Zahnmedizin

Orale Probleme bei Frauen um 50 plus

Als Folge der hormonellen Umstellung können im Klimakterium neben den Weichgeweben im Mund auch Zähne und Parodont betroffen sein. Welche oralen Krankheiten verstärkt auftreten, sehen Sie in unserer Bilderstrecke.

Eine schwere Parodontitis bei einer Patientin im Klimakterium. Bruckmann

Extreme Mundtrockenheit. Man sieht hier deutlich die atrophe Zungenschleimhaut sowie die Cheilitis angularis. Universitätszahnklinik Wien
Hier eine weitere weibliche Patientin mit einer starken Parodontitis Bruckmann
Dieses Bild zeigt eine typische Schleimhautveränderung eines oralen Lichen planus (OLP). Universitätszahnklinik Wien
Hier ist eine Candida-assoziierte Prothesenstomatitis im Oberkiefer zu sehen, nachdem die Prothese entfernt wurde. Universitätszahnklinik Wien
Hier wird die Prothese getragen. Die Veränderungen der Schleimhaut fallen nicht sofort ins Auge. Universitätszahnklinik Wien

Im Klimakterium werden bei Frauen durch die Hormonumstellung oft auch Mund und Zähne in Mitleidenschaft gezogen, sagt die Vizepräsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Parodontologie und Spezialistin für Parodontologie der Deutschen Gesellschaft für Parodontologie, Corinna Bruckmann.


Klimakterium und Zähne

Störungen des hormonellen Gleichgewichts während und nach den Wechseljahren zu Gingivitis und Parodontitis führen. Die Mundschleimhaut wird dünner und trockener. Trägerinnen von Zahnprothesen können Schwierigkeiten bekommen, bedingt durch den Druck der Prothese, der nicht mehr ausreichend gepuffert wird.

Die hormonell bedingte oberflächliche Gingivitis zeigt sich als geschwollenes, oft auch gerötetes Zahnfleisch, das bei Kontakt leicht blutet. Aus Sorge vor weiterem Bluten putzen viele Patientinnen ihre Zähne seltener und weniger gründlich, wodurch verstärkt Zahnbeläge gebildet werden, auf die das Zahnfleisch wiederum mit weiteren Entzündungen reagiert.

In der Aufrechterhaltung der Mundgesundheit spielt Speichel die wichtigste Rolle. „Eine verminderte Speichelmenge sowie eine veränderte Zusammensetzung des Speichels haben dementsprechend negative Auswirkungen, sowohl auf die Zähne als auch auf die Schleimhäute“, erläutert Bruckmann. „Die Zähne sind durch eine mangelnde Remineralisierung und ein daher steigendes Kariesrisiko beeinträchtigt, die Schleimhäute  durch Austrocknung gefährdet“. Die Folgen: eine verminderte Abwehr gegenüber krankmachenden Keimen, ein Überwuchern mit Candida-Pilzen und Mundgeruch.

Eine besonders schwere Belastung geht mit dem „Burning-Mouth-Syndrom“ einher. Von dieser Krankheit sind dreimal mehr Frauen als Männer betroffen. Es tritt meistens im Alter zwischen 50 und 60 Jahren auf und gilt als extrem unangenehm.

Die Frauen berichten von einem brennenden, wunden Gefühl im Bereich der Zunge und der umgebenden (unauffälligen) Schleimhäute. Die Ärzte fahnden jedoch meist erfolglos nach einer  sichtbaren Ursache. „Die Beschwerden reichen von leichtem Prickeln bis zu starken Schmerzen“, beschreibt Bruckmann die Situation. „Weitere Symptome sind Mundtrockenheit, ein Pelzigkeitsgefühl und Störungen des Geschmackssinns. Die Beschwerden können dauerhaft oder nur phasenweise auftreten und verstärken sich in der Regel im Laufe des Tages“.

Am häufigsten sind die seitlichen Zungenränder und die Zungenspitze betroffen, gefolgt von Zungengrund, Gaumen-, Wangen- und Lippenschleimhaut. Die Schmerzen sind meist beidseitig und dumpf brennend. Sie sind morgens noch verhältnismäßig gering, nehmen aber im Laufe des Tages zu und können abends unerträglich sein. Über die Ursachen des Burning-Mouth-Syndroms ist wenig bekannt. Möglicherweise verbergen sich dahinter unterschiedliche  Probleme, die zu dem gemeinsamen Symptom führen.
 
Die Krankheit ist nicht leicht zu diagnostizieren, es sind etwa 20 verschiedene Differenzialdiagnosen auszuschließen. Ist es jedoch ein nachgewiesenes Burning-Mouth-Syndrom, ist es schwer zu behandeln. Häufiges Trinken und Kaugummi kauen können helfen, den Mund feucht zu halten. Hilfreich kann auch die Verordnung von Antidepressiva und Anxiolytika sein, doch diese Medikamente können das Problem noch verschlimmern, weil sie eine Reduktion der Speicheldrüsenproduktion zur Folge haben. 

Die behandelnden Ärzte vermuten oft psychische Ursachen hinter den quälenden Symptomen. Tatsächlich berichten Frauen, die unter dem Syndrom leiden, häufiger über einschneidende Lebensereignisse und psychische Belastungen, sogenannte Life-Events.

