. Es hilft alles nichts: Bewertungsportale und Werbeportale müssen getrennt werden. Andernfalls kommt das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb (UWG) zur Geltung, wie das der ehemalige Vorsitzende des Bundesgerichtshofes, Wolfgang Büscher, in seinem wegweisenden Artikel „Soziale Medien, Bewertungsplattformen & Co“ (Kapitel 3, S. 8 ff, GRUR Prax, 2017) formuliert. Wenn sich Jameda daran nicht hält und statt dessen Patienten täuscht und Kollegen korrumpiert, dann muss Jameda zerschlagen werden.

Vor 1 Jahr 1 Monat
1527180778
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