Zahnmedizin

Ein in die Kieferhöhle dislozierter Wurzelrest

Eine 34­-jährige Patientin stellte sich einen Monat nach der Extraktion des Zahns 17 mit Ver­dacht auf einen in den Sinus maxillaris dislozierten Wurzelrest vor. Ein Fallbericht.

In dem Fall geht es um eine Patientin, die zur röntgenologischen Abklärung und zur Behandlung eines in die rechte Kieferhöhle dislozierten Wurzelrests an unsere Klinik überwiesen wurde. D.Bichsel_B.Stadlinger_G.Damerau

Abbildung 1: OPT-Ansicht im DVT. Beide Kieferhöhlen scheinen gut belüftet und ohne Fremdkörper. D.Bichsel_B.Stadlinger_G.Damerau
Abbildung 2: Digitales Volumentomogramm der Kieferhöhlen. In der coronalen (a), der sagittalen (b) und der axialen (c) Schicht findet sich eine längliche Verschattung an der oberen Kieferhöhlenwand, vereinbar mit einem Wurzelrest. D.Bichsel_B.Stadlinger_G.Damerau
Abbildung 3: Intraorale Situation. Paramarginalschnitt regio 14–16 (a), Inzision der Schneider’schen Membran nach Abschieben des Mukoperiostlappens und Abtragen des Knochens (b), eröffnete Kieferhöhle (c), Ansaugen des Wurzelrests (d) und Entfernung aus der Kieferhöhle (e). Regio 1. Quadrant 4 Wochen postoperativ (f). D.Bichsel_B.Stadlinger_G.Damerau

Abstract

Due to the anatomical proximity between the maxillary  sinus and the teeth of the upper jaw, dislocation of tooth fragments or entire teeth into the sinus may occur during tooth extraction. Following the verification of such a foreign body within the sinus, its removal and the coverage of the oro­antral communication should be performed immediately for the pre­vention of possiblesinus infection. In 2-D­radiographic imaging, foreignbodies may not be located in the proper radio­graphic planes of an OPT or may be superimposed by other structures, complicating precisediagnosis. In such cases, 3-D­imaging by CBCT is helpful. The present case report describes a female patient, being referred at our clinic for radiographic imaging and consecutive operative removal of radix being dislocated into the right maxillary sinus. This radix relicta could be visualized by 3D­CBCTimaging. Consec­utively, it was removed.

Zusammenfassung

In die Kieferhöhle dislozierte Zahnteile oder Zähne stellen aufgrund der anatomischen Lagebeziehung zwischen dem Sinus maxillaris und den Oberkieferzähnen eine mögliche Komplikation bei Zahnentfernungen im Oberkiefer dar. Ist die Dislokation eines Fremdkörpers in die Kieferhöhle sicher, sollten die Entfernung des Fremdkörpers und die Deckung der oroantralen Verbindung rasch erfolgen, um eine mögliche Infektion der Kieferhöhle zu vermeiden. Bei zweidimensionalen Bildgebungen (OPT) können Fremdkörper überlagert werden oder sich außerhalb der Schicht­ebene befinden, sodass ihr Vorhandensein nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden kann. Insofern kann eine dreidimensionale Aufnahme mittels DVT hilfreich sein.

Einleitung

Aufgrund der anatomischen Lagebeziehung zwischen dem Alveolarfortsatz und dem Sinus maxillaris kann es bei nachchirur­gischen Interventionen wie Sinusbodenelevationen, Implantinsertionen, aber auch bei einfachen Zahnextraktionen zu Kom­plikationen in Verbindung mit dem Sinus maxillaris kommen.

Zahnextraktionen von oberen Prämolaren oder Molaren können zu oroantralen Verbindungen oder zur Dislokation einer Zahn­wurzel in den Sinus maxillaris führen (Harrison et al. 1961). Bei Nichtbehandlung kommt es zumeist zu einer persistenten oro­antralen Fistel mit möglicher Sinusitis (Giovannetti et al. 2014). Der Sinus maxillaris ist in der Regel ein steriler Bereich, der als physiologische Flora vorwiegend Koagulase negative Staphy­lokokken enthält (Abou-Hamad et al. 2009).

Im Gegensatz dazu weist die Mundhöhle eine orale Mikroflora mit einem reichen Spektrum an Organismen auf: Gemella­, Granulicatella­, Strep­tococcus­ und Veillonella-­Arten (Aaset al. 2005). Eine offene oroantrale Verbindung mit einem in den Sinus dislozierten Im­plantat, Zahn oder Zahnfragment sowie die Entzündungen eines Sinusboden­-Augmentats können zu einer potenziell pathogenen Infektion des Sinus führen.

Bei unbehandelten Infektionen des Sinus maxillaris kann es aufgrund der engen Lagebeziehung zur Orbita auch zu orbitalen Komplikationen, wie entzündli­chen Ödemen des Ober­- oder Unterlides, subperiostalen Abszessen oder Orbitaphlegmonen kommen. Die zum Abführen von Sekret sehr wichtigen Zilien können durch chronische Infektionen absterben, was die Reinigung des Sinus maxillaris erschwert. Andererseits kann z.B. überpresstes Wurzelfüllungs­material zu einer Pilzinfektion (Aspergillose) führen.

Bei Dislokation eines Zahnes in den Sinus maxillaris oder bei einer Wurzelfraktur mit Verdacht auf die mögliche Dislokation des Wurzelfragments in den Sinus sollte unmittelbar versucht werden, den dislozierten Anteil aus dem Sinus zu entfernen. Falls der Wurzelrest oder der Zahn klinisch nicht sichtbar ist, ist eine röntgenologische Bildgebung notwendig. Liegt der Wurzelrest noch knapp in der Alveole oder in der angrenzenden Schleimhaut kann ein einfaches Zahnfilm­-Röntgenbild genü­gen.

Meist ist aber eine weitergehende Röntgendiagnostik not­wendig. In vielen Praxen steht mittlerweile ein OPT zur Verfügung. Leider reicht ein OPT oder die OPT­-Ansicht des DVTs nicht immer aus, um dislozierte Fremdkörper zu visualisieren. In solchen Fällen wird eine dreidimensionale Bildgebung mit­tels DVT benötigt. Anhand dieses Fallberichts wird der Mehrnutzen einer drei­dimensionalen Bildgebung praxisnah aufgezeigt.

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