Zahnmedizin

Millerpreis für Greifswalder Forscherinnen

Der Miller-Preis der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) geht an Christiane Pink und Dr. Birte Holtfreter vom Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde in Greifswald. Sie wurden für ihre Arbeit „Longitudinal effects of fibrinogen levels and white blood cell counts on periodontitis“ ausgezeichnet.

DGZMK-Präsidentin Prof. Dr. Bärbel Kahl-Nieke auf dem Deutschen Zahnärztetag 2015 in Hamburg mit den Geehrten: Admiralarzt a.D. Dr. Wolfgang Barth, Christiane Pink und Prof. Dr. Thomas Hoffmann (v.l.), Georg_J._Lopata_DGZMK

Christiane Pink hat Biomathematik an der Ernst-Moritz-Arndt Universität in Greifswald studiert und zudem ein Promotionsstudium im Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde Greifswald absolviert. privat
Dr. rer. nat. Birte Holtfreter hat Biomathematik ebenfalls an der Ernst-Moritz-Arndt Universität in Greifswald studiert und zu "Wechselwirkung zwischen Erreger und Wirt bei generalisierten bakteriellen Infektionen" promoviert. privat

In der ihrer Studie wurde erstmals der Langzeiteinfluss von Entzündungswerten (Fibrinogen und Leukozyten) auf die Entwicklung und das Voranschreiten von Parodontitis untersucht. Insgesamt wurden dabei medizinische Daten von 1.784 Teilnehmern der Study of Health in Pomerania (SHIP) ausgewertet. Alle Teilnehmer wurden zu Beginn der Studie und etwa elf Jahre später erneut untersucht.

Es zeigte sich, dass über den Untersuchungszeitraum erhöhte Entzündungswerte mit einem leichten Voranschreiten von Parodontitis verbunden waren. Der Einfluss der Entzündungswerte trat dabei unabhängig von anderen Faktoren wie Alter, Geschlecht, Bildung, Rauchverhalten, körperliche Aktivität, Alkoholkonsum, Übergewicht oder Diabetes auf.

Forscherinnen entdecken neuen Mechanismus für Risikofaktoren

Allerdings sind den Forscherinnen zufolge nicht die erhöhten Entzündungswerte selbst die Ursache, sondern vielmehr ein Mechanismus, über den andere Risikofaktoren ihren Einfluss auf Parodontitis ausüben. Zur Verbesserung der Prävention und Behandlung ist es den Autorinnen zufolge aber sinnvoll, die Rolle der Entzündungswerte in Zukunft mehr zu berücksichtigen. Die Wissenschaftlerinnen wollen das Preisgeld von 10.000 Euro auch nutzen, um ihre Forschungen weiterführen zu können.


Der Miller-Preis 2015 in Kürze

Die chronische systemische Entzündung gilt als klinische Manifestation verschiedenster
Erkrankungen und hat in den vergangenen Jahren zunehmend an Bedeutung für die
Beurteilung des allgemeinen Gesundheitszustandes gewonnen. Vor diesem Hintergrund
rückt auch der Zusammenhang zwischen systemischer Entzündung und Parodontitis, als hochprävalente und ebenfalls entzündliche Erkrankung, immer mehr
in den Fokus wissenschaftlicher Betrachtungen.

Von besonderer Wichtigkeit für die Prävention von Parodontitis könnte sich dabei der Einfluss erhöhter systemischer Entzündungsparameter auf die lokale Entzündungsreaktion im Parodontium erweisen.

Ziel unserer Studie war es daher, anhand der Study of Health in Pomerania (SHIP),
potentielle Langzeiteffekte von Fibrinogenkonzentration und Leukozytenzahl auf die
Progression von Parodontitis zu untersuchen. Letztere wurde anhand der Veränderung
der Taschentiefe und des klinischen Attachmentverlusts erhoben.

Insgesamt wurden Daten von 1.784 SHIP-Teilnehmern ausgewertet. Zwischen der
ersten Untersuchung, SHIP-0, und der zweiten Nachfolgeuntersuchung, SHIP-2, lagen
etwa 11 Jahre. Für die Analyse möglicher Langzeiteffekte wurden multivariate lineare
Mehrebenenanalysen genutzt. Hierbei wurden probandenspezifische Basiswerte und
Einflüsse der Entzündungsparameter mit einbezogen.

Der Einfluss relevanter Störfaktoren wie Alter, Geschlecht, Bildung, Rauchverhalten, physische Aktivität, Alkoholkonsum, Fettleibigkeit oder Diabetes, wurde in den Berechnungen ebenfalls berücksichtigt.

Sowohl die Fibrinogenkonzentration als auch die Leukozytenzahl wiesen einen
signifikanten Langzeitzusammenhang mit allen parodontalen Messgrößen auf. Ein
Anstieg der Fibrinogenkonzentration um 1 g/l war beispielsweise mit einer Erhöhung
der mittleren Taschentiefe und des mittleren Attachmentverlusts um 0,1 mm
assoziiert.

Darüber hinaus war der Einfluss der Entzündungsparameter bei Ausschluss der Probanden mit entzündungsreduzierender Medikation um bis zu 18 Prozent höher. Für einen ähnlichen Zusammenhang von systemischen Entzündungsparametern mit anderen, nicht-entzündlichen, oralen Erkrankungen, wie Karies, wurden dagegen keinerlei Hinweise gefunden.

Es scheint, dass die Progression von Parodontitis durch den andauernden Einfluss erhöhter systemischer Entzündungsparameter begünstigt wird. Die systemische Entzündung selbst ist dabei aber vermutlich nicht als ursächlich anzusehen, sondern vielmehr als Pfad für Effekte anderer Konditionen. Zur Optimierung von Präventions- und Behandlungsstrategien ist es daher anzuraten, die Rolle der systemischen
Entzündung in Zukunft mehr zu berücksichtigen.


Der Deutsche Miller-Preis ist der wertvollste wissenschaftliche Preis, den seit DGZMK vergibt. Willoughby Dayton Miller (* 1. August 1853 in Alexandria, Ohio; † 27. Juli 1907 in Newark, Ohio) war ein US-amerikanischer Wissenschaftler im Fach Zahnmedizin.




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