Zahnmedizin

Amalgamdiskussionen sind oft Quecksilberdiskussionen

Der Greifswalder Zahnmediziner Prof. Dr. Georg Meyer ist Direktor des Zentrums für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde an der Universität Greifswald und Mitglied im Science Committee der FDI World Dental Federation. Axentis

"In Brüssel agieren teilweise Politiker, die weit entfernt vom naturwissenschaftlichen Denken sind."

Auf europäischer Ebene ist dennoch ein Amalgamverbot in der Diskussion.

In Brüssel agieren teilweise Politiker, die weit entfernt vom naturwissenschaftlichen Denken sind. Sie verstehen nicht, dass Amalgam eine stabile Verbindung ist, die zwar Quecksilber enthält, aber eben nicht - bis auf die Kremierung - freisetzt.

Der Einfluss emotionaler Amalgamgegner ist groß in Europa

Auf europäischer Ebene ist der Einfluss emotionaler Amalgamgegner groß, und dazu gehören auch deutsche Abgeordnete, die uns in Brüssel vertreten. Sie versuchen, ein Verbot durchzusetzen, weil sie nur Amalgam als quecksilberhaltigen Füllungswerkstoff fürchten, aber nicht die potenziellen Probleme der Alternativen einschätzen können. Wir arbeiten zwar seit vielen Jahren auf diesem Gebiet, aber erst die aktuelle Forschung deutet auf mögliche Risiken von Kompositen hin.

Wie schätzen Sie die Entwicklung ein: Wie sieht der Füllungsmix der Zukunft aus?

Derzeit können wir unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten mit bestem Gewissen bei indikationsgerechten Entscheidungen gleichermaßen Amalgam, Komposite, Keramik und Gold empfehlen. Wenn es nun tatsächlich so sein sollte, dass die Komposite in allergologischer und toxikologischer Hinsicht nachhaltiger in die Kritik geraten, wird sich das ändern.

Die Zukunft wären dann meiner Meinung nach computerhergestellte Keramik- oder Metallrestaurationen: CAD/CAM. Diese werden zwar auch mit Kunststoffen eingesetzt. Aber das ist nicht gravierend, da der Kunststoff kaum mit der Mundhöhle in Kontakt kommt, denn die Kauflächen bestehen aus Keramik. Ich gehe davon aus, dass dieser Umschwung in fünf Jahren deutlich erkennbar sein wird.

Dann würde sich das Problem durch den technischen Fortschritt von selbst erledigen…

So ist es. Ich möchte aber davon abraten, als Überbrückungstechnologie für alle Füllungsindikationen Glasionomere einzusetzen, obwohl es biologisch unbedenklicher ist. Mit einem kompositbasierten Decklack wären die biologischen Vorteile von Glasionomeren hinfällig, da dann unter anderem Bisphenol A freigesetzt wird.

Trotzdem bewerben einige Hersteller dieses Material massiv und handeln es als den Kassenersatz für Amalgam. Leider halten diese Füllungen mit zunehmender Größe und Belastung weniger lange als Komposit oder Amalgam. Daher ist Glasionomerzement bestenfalls für einzelne kleine Füllungen geeignet.

Könnte es andererseits auch sein, dass ein Amalgamverbot die alternativen Techniken wie CAD/CAM schneller vorantriebe, weil das günstige und zuverlässige Material nun nicht mehr verfügbar wäre?

Das wäre möglich, denn zum einen sind die Geräte jetzt noch relativ teuer. Zum anderen liegt das aber auch daran, dass Zahntechniker den Ehrgeiz haben, keramische Füllungen mit zeitaufwendigem künstlerischem Geschick anzumalen und zu individualisieren, was meiner Meinung nach insbesondere im Molarenbereich überflüssig ist.

Amalgam hat sich seit vielen Jahrzehnten bewährt und ist noch dazu preisgünstig. Doch die – quecksilberhaltige – Legierung hat nicht nur Befürworter.

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