Auch der „Orale Lichen planus“ (OLP) der Mundschleimhaut fällt in diese Altersgruppe und trifft Frauen etwa doppelt so oft wie Männer. Mit etwa vier Prozent aller Menschen stellt es eine der am weitesten verbreiteten Erkrankungen der Mundhöhle dar.

Typisch ist eine farnkrautartige Verhornungs-Störung der Mundschleimhaut, es können jedoch auch Entzündungen und Geschwüre auftreten, die beim Essen und der Mundpflege Schmerzen bereiten.

Die Entstehungsweise von OLP ist weitgehend unbekannt. Es wird als eine Autoimmunreaktion angesehen, bei der aber auch psychischer Stress - vor allem ausgeprägte Ängstlichkeit und eine erhöhte Neigung zu Depressionen - eine Rolle spielen. Andererseits können die starken Schmerzen zu erheblichen emotionalem Stress und damit zu einer Somatisierung führen.

Wenn nach der Menopause der Östrogenspiegel sinkt, nimmt auch die Knochendichte in den Kieferknochen ab. Diese Osteopenie ist die Vorstufe der Osteoporose. Durch die verminderte Knochenmasse und gleichzeitig möglicherweise bestehendem Vitamin D-Mangel erhöht sich das Risiko für die Mobilität der Zähne - Zahnlosigkeit droht.


„Es ist viel zu wenig bekannt, dass im Klimakterium auch orale Probleme häufiger auftreten“, sagt die Oberärztin der Universitätszahnklinik Wien. Obwohl viele Mund- und Zahnbeschwerden der Frauen der 50-Plus-Generation mit den Wechseljahren im Zusammenhang stehen, werden sie von den behandelnden Ärzten nicht als solche erkannt und daher auch nicht fachgerecht behandelt.

Viele Patientinnen hätten bereits eine Odyssee durch Arztpraxen und erfolglose Behandlungsversuche mit Mundspülungen, Antibiotika und Anti-Pilzmittel hinter sich, bevor sie in der Mundschleimhautsprechstunde wie in der Universitätszahnklinik Wien an die richtigen Ansprechpartner geraten.

„Sowohl in den oralen Schleimhäuten, als auch in den Speicheldrüsen werden Sexualhormonrezeptoren nachgewiesen“, schreibt Bruckmann im Fachblatt „Gynäkologische Endokrinologie“ und betont, dass die Zellen in der obersten Zellschicht des Schleimhautgewebes der Scheide und der Wangenschleimhaut große Ähnlichkeiten aufweisen. Auch die Schmerzempfindung im Mund und die Besiedelung der Schleimhäute mit Mikroben unterliegen hormonellen Einflüssen.

„Auch wenn noch nicht alle Aspekte des hormonellen Einflusses oder der Hormonersatztherapie auf den Mund geklärt sind, könnte eine intensive interdisziplinäre Zusammenarbeit bereits jetzt die umfassende Betreuung von Patientinnen sicherstellen“, betont Bruckmann. "Dadurch könnte eine sinnlose übertriebene Diagnostik und eine konzeptlose Behandlung mit zahlreichen teuren Maßnahmen vermieden werden."
 
Gynäkologische Endokrinologie DOI 10.1007/s10304-016-0055-5
 

17747381761049176103817610391774739 1759511 1761041
preload image 1preload image 2preload image 3preload image 4preload image 5preload image 6preload image 7preload image 8preload image 9preload image 10preload image 11preload image 12preload image 13preload image 14preload image 15preload image 16preload image 17preload image 18preload image 19preload image 20preload image 21preload image 22preload image 23preload image 24preload image 25preload image 26preload image 27preload image 28preload image 29preload image 30preload image 31preload image 32preload image 33preload image 34preload image 35preload image 36preload image 37preload image 38preload image 39preload image 40preload image 41preload image 42preload image 43preload image 44preload image 45preload image 46preload image 47preload image 48preload image 49preload image 50preload image 51preload image 52preload image 53preload image 54preload image 55preload image 56preload image 57preload image 58preload image 59preload image 60preload image 61preload image 62preload Themeimage 0preload Themeimage 1preload Themeimage 2preload Themeimage 3preload Themeimage 4preload Themeimage 5preload Themeimage 6preload Themeimage 7preload Themeimage 8preload Themeimage 9preload Themeimage 10preload Themeimage 11preload Themeimage 12preload Themeimage 13preload Themeimage 14preload Themeimage 15preload Themeimage 16preload Themeimage 17preload Themeimage 18preload Themeimage 19preload Themeimage 20preload Themeimage 21preload Themeimage 22preload Themeimage 23preload Themeimage 24preload Themeimage 25preload Themeimage 26preload Themeimage 27preload Themeimage 28
Bitte bestätigen Sie
Nein
Ja
Information
Ok
loginform
Kommentarvorschau
Kommentarvorschau schliessen
Antwort abbrechen
Ihr Kommentar ist eine Antwort auf den folgenden Kommentar

Keine Kommentare




Weitere Bilder
Bilder schließen