Australische Studie

Penicillinallergie? Neuer Schnelltest hat hohen Vorhersagewert

Wenn Patienten in der Anamnese eine Penicillinallergie angeben, so ist das Studien zufolge meist falsch. Um das Vorliegen der Allergie zu prüfen, haben australische Wissenschaftler einen Schnelltest entwickelt.

Penicillinallergie? Der negative Vorhersagewert bei dem Test lag bei über 96 Prozent. Adobe Stock_momius

In der Anamnese geben bis zu zehn Prozent der Patienten an, dass sie an einer Penicillinallergie leiden [Trcka et al., 2004]. Oft hatten sie nach Einnahme von oralen Penicillinen lediglich Juckreiz oder Magen-Darm-Beschwerden verspürt und diese Nebenwirkungen für eine Allergie gehalten. Eine allergologische Abklärung bleibt meist aus.

Dennoch verzichten Mediziner und Zahnmediziner im Verdachtsfall lieber auf die Verordnung von Penicillin – und müssen nach Alternativen zu den gut verträglichen Beta-Laktam-Antibiotika suchen, auch wenn sie teils weniger effektiv sind und mit stärkeren Nebenwirkungen einhergehen.

Bei 95 Prozent der Betroffenen lag keine Allergie vor

Werden die Angaben der Patienten allergologisch abgeklärt, stellt sich heraus, dass nur in wenigen Fällen tatsächlich eine Penicillinallergie vorliegt. Eine amerikanische Studie zeigte, dass bei 95 Prozent der Betroffenen keine Allergie vorlag [Shenoy E. et al., 2019].

Für Deutschland konnte gezeigt werden, dass rund 75 Prozent der Patienten, die glaubten an einer Penicillinallergie zu leiden, alle Beta-Laktam-Antibiotika vertrugen [Trcka et al., 2004]. Australische Forscher haben sich nun daran gemacht, vermeintliche Penicillin-Allergiker mit geringem Risiko gleich bei der Anamnese herauszufiltern, ohne langwierige Abklärung über einen Allergologen. Sie entwickelten den PEN-FAST-Test, einen kurzen Fragebogen mit vier Fragen. Die Antworten werden mit einem einfachen Punktesystem bewertet.

So funktioniert der Penicillinallergie-Test PEN

PEN: Patient gibt eine Penicillinallergie an.

  • F: Allergische Reaktion auf Penicillin ist nicht länger als fünf Jahre her. (2 Punkte)
  • A: Ist eine Anaphylaxie oder ein Angioödem als Reaktion aufgetreten? oder
  • S: Sind schwere allergische Hautreaktionen (z. B. Stevens-Johnson-Syndrom, toxische epidermale Nekrolyse, Eosinophilie plus systemische Symptome) nach Penicillin-Einnahme aufgetreten? (2 Punkte)
  • T: War eine Therapie der allergischen Reaktion erforderlich? (1 Punkt)

Die ersten zwei Kriterien bewerteten die Forscher mit jeweils zwei Punkten (F und A oder F und S), die Fragen nach einer erforderlichen Therapie mit nur einem Punkt. So kann ein Patient maximal fünf Punkte erhalten. Bei einem Score von weniger als drei Punkten kann den Studienautoren zufolge ein geringes Allergierisiko angenommen werden.

Für die Testentwicklung ließen die Forscher bei 622 Patienten, die bei sich eine Penicillin-Allergie vermuteten, diese Angabe mit einem Hauttest überprüfen. Bei nur rund neun Prozent konnte eine Penicillin-Allergie bestätigt werden. Aus der Ausgangskohorte hatten 74 Prozent einen PEN-FAST-Score von unter drei (460), darunter hatten nur 3,7 Prozent (17) einen positiven Allergie-Test, der negative Vorhersagewert lag also bei über 96 Prozent. Der überwiegende Teil der Probanden konnte also korrekt als „nicht allergisch gegen Penicillin“ eingestuft werden. Der Test bezieht sich auf Erwachsene und auf die orale Einnahme dieser Antibiotika.

Ärzte und Zahnärzte sollten die Angabe "Penicillinallergie" kritisch hinterfragen

Aufgrund dieser kürzlich im Journal of the American Medical Association (JAMA) erschienen Studie rät auch die Deutsche Gesellschaft für Infektiologie (DGI), vermutete Penicillinallergien zu überprüfen. „Selbst, wenn tatsächlich eine Allergie gegen ein bestimmtes Penicillin vorliegen sollte, ist meist trotzdem die Behandlung mit einem anderen Penicillin oder mit einem Cephalosporin aus dieser Gruppe möglich“, sagt Gerd Fätkenheuer, DGI-Präsident und Leiter der Infektiologie an der Klinik I für Innere Medizin am Universitätsklinikum Köln [DGI, 2019]. „Dass das Ausweichen auf andere Antibiotika auch handfeste Nachteile hat, ist leider nicht hinreichend im Bewusstsein von Ärzten und Patienten verankert.“

Ärzte und Zahnärzte sollten die Angabe „Penicillinallergie“ demnach kritisch hinterfragen. Verordneten sie nämlich wieder mehr Penicilline, entfiele auch das Ausweichen auf Breitband- und Reserveantibiotika. „Es ist sinnvoll, wenn Patienten, die vermuten, eine Penicillinallergie zu haben, dies von einem Allergologen einmal abklären lassen“, so Fätkenheuer.

Ein guter Rat, denn im Akutfall gibt es unter Umständen zu wenig Zeit für einen Test. Der australischen Studie zufolge haben zwar nur rund vier Prozent der im PEN-FAST-Test als wenig-wahrscheinliche Penicillin-Allergiker identifizierten Probanden doch eine solche Allergie, doch es im Zweifel einfach darauf ankommen zu lassen und schwere allergische Reaktionen in Kauf zu nehmen, ist sicherlich nicht im Sinne der Patienten.

Quelle:

Jason A Trubiano, Sara Vogrin, Kyra Y L Chua, Jack Bourke, James Yun, Abby Douglas, Cosby A Stone, Roger Yu, Lauren Groenendijk, Natasha E Holmes, Elizabeth J Phillips: “ Development and Validation of a Penicillin Allergy Clinical Decision Rule.“ JAMA Intern Med. 2020 Mar 16; 180(5): 1-9. doi: 10.1001/jamainternmed.2020.0403.

Literatur:

Trcka J. et al.: Penicillintherapie trotz Penicillinallergie? Plädoyer für eine allergologische Diagnostik bei Verdacht auf Penicillinallergie. Dtsch Arztebl 2004; 101(43): A-2888 / B-2444 / C-2331,

Shenoy E. et al.: Evaluation and Management of Penicillin Allergy / A Review. JAMA.2019;321(2):188-199

[DGI, 2019], https://www.dgi-net.de/penicillinallergie-ist-in-den-meisten-faellen-gar-keine-ausweichen-auf-andere-antibiotika-hat-nachteile-und-ist-oft-unnoetig/

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