Studie aus Haifa

Periimplantitis: Synergieeffekte durch antiseptische und entzündungshemmende Behandlung

Israelische Wissenschaftler haben jetzt untersucht, ob eine Kombination aus mechanischem, antiseptischem und anti-entzündlichem Vorgehen gegen Periimplantitis wirkt.

Bei rund 18 Prozent aller Patienten mit Zahnimplantaten tritt eine Periimplantitis auf [Rakic et al., 2018]. Die Kombination aus mechanischem Debridement und einer antiseptischen, entzündungshemmenden Behandlung erzielt einen synergistischen Effekt. Adobe Stock_Alexandr Mitiuc

Die Forscher rekrutierten für ihre Ein-Jahres-Nachbeobachtungsstudie 69 Probanden mit insgesamt 106 Implantaten. Die Patienten hatten eine Parodontitis Grad 1 bis 3, Stadium A bis B und eine Periimplantitis an mindestens einem Implantat. Dort zeigte sich eine Sondierungstiefe von ≥6 mm, Knochenverlust von ≥3 mm und Blutung auf Sondieren (BOP). Alle erhielten eine Parodontalbehandlung.

Periimplantitisbehandlung mit und ohne antiseptischen Zusatz

Zur Behandlung der Periimplantitis verteilten die Forscher die Patienten auf zwei Gruppen. Eine erhielt ein Debridement mit feinen Ultraschallspitzen (EMS, Chemin de la Vuarpillière, 31, 1260 Nyon, Switzerland) und eine Weichgewebskürettage mit Teflon beschichteten Küretten (Gruppe M). Bei der anderen (Gruppe P) applizierten die Forscher ein N-Carboxyanhydrid-Gel aus 0,95 prozentigem Natriumhypochlorid mit Aminosäuren (Perisolv, RLS global AB, Mölndal, Sweden) in die Zahntasche. Daraus bildeten sich kurzlebige Chloramine (N‐carboxy anhydride, NCA), weshalb die Komponenten des Gels erst kurz vor der Behandlung zusammengemischt wurden. Die Forscher ließen das Gel 30 Sekunden einwirken, um das Granulationsgewebe zu erweichen. Danach wurde es mittels Kürettage entfernt ohne die Implantatoberfläche zu instrumentieren.

Reinigung mit einer Biopolymer-Bürste auf Basis von Chitin

Die Oberfläche des Implantats reinigten sie anschließend mit einer rotierenden Chitosan-Bürste (Labrida, Oslo, Norway) und entfernten damit weiteres Granulationsgewebe. Chitosan ist ein Polysacharid und wird chemisch oder enzymatisch aus Chitin gewonnen. Es verhindert bakterielles Wachstum und wirkt fungistatisch. Bevor die Forscher die Chitosan-Bürste benutzten, tauchten sie sie für mindestens zwei Minuten in sterile Kochsalzlösung. Dadurch quollen die Fasern auf und wurden weich und flexibel.

Antibiotische Einlage aus der Tetracyclin-Gruppe

Nach dreimaliger Wiederholung der Gelapplikation und anschließender Kürettage, brachten die Wissenschaftler noch 1 mg Minocyclin Hydrochlorid (Arestin, OraPharma, NJ) in die Zahnfleischtasche ein (Gruppe P).

Alle Studienprobanden befanden sich aufgrund der Parodontalbehandlung in einem drei-monatigen Recall. Die Behandlung der Periimplantitis überprüften die Forscher nach einem halben und nach einem Jahr.

Ergebnisse

In beiden Gruppen nahmen der Plaque-Index, die Sondierungstiefe und der Attachmentverlust an den betroffenen Implantaten signifikant gegenüber den Ausgangswerten vor der Behandlung ab. Die Gruppe P hatte signifikant weniger Sondierungstiefen nach sechs und zwölf Monaten gegenüber der Gruppe M. Auch traten hier weniger Blutungen auf Sondieren während der gesamten Nachbeobachtungszeit von einem Jahr auf. Keine signifikanten Unterschiede zeigten sich in der Reduktion des klinischen Attachmentlevels zwischen den beiden Gruppen.

Diskussion

Die besseren Ergebnisse in Gruppe P führen die Wissenschaftler auf die Kombination von mit Aminosäuren gepuffertem Natriumhypochlorid (Gel) mit Weichgewebskürettage zurück. Dies zerstöre den