Brasilianische Wissenschaftler untersuchen endodontisches (Re-)Infektionsprofil

Bestimmte Keimkombinationen führen zu endodontischem Misserfolg

Ein endodontischer Misserfolg ist Folge von im Wurzelkanalsystem verbliebenen Bakterien oder Reinfektionen aufgrund von koronalen Undichtigkeiten. Welche Bakterienspezies sind schuld an dem Geschehen?

Sekundäre endodontische Infektionen haben offensichtlich eine heterogene Ätiologie, bei der keine einzelne Spezies als der hauptsächliche endodontische Erreger fungiert. E. faecalis (im Bild) und P. gingivalis überwogen in allen Phasen der endodontischen Revision, unabhängig von der zur mikrobiellen Identifizierung verwendeten Methode. Janice Haney Carr / Content Providers: CDC/ Pete Wardell

Brasilianische Wissenschaftler haben sich in einer kürzlich in “Clinical Oral Investigations“ veröffentlichten Studie mit dem Keimspektrum in Wurzelkanälen nach einem endodontischem Misserfolg beschäftigt. Mit der Kombination von Kultur- und molekularen Techniken des Keimnachweises, versuchten sie, die je nach Revisionsbehandlungsphase vorkommenden Bakterien mit klinischen und radiologischen Auffälligkeiten wurzelbehandelter Zähne in Zusammenhang zu bringen.

Methode:

An der Studie nahmen 20 Probanden teil, die durchschnittlich zehn Jahre zuvor eine Wurzelbehandlung an einem einwurzeligen Zahn (meist obere Frontzähne) erhalten hatten und nun Beschwerden wie Perkussionsempfindlichkeit, Druckdolenz im Wurzelspitzenbereich oder eine periapikale Läsion von durchschnittlich 3,5 Millimeter Radius im Röntgenbild aufwiesen. Akute Schmerzen lagen bei den Probanden nicht vor.

Für die Studie entnahmen die Wissenschaftler zu drei definierten Zeitpunkten mit einer sterilen Papierspitze Proben aus dem Wurzelkanal:

Probenentnahme (PE) 1: Nach Entfernung des alten Guttapercha-Materials mittels Crown-Down-Technik ohne chemisches Lösungsmittel. War der Wurzelkanal zu trocken für eine Probengewinnung, feuchteten sie ihn mit Kochsalzlösung an.

Die Probenentnahme 2 erfolgte nach chemomechanischer Aufbereitung des Kanals auf Arbeitslänge. Dazu nutzten die Forscher Reciproc R40-Feilen (VDW) und spülten mit 5,25-prozentigem NaOCl. Am Ende der Aufbereitung spülten sie das NaOCl mit Kochsalzlösung aus dem Kanalsystem heraus. Danach erfolgte eine Spülung mit fünfprozentigem Natriumthiosulfat, dann mit 17-prozentiger EDTA-Lösung und 0,5-prozentiger Zitronensäure zur Neutralisation des EDTA.

Die dritte Probe nahmen die Forscher nach Entfernung der medikamentösen Einlage (Kalziumhydroxidpulver mit zwei Prozent Chlorhexidin-Gel in einem Verhältnis von 1:1 gemischt für 30 Tage).

Ergebnisse:

Insgesamt fanden die Wissenschaftler mit den unterschiedlichen Keimbestimmungsmethoden 89 verschiedene Bakteriengattungen.

PE 1: Die Proben, die die Forscher direkt nach Entfernung der alten Wurzelfüllung entnommen hatten, enthielten 65 verschiedene Bakteriengattungen. Am häufigsten kamen E. faecalis (23/65), Staphylococcus epidermidis (7/65), Streptococcus sanguis (4/65) und A. viridans (4/65) vor.

PE 2: Nach der chemomechanischen Aufbereitung des Wurzelkanals fanden die Wissenschaftler immerhin noch 15 verschiedene Stämme, wobei E. faecalis (6/15), S. epidermidis (4/15) und P. acnes (2/15) die häufigsten Isolate waren.

PE 3: Nach medikamentöser Einlage und unmittelbar vor der erneuten Füllung des symptomlosen Zahnes blieben neun Stämme übrig. E. faecalis war die am häufigsten vorkommende Art (3/9).

Die chemomechanische Aufbereitung im Zuge der Revisionsbehandlung ergab eine Verringerung des mikrobiellen Gehalts um 77 Prozent (PE 2). Die medikamentöse Einlage reduzierte die Bakterien weiter um 9 Prozent im Vergleich zur PE 2. Am Ende (PE 3) betrug die Bakterienreduktion insgesamt 86 Prozent.

Die statistische Analyse ergab Korrelationen zwischen klinischen und/oder radiologischen Merkmalen und verschiedenen mikrobiellen Spezies. So waren P. gingivalis und P. micra signifikant mit dem Auftreten von Schmerzen nach der Wurzelbehandlung assoziiert. P. gingivalis war mit Perkussionsempfindlichkeit assoziiert, E. faecalis, F. nucleatum und P. gingivalis mit einer periapikalen Läsion von über drei Millimetern.

Schlussfolgerung:

Sekundäre endodontische Infektionen haben offensichtlich eine heterogene Ätiologie, bei der keine einzelne Spezies als der hauptsächliche endodontische Erreger fungiert. Eher spielen bestimmte Bakterienkombinationen eine Rolle für das Krankheitsgeschehen, das zur Entscheidung für eine Revision der Wurzelbehandlung beigetragen hat. Die Bakterien wirken synergistisch und erhöhen so ihre Virulenz. E. faecalis und P. gingivalis überwogen in allen Phasen der endodontischen Revision, unabhängig von der zur mikrobiellen Identifizierung verwendeten Methode.

Marlos Barbosa-Ribeiro, Rodrigo Arruda-Vasconcelos, Lidiane M Louzada, Danielle G Dos Santos, Fernando D Andreote, Brenda P F A Gomes: “ Microbiological analysis of endodontically treated teeth with apical periodontitis before and after endodontic retreatment.“ Clin Oral Investig. 2020 Aug 28. doi: 10.1007/s00784-020-03510-2.

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