Stellungnahme der Autoren

Sattelstühle: "Unser Ziel war der Vergleich zwischen Sattelstuhl und Reitersattel!"

Nach unserer Titelstory über Sattelstühle schlugen die Wogen hoch: "Wir haben gegenteilige Erfahrungen gemacht!", schreibt ein Leser, "Nicht alle sind gleich und wirkungslos", betont ein Hersteller. Hier äußern sich noch einmal die Autoren: "Ziel war die anatomisch-physiologische Analyse des Sitzens auf einem Sattelstuhl im Vergleich zum Sitzen auf einem Reitersattel."

Hager&Werken

Reaktion auf die verschiedene Leserbriefe zum Titel „Zahnärztliche Ergonomie – Taugt der Sattel in der Praxis?“, zm 21/2017, S. 24–36.

Als erstes danken wir dem Kollegen Dr. Bert Wagner für seinen Kommentar. Er gehört für uns zu den respektabelsten Pionieren der zahnärztlichen Ergonomie in Deutschland - das von uns als Wiege der zahnärztlichen Ergonomie betrachtet wird - und innerhalb der European Society of Dental Ergonomics (ESDE). Aber, wo vorher Platz für persönliche Überzeugungen, Praxisbeispiele und Beobachtungen von Einzelpersonen (N = 1) war, hat sich das Bild in den vergangenen 20 Jahren eindeutig in Richtung evidenzbasiertes Wissen verschoben.

„Ein Sattel gehört auf ein Pferd und nicht in die Zahnarztpraxis. Diese 11 Wörter sind das Resümee einer tiefgründigen (...) Abhandlung über richtiges Sitzen", schreibt Leser Bert Wagner. Und meldet Zweifel an.

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Von großer Bedeutung ist hier die 2000 verabschiedete und 2015 unverändert bestätigte ISO Norm 11226 „Evaluierung von statischen Körperhaltungen bei der Arbeit“, an der man nicht vorbeikommt. Sie bildete deshalb 2006 einen Ausgangspunkt bei der Erstellung des Dokuments „Ergonomic requirements for dental equipment - Guidelines and recommendations for designing, constructing and selecting dental equipment“ (http://esde.org/documents.html). Seitdem beobachtet man langsam aber sicher, dass besser dokumentierte Berichte über die zahnärztliche Ergonomie publiziert werden. Die Zeit bleibt glücklicherweise nicht stehen.

In Anlehnung an die international akzeptierte Definition von Dr. Jan Dul, Professor für „Technology and human factors“ an der Rotterdam School of Management, Erasmus Universität, „das Fachgebiet der Ergonomie beschäftigt sich mit der Interaktion zwischen dem Menschen und der von ihm gestalteten technischen und organisatorischen Umgebung. Dabei ist die Produktergonomie bestrebt, gebrauchsfreundliche Produkte zu entwickeln und menschenfreundliche (Produktions-)Prozesse zu entwerfen", müssen wir feststellen, dass Kollege Dr. Klaus Schneider die Begrifflichkeiten leider umkehrt: Er und sein Team sind bemüht, sich so gut wie nur möglich dem Sattelstuhl anzupassen.

Vom Thema Ergonomie, konkret der zm-Titelgeschichte zum Sattelstuhl war Leser Klaus Schneider begeistert. Das gilt jedoch nicht für die Schlussfolgerung, dass der Sattelstuhl nicht in die Praxis gehört.

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Da langes (fixiertes) Sitzen sehr ungesund und somit schädlich ist, ist sein Trainingsprogramm die absolute Herausforderung, um die erlittenen Schaden auszugleichen und in Topkondition zu bleiben. Dem hingegen erfordert die zahnärztliche Tätigkeit eine aktive und stabile Arbeitshaltung bei der Entspannung und Bewegung möglich sein müssen. Anstatt in diesem Sinne konsequent einen präventiven Ansatz zu wählen, wird therapiert. Prof. Jerome Rotgans arbeitet in seinem Beitrag “Ergonomisch arbeiten - Richtig Sitzen” in der zm-Ausgabe 14/2017, S. 74-78, als es um die Kriterien für die Wahl eines Arbeitsstuhls geht, deutlich, dass eine gesunde Arbeitshaltung tatsächlich möglich ist.

Herr van Dijk van Hager & Werken dürfte nicht der falschen Annahme unterliegen, dass wir die Literatur über Bambach Sattelstühle nicht verinnerlicht haben. Wir haben in unserem Beitrag bewusst vermieden, Namen von Sattelstühlen und deren Hersteller zu nennen. Ziel war die anatomisch-physiologische Analyse des Sitzens auf einem Sattelstuhl im Vergleich zum Sitzen auf einem Reitersattel.

Die Hager und Werken GmbH bezieht Stellung zur Titelgeschichte. Sattelstühle würden darin undifferenziert als „gleich“ und wirkungslos dargestellt, heißt es. Und: Dies gelte nicht für den Bambach-Sattelsitz.

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Dennoch, betrachten wir den Bambach Sattelstuhl, dessen Wölbung als besonderes Merkmal hervorgehoben wird. Dieses Merkmal als besonders vorteilhaft zu betrachten, ist schwer nachvollziehbar, denn kein Po ist gleich, die Sattelwölbung allerdings eine feste Tatsache. Die „patentierte Neigungseinstellung“ führt dazu, dass, wenn der Neigungswinkel verstellt wird, das Becken sich in gleichem Ausmaß neigt, was zur Immobilisierung (Fixierung) der unteren Rückenpartie führt. Der Bambach Sattelstuhl ist so breit, dass die Hüftgelenke in deren anatomisch-physiologische „Endposition“ gezwungen werden, was ebenfalls zur Fixierung des unteren Rückenabschnitts führt.

Wie diese Blockade sich anfühlt, können unsere Leser gerne erleben: Sie stellen sich mit geraden Beinen aufrecht hin und werden aufgefordert, Ihr Becken so weit es geht, vor und zurück zu kippen … um dann im nächsten Schritt dieselbe Übung mit 45 Grad-Spreizung der Beine auszuführen. Bei zunehmender Spreizung wird die Vor- und Rückwärtskippung des Beckens zunehmend schwieriger, bei 90° praktisch unmöglich. Das heißt, umso breiter der Sattel, desto schädlicher die Sitzweise. Wurde in diesem Zusammenhang je über die Entstehung muskuloskeletaler Folgeschäden gesprochen? Es liegt im Verantwortungsbereich des Herstellers, darauf einzugehen.

Last but not least wirft sich mit Blick auf das für den Bambach Sattelstuhl angebotene lederne Polster die Frage auf, ob ein Stuhl mit solch einem Polster im Praxiszimmer aus hygienischer Sicht und mit Blick auf die Durchführung von Desinfektionsmaßnahmen noch zu verantworten ist. Manche Fachleute behaupten, dass man Leder desinfizieren kann. Ergebnisse von unabhängig durchgeführte wissenschaftliche Untersuchungen sind uns allerdings nicht bekannt. Es ist verständlich, dass Herr van Dijk sein Produkt in Schutz nimmt. Ziel muss es aber immer sein, die Gesundheit des Zahnarztes und seines Teams im Blick zu haben.

drs. Paul Engels/Santpoort-NL stellvertretend für das Autorenteam

Das sagen die Kollegen. In jeder Printausgabe der zm finden Sie ein Leserforum, das wir auf dieser Themenseite sukzessive veröffentlichen.

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