Zahnmedizin

Der Fall: Eine Batterie im Mund

Ein kleines Mädchen hat Batterieteile im Mund, Stücke davon kleben am Gaumen. Liegt eine Vergiftung oder Verätzung vor? Die Zahnärzte im Notdienst müssen schnell handeln.

Abbildung 1: Intraoraler Untersuchungsbefund mit Batterie adhärent am Gaumen Foto: Dau et al.

Abbildung 2: Batterieboden der AA-Batterie nach Entfernung Dau et al.
Abbildung 3: Die Grafik zeigt die Anzahl der Kinderunfälle in einem Jahr in Deutschland, sowie wie viele davon stationär behandelt werden mussten. Bei 182 Kindern kam leider jede Hilfe zu spät. BAG "Mehr Sicherheit für Kinder e.V.“
zm

Ein neunjähriges Mädchen wurde in der Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie der Universitätsmedizin Rostock im Rahmen des Notdienstes zusammen mit den Eltern vorstellig. Nach Angaben des Vaters hatte die junge Patientin beim Spielen mit einer AA-Batterie diese auseinander gebaut und dann Batterieteile in den Mund genommen.

Ein Teil der Batterie befand sich nun fest im Munde der Patientin. Sie und die Eltern hatten zwar probiert, das Stück zu entfernen, der Versuch war aber aufgrund der Schmerzhaftigkeit und der mangelnden Compliance abgebrochen worden.

Diagnose

Die klinische Untersuchung zeigte, dass der Boden der Batterie fest mit der Schleimhaut des Gaumens (Abbildung 1) verbunden war. Es erfolgte das vorsichtige Ablösen des Batteriebodens mit einer feinen chirurgischen Pinzette. Die anschließende Kontrolle - entfernter Batterieboden und restliche Bestandteile (vom Vater mitgebracht) - zeigte, dass die Batterie vollständig war, so dass sich kein Anhalt auf eine akzidentelle Aspiration von Batteriebestandteilen ergab.

Im Bereich der oralen Schleimhaut war lediglich eine lokale, sich auf die direkte Kontaktfläche der Batterie beschränkte Schleimhautreizung mit Rötung bei intakter Schleimhautoberfläche erkennbar.

Es erfolgte die telefonische Rücksprache mit der Giftnotrufzentrale in Berlin (siehe Liste der Kontaktadressen der Giftnotrufzentralen in Deutschland) bezüglich möglicher toxischer Bestandteile der Batterie, wobei Entwarnung gegeben werden konnte. Daraufhin wurde die Schleimhaut mit isotonischer Kochsalzlösung gründlich abgespült und es erfolgte die Besprechung des weiteren Verhaltens: Beobachtung der Schleimhaut durch die Eltern sowie Kontrollen auf mögliche Schleimhautnekrosen im Verlauf in der MKG-Sprechstunde.

Diskussion

Die hier geschilderte Situation stellt sicherlich einen seltenen und vergleichsweise simplen Fall dar, zeigt jedoch einige Fallstricke, die es zu bedenken gilt.

Jedes Jahr verunfallen in Deutschland 1,67 Millionen Kinder (Abbildung 3). Ein Drittel dieser Unfälle treten im Heim- und Freizeitbereich auf. Insgesamt gehören Unfälle zu den höchsten Gesundheitsrisiken für Kinder (www.Kindersicherheit.de:Bundesarbeitsgemeinschaft „Mehr Sicherheit für Kinder e.V.“ Bonn).

Einen Unfallschwerpunkt stellen Intoxikationen dar [Infobroschüre „Risiko Vergiftungsunfälle bei Kindern“, Bundesinstitut für Risikobewertung, 2009]. Hauptsächlich sind Kinder im Alter von sieben Monaten bis zu etwa vier Jahren vom Verschlucken diverser Gegenstände/Vergiftungen/Verätzungen (Reinigungsmittel, ätherische und Lampenöle, Medikamente und Giftpflanzen) betroffen. Bei älteren Kindern stehen Sport-, Freizeit- und Verkehrsunfälle im Vordergrund.

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