Freiburger Studie

Ein Glas Apfelschorle täglich kann die Mundflora verändern

Der Zucker von einem Glas Apfelschorle täglich reicht möglicherweise aus, damit sich die Mundflora substanziell verändert. Das haben jetzt Forscher des Universitätsklinikums Freiburg erstmals direkt nachgewiesen.

Ein Glas Apfelschorle enthält etwa 10 Gramm Zucker. Häufiger Zuckerkonsum führt insbesondere zu einer Zunahme von Nicht-Mutans-Streptokokken. Adobe Stock_ SBH

Die Probanden lutschten währen des Tests drei Monate lang täglich fünfmal zwei Gramm Kandiszucker. Zum Vergleich: Rund 90 Gramm Zucker nimmt jeder Deutsche im Durchschnitt am Tag zu sich. Schon ein Glas Apfelschorle enthält etwa 10 Gramm. In der Studie ernährten sich die elf Probanden zunächst fünf Wochen wie gewohnt. Dann folgten die drei Monate mit zusätzlichem Kandiszucker. Während der gesamten Zeit putzten sich die Probanden normal die Zähne.

Gegen Ende der Kontroll- und der Testphase trugen die Probanden mehrmals für sieben Tage lang eine Zahnschiene, die kleine Stücke von Rinderzähnen enthielt. Diese ähneln im Aufbau stark menschlichen Zähnen und werden darum häufig zu Testzwecken genutzt.

„Die Probanden konnten die Schiene zum Essen und Zähneputzen herausnehmen. So war ihre eigene Zahngesundheit nicht gefährdet. Gleichzeitig bildete sich auf den Zahnproben ungestört ein bakterieller Belag“, sagt Erstautorin Dr. Annette Carola Anderson, Biologin an der Klinik für Zahnerhaltungskunde und Parodontologie des Universitätsklinikums Freiburg.

 

Die Bakterienvielfalt ging zurück, die Zahl der Streptococcus-Bakterien stieg an

 

Gemeinsam mit Wissenschaftlern des Helmholtz-Zentrums München untersuchten die Forscher molekulargenetisch den Biofilm. Sie stellten fest: Während des Zuckerkonsums ging die Anzahl unterschiedlicher Bakterienarten deutlich zurück. Einzelne Bakterienarten aber vermehrten sich stärker, wie die an Karies beteiligten Streptococcus-Bakterien.

Sie verzeichneten eine signifikante Zunahme der Häufigkeit von Streptokokken, insbesondere Streptococcus gordonii, Streptococcus parasanguinis und Streptococcus sanguinis. Die Schmelzoberfläche wurde rauer, was ein Zeichen ihrer Beeinträchtigung ist.

„Damit können wir erstmals die Vermutung bestätigen, dass Zuckerkonsum zu einem verminderten Bakterien-Artenreichtum im Mund führt“, sagt Ko-Studienleiter Prof. Dr. Ali Al-Ahmad, Laborleiter und Leiter des Bereichs „Orale Mikrobiologie“ an der Klinik für Zahnerhaltungskunde und Parodontologie des Universitätsklinikums Freiburg. „Es gibt aber offensichtlich nicht die eine für Karies verantwortliche Art, sondern es sind viele an der Entstehung beteiligt.“

Elf gesunde Probanden im Alter zwischen 21 und 56 Jahren nahmen an der Studie teil. Ausschlusskriterien waren: schwere systemische Erkrankungen, Erkrankungen der Speicheldrüsen oder der Mundschleimhaut, Diabetes, Einsatz von Antibiotika oder lokalen antimikrobiellen Mitteln oder fluoridierten Mundspülungen innerhalb der letzten 30 Tage, derzeitige Zahnbehandlungen, Essstörungen, Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder Nahrungsmittel Allergien, Schwangerschaft oder Stillzeit. Vor den Studienphasen wurde eine klinische mündliche Untersuchung durchgeführt und die DMFT-Werte wurden erfasst. Zusätzlich wurden die Speichelflussraten und die Pufferkapazität gemessen. Jeder Studienteilnehmer erhielt eine standardisierte Zahnbürste und eine übliche Zahnpasta mit einem Natriumfluoridgehalt von 1.450 ppm.

„Veränderte Ernährungsgewohnheiten führen offensichtlich recht schnell zu kariesspezifischen Veränderungen in der Mundflora“, sagt Studienleiter Prof. Dr. Elmar Hellwig, Ärztlicher Direktor der Klinik für Zahnerhaltungskunde und Parodontologie des Universitätsklinikums Freiburg. „Besonders schädlich für die Zähne sind Lebensmittel wie Bonbons oder Fruchtdrinks für Kinder, bei denen der Zucker lange im Mund bleibt.“ 

Die Ergebnisse zeigen den Forschern zufolge, dass häufiger Zuckerkonsum die Zusammensetzung des oralen Biofilms beeinflusst und insbesondere zu einer Zunahme von Nicht-Mutans-Streptokokken führt.

Anderson, Annette Carola et al., In-vivo shift of the microbiota in oral biofilm in response to frequent sucrose consumptionScientific Reports, volume 8, Article number: 14202 (2018), DOI: 10.1038/s41598-018-32544-6

35 Kilogramm Zucker essen die Deutschen pro Jahr und Kopf – mehr als doppelt so viel wie von der WHO empfohlen. Der Wert bildet jedoch nur den Konsum von Haushaltszucker ab. Hinzu kommt ein steigender Verbrauch von Mono- und Disacchariden, die Lebensmitteln zugesetzt werden – und zunehmend zum Problem werden.

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