Zahnmedizin

Drops für die Zahnspange

Oft leidet bei der „Generation Zahnspange“ die Mundhygiene. Ein Lutschdragee soll nun bereits im Vorfeld verhindern, dass sich Plaque bildet.

proDente

Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschaftsminister Harry Glawe (li.) informierte sich über die Produktion in dem bmp-Werk in Parchim, hier mit Mitarbeiterin Marlies Fuhrmann (mi.) an einem Verblisterungsautomaten. Norbert Fellechner

Wer Brackets trägt, braucht für die Zahnhygiene nicht nur mehr Zeit, sondern auch spezielle Bürsten und Reinigungsgeräte, die in ihrer Anwendung nicht immer leicht zu handhaben sind. Zahnmediziner, Naturwissenschaftler und Hygieniker der Universitätsmedizin Greifswald forschen deshalb mit der Industrie an einem Mundhygieneprodukt zur Unterstützung eines im Speichel natürlich vorhandenen Abwehrsystems. Ziel ist, die Mundhygiene, insbesondere bei kleinen und jugendlichen Patienten nachhaltig zu verbessern und Krankheiten vorzubeugen.

Der Biofilm muss weg

Erkrankungen im Mund werden bekanntlich hauptsächlich durch Bakterien verursacht, die normalerweise mit anderen Bakterienarten in einem Gleichgewicht leben. "Erst durch die Bildung von weichen Belägen in Form eines Biofilms (Plaque) kommt es zur Störung der Mundflora durch krankheitserregende Mikroorganismen. Daher spielt die tägliche mechanische Biofilmentfernung durch das Zähneputzen eine elementare Rolle in der Vorsorge von Erkrankungen der Zähne (Karies) oder Entzündungen des Zahnfleisches (Gingivitis) und des Zahnhalteapparates (Parodontitis)“, erläutert der Greifswalder Zahnmediziner, Oberarzt PD Dr. Alexander Welk.

Die körpereigene Abwehr stärken

Das neue Kau- oder Lutschdragee werde keinesfalls das gründliche Putzen von Zähnen und Spange ersetzen können, betonte Yvonne Jäschke vom Hersteller bmp. Doch das Präparat solle die natürliche Enzymbildung im Speichel unterstützen und damit bakterienhemmend wirken, sagte die Projektleiterin. Das körpereigene Abwehrsystem solle so gestärkt und die Bildung eines schädlichen Biofilms verhindert werden. 

Dabei wollen die Wissenschaftler das in der Mundhöhle natürlich vorhandene LPO-System nutzen. Dahinter verbirgt sich ein Enzymsystem (LPO = Lactoperoxidase), das einen antibakteriell hochwirksamen körpereigen Stoff produziert und damit für die biochemische Steuerung der Balance im Mund verantwortlich ist.

Bei der Milch abgeguckt

Das LPO-System als Bestandteil des angeborenen Immunsystems kann schädliche Bakterien in der Schleimhaut wirksam neutralisieren. Dieses Wirkprinzip wurde ursprünglich bereits Anfang des vorigen Jahrhunderts in der Milch entdeckt. Analoge Enzymsysteme kommen in allen Körperschleimhäuten, auch im Mund vor. Seit Anfang der 90er Jahre wird versucht, eine Reihe von Zahnpflegeproprodukten auf der Basis des LPO-Systems auf dem Markt zu etablieren, die auf ein größeres Potenzial schließen lassen.

Neu ist den Forschern zufolge, dass das Produkt die Enzymtätigkeit nachweislich aktiviert und dass es per Lutschdragee eingenommen wird. Diese Form der trockenen Anwendung soll eine stabile und vorbeugende Enzymaktivität garantieren.

Die Universität Greifswald arbeitet in dem Projekt „Large Protection of Oral Health“ mit dem Parchimer Arzneimittelhersteller Bulk Medicines & Pharmaceuticals Production GmbH (bmp) zusammen. Für das Verbundforschungsprojekt sind drei Jahre vorgesehen. Gefördert wird die Innovation mit insgesamt 843.000 Euro EU-Geldern, bmp steuert weitere 284.000 Euro Eigenmittel hinzu. Noch in diesem Jahr sollen die ersten Untersuchungen mit Probanden starten.






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