Rechte und Pflichten von Azubis

Von A wie Arbeitsmittel bis Z wie Zeugnis

1. September, Ausbildungsbeginn: Die neue Auszubildende ist nicht nur eine weitere Mitarbeiterin in Ihrer Praxis, sondern sie hat aufgrund ihres Status besondere Rechte und Pflichten.

Überstunden, Urlaub, Berufsschule - damit Auszubildende den Sprung ins Berufsleben schaffem, genießen sie besonderen Schutz. Kzenon


Besondere Rechte und Pflichten von Auszubildenden

Von A wie Arbeitsmittel bis Z wie Zeugnis

Materialien, die Ihre angehende ZFA für die Ausbildung braucht, müssen Sie ihr - kostenlos- zur Verfügung stellen. Dazu gehört das Berichtsheft (siehe dort), aber auch Zeichen- oder Schreibmaterial. Da Ihre Auszubildende mit denen ihr anvertrautenden Materialien sorgsam umgehen muss, sollten Sie ihr genau erklären, wie sie alles richtig bedient und pflegt.

Minderjährige dürfen eine wöchentliche Arbeitszeit von 40 Stunden nicht überschreiten. Bei volljährigen Auszubildenden liegt die Grenze bei 48 Stunden pro Woche.

So weit die Regel. Keine Regel ohne Ausnahme, zumal im Gesundheitssektor: Ausnahmen sind "Notfälle, in denen Erwachsene nicht zur Verfügung stehen" (§21 (1) JArbSchG) beziehungsweise "im ärztlichen Notdienst" (gemäß §16 (2) 10 JArbSchG).

Ebenso wichtig: Die Arbeitszeit muss durch Ruhepausen unterbrochen werden. Die Ruhepausen müssen bei mehr als 4,5 bis zu sechs Stunden Arbeitszeit mindestens 30 Minuten, bei mehr als sechs Stunden Arbeitszeit 60 Minuten betragen.

Die Ausbildungsdauer beträgt drei Jahre (§2 der Verordnung über die Berufsausbildung zum Zahnmedizinischen Fachangestellten.

Ausnahmen regelt §45 "Zulassung in besonderen Fällen" des Berufsbildungsgesetzes (BBiG):

(1) Auszubildende können nach Anhörung der Ausbildenden und der Berufsschule vor Ablauf hrer Ausbildungszeit zur Abschlussprüfung zugelassen werden, wenn ihre Leistungen dies rechtfertigen.

(2) Zur Abschlussprüfung ist auch zuzulassen, wer nachweist, dass er mindestens das Eineinhalbfache der Zeit, die als Ausbildungszeit vorgeschrieben ist, in dem Beruf tätig gewesen ist, in dem die Prüfung abgelegt werden soll. Als Zeiten der Berufstätigkeit gelten auch Ausbildungszeiten in einem anderen, einschlägigen Ausbildungsberuf. Vom Nachweis der Mindestzeit nach Satz 1 kann ganz oder teilweise abgesehen werden, wenn durch Vorlage von Zeugnissen oder auf andere Weise glaubhaft gemacht wird, dass der Bewerber die berufliche Handlungsfähigkeit erworben hat, die die Zulassung zur Prüfung rechtfertigt.

 

Gerade zu Beginn der Ausbildung, wenn die Auszubildende noch nicht überall eingesetzt werden kann, mag es für Praxisinhaber verführerisch sein, sie immer gleiche Aufgaben erledigen zu lassen. Das ist jedoch nicht zulässig und widerspricht dem Sinn einer Berufsausbildung. Das Berufsbildungsgesetz (kurz BBiG) verbietet "ausbildungsfremde Tätigkeiten" - also alle Aufgabenstellungen, die nicht dem Ausbildungszweck dienen oder die körperlichen Kräfte der Auszubildenden übersteigen.

Für die Berufsschule müssen Arbeitgeber ihre Auszubildenden freistellen und ihnen außerdem die Unterrichtszeit auf die Arbeitszeit wie folgt anrechnen:

  • Ein Schultag (über fünf Unterrichtsstunden, jeweils 45 Minuten) entspricht einem Arbeitstag von acht Stunden.
  • Eine Schulwoche (mindestens 25 Stunden an mindestens fünf Tagen) entspricht einer Arbeitswoche von 40 Stunden.

Als Ausbilder sind Sie angehalten, Ihre ZFA-Auszubildende ein Berichtsheft führen zu lassen (vergleiche §6 der Verordnung über die Berufsausbildung zum/zur ZFA). Dies ist eine der Zulassungsvoraussetzungen zur Abschlussprüfung.

Beschäftigte auf den Konsum von Betäubungsmitteln untersuchen zu lassen bedeutet einerseits einen Eingriff in deren grundgesetzlich garantierten Persönlichkeitsrechte. Andererseits haben gerade Arbeitgeber im Gesundheitswesen ein nachvollziehbares Interesse daran, dass Mitarbeiter frei von Drogeneinflüssen ihrer Tätigkeit an und mit Patienten nachgehen.

Gewerkschaften wie ver.di sind gegen Drogentests als Auswahlverfahren für Auszubildende - "weil dabei die Gefahr einer ungerechten Vorverurteilung von Personen besteht, vor allem von Jugendlichen". Sie als Arbeitgeber können jedoch mit dem Betriebsrat - falls ihn die Praxisgröße erlaubt - eine Vereinbarung über die Zulässigkeit von Drogentests treffen.

"Alkohol- und Drogentests sind also möglich, wenn eine Rechtsgrundlage gegeben ist, Sie einen konkreten Verdacht haben, ein Bezug zur ausgeübten Tätigkeit vorliegt und Mitarbeiter Tätigkeiten mit einem hohen Gefahrenpotenzial ausführen (wie zum Beispiel Piloten). Dabei müssen Sie Ihren Arbeitnehmern aber die Wahl lassen, wo sie den Test durchführen wollen. Das heißt, möchte einer Ihrer Mitarbeiter zu dem Arzt seines Vertrauens gehen, müssen Sie dies zulassen. Und aufgrund der ärztlichen Schweigepflicht werden Sie keine konkreten Ergebnisse erhalten, sondern lediglich eine Bestätigung, dass Ihr Mitarbeiter arbeitsfähig ist beziehungsweise nicht arbeitsfähig ist." (Ulf Weigelt, Anwalt für Arbeitsrecht in Berlin, für Zeit Online)

Stellen Sie sich darauf ein, dass Ihre Auszubildende häufiger krank ist als Ihre restlichen Mitarbeiter. Grund sind "teilweise Defizite in den Bereichen Bewegung, Ernährung und Schlaf sowie im Umgang mit Suchtmitteln und digitalen Medien", wie das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) 2015 konstatierte. Arbeitgeber in der Bundeshauptstadt müssen besonders viele Krankmeldungen ihres Berufsnachwuchses hinnehmen - fast doppelt so viele wie im Freistaat Bayern.

Immerhin können Sie als Ausbildungsbetrieb laut Arbeitsrecht schon eine Krankmeldung am ersten Tag der Arbeitsunfähigkeit verlangen. Dies muss aber zuvor mündlich oder schriftlich (im Ausbildungsvertrag) vereinbart worden sein.

Ausbilder haben Auszubildende für die Teilnahme am Berufsschulunterricht und an Prüfungen freizustellen. Das Gleiche gilt, wenn Ausbildungsmaßnahmen außerhalb der Ausbildungsstätte durchzuführen sind. Wenn Sie das nicht tun, handeln Sie gemäß §2 BBiG "ordnungswidrig".

Wenn Sie in Ihrer Praxis fünf oder mehr Jugendliche unter 18 beziehungsweise Auszubildende unter 25 Jahren beschäftigen, müssen Sie die Wahl einer Jugend- und Auszubildendenvertretung zulassen.

Die JAV achtet auf die Einhaltung aller Gesetze, Tarifverträge und Betriebs- beziehungsweise Dienstvereinbarungen, die Auszubildende betreffen. Sie kümmert sich sowohl um die Qualität der Ausbildung als auch um die Übernahme nach Ausbildungsende.

(1) Während der Probezeit kann das Berufsausbildungsverhältnis von beiden Seiten jederzeit ohne Einhalten einer Kündigungsfrist gekündigt werden.

(2) Nach der Probezeit kann das Berufsausbildungsverhältnis nur gekündigt werden: a. aus einem wichtigen Grund ohne Einhalten einer Kündigungsfrist, b. von Auszubildenden mit einer Kündigungsfrist von vier Wochen, wenn sie die Berufsausbildung aufgeben oder sich für eine andere Berufstätigkeit ausbilden lassen wollen.

(3) Die Kündigung muss schriftlich und in den Fällen des Absatzes 2 unter Angabe der Kündigungsgründe erfolgen.

(4) Eine Kündigung aus einem wichtigen Grund ist unwirksam, wenn die ihr zugrunde liegenden Tatsachen dem zur Kündigung Berechtigten länger als zwei Wochen bekannt sind. Ist ein vorgesehenes Güteverfahren vor einer außergerichtlichen Stelle eingeleitet, so wird bis zu dessen Beendigung der Lauf dieser Frist gehemmt. (§22 BBiG)

Es gibt eine Zwischen- und eine Abschlussprüfung. Nur wer die Zwischenprüfung erfolgreich bestanden hat, wird auch zur Abschlussprüfung zugelassen. Die Zwischenprüfung muss laut §7 der Ausbildungsverordnung vor Ende des zweiten Ausbildungsjahres stattfinden.

Wenn Ihre Auszubildende bei der Abschlussprüfung durchfallen sollte, müssen Sie ihre Ausbildungszeit um höchstens ein Jahr verlängern, falls sie dies verlangt.

(1) Jugendliche dürfen nicht mehr als acht Stunden täglich und nicht mehr als 40 Stunden wöchentlich beschäftigt werden.

(2a) Wenn an einzelnen Werktagen die Arbeitszeit auf weniger als acht Stunden verkürzt ist, können Jugendliche an den übrigen Werktagen derselben Woche achteinhalb Stunden beschäftigt werden.

(§8 JArbSchG)

Für volljährige Auszubildende gilt §17 (3) BBiG: "Eine über die vereinbarte regelmäßige tägliche Ausbildungszeit hinausgehende Beschäftigung ist besonders zu vergüten oder durch entsprechende Freizeit auszugleichen."

Grundsätzlich müssen Sie als Arbeitgeber folgendes beachten:

  • Mehrgearbeitete Stunden müssen in jedem Fall den Inhalten der Ausbildung dienlich sein. Werden Auszubildende über die normale Arbeitszeit hinaus mit Tätigkeiten betraut, die der Ausbildung fern sind, müssen sie diesen nicht nachgehen.
  • Auszubildende brauchen in der Regel keine Überstunden zu leisten. Wird die Arbeitszeit trotzdem überschritten, hat dies in jedem Fall auf freiwilliger Basis zu erfolgen. Außerdem muss ein Ausbilder in der Praxis anwesend sein und die angehenden ZFA betreuen. (Quelle: Berufsverband der Rechtsjournalisten e.V.)

Im "Manteltarifvertrag für Zahnmedizinische Fachangestellte/ZahnarzthelferInnen in Berlin, Hamburg, Hessen, im Saarland und für den Landesteil Westfalen-Lippe" heißt es "Bei Auszubildenden soll der Urlaub zusammenhängend und in der Zeit der Berufsschulferien erteilt und genommen werden."

Für volljährige Auszubildende ist in jedem Fall der gesetzliche Mindesturlaub von derzeit 24 Werktagen zu gewähren. Bei minderjährigen Auszubildenden ist gemäß § 19 Abs. 2 Jugendarbeitsschutzgesetz die Dauer wie nachstehend vorgegeben:

Der Anspruch auf Erholungsurlaub für Jugendliche, die zu Beginn des Kalenderjahres

  • noch nicht 16 Jahre alt sind, beträgt mindestens 30 Werktage
  • noch nicht 17 Jahre alt sind, beträgt mindestens 27 Werktage
  • noch nicht 18 Jahre alt sind, beträgt mindestens 25 Werktage.

 

 

 

Seit dem 1.1.2017 beträgt die Ausbildungsvergütung für Auszubildende: 

  • im 1. Ausbildungsjahr: 800 Euro (im Kammergebiet Nordrhein: 750 Euro)
  • im 2. Ausbildungsjahr: 840 Euro (im Kammergebiet Nordrhein: 850 Euro)
  • im 3. Ausbildungsjahr: 900 Euro (im Kammergebiet Nordrhein: 950 Euro)

(§ 3 Ausbildungsvergütung des Vergütungstarifvertrags für die Kammergebiete Hamburg, Hessen, Saarland und Westfalen-Lippe)

 

 

Im ärztlichen Notdienst dürfen jugendliche Auszubildende auch sonnabends und sonntags eingesetzt und ausgebildet werden (§16 und §17 des JArbSchG). Sie als Praxisinhaber müssen dabei auf einen tatsächlichen Lerneffekt achten, dürfen die Auszubildende also nicht als bloßen Lückenfüller betrachten.

Für Feiertage gilt: "Am 24. und 31. Dezember nach 14 Uhr und an gesetzlichen Feiertagen dürfen Jugendliche nicht beschäftigt werden." (§18 JArbSchG)

Siehe auch Überstunden.

Ohne die Zustimmung der Auszubildenden darf kein Grund für das (vorzeitige) Ausbildungsende angegeben werden. Was ebenfalls nicht im Ausbildungszeugnis erwähnt werden darf:

  • einmaliges Fehlverhalten
  • Krankheiten
  • außerbetriebliches Verhalten (zählt zum Privatbereich)
  • Tätigkeit in einer Interessenvertretung
  • Straftaten (nur wenn sie im Zusammenhang mit dem Ausbildungsverhältnis stehen)
  • Drogen- und Alkoholprobleme

Mehr zu Aufbau, Inhalten und Gliederung eines Ausbildungszeugnisses finden Sie hier.


22058132185395218539621853972204255 2204256 2185398
preload image 1preload image 2preload image 3preload image 4preload image 5preload image 6preload image 7preload image 8preload image 9preload image 10preload image 11preload image 12preload image 13preload image 14preload image 15preload image 16preload image 17preload image 18preload image 19preload image 20preload image 21preload image 22preload image 23preload image 24preload image 25preload image 26preload image 27preload image 28preload image 29preload image 30preload image 31preload image 32preload image 33preload image 34preload image 35preload image 36preload image 37preload image 38preload image 39preload image 40preload image 41preload image 42preload image 43preload image 44preload image 45preload image 46preload image 47preload image 48preload image 49preload image 50preload image 51preload image 52preload image 53preload image 54preload image 55preload image 56preload image 57preload image 58preload image 59preload image 60preload image 61preload image 62preload Themeimage 0preload Themeimage 1preload Themeimage 2preload Themeimage 3preload Themeimage 4preload Themeimage 5preload Themeimage 6preload Themeimage 7preload Themeimage 8preload Themeimage 9preload Themeimage 10preload Themeimage 11preload Themeimage 12preload Themeimage 13preload Themeimage 14preload Themeimage 15preload Themeimage 16preload Themeimage 17preload Themeimage 18preload Themeimage 19preload Themeimage 20preload Themeimage 21preload Themeimage 22preload Themeimage 23preload Themeimage 24preload Themeimage 25preload Themeimage 26preload Themeimage 27preload Themeimage 28
Bitte bestätigen Sie
Nein
Ja
Information
Ok
loginform
Kommentarvorschau
Kommentarvorschau schliessen
Antwort abbrechen
Ihr Kommentar ist eine Antwort auf den folgenden Kommentar

Keine Kommentare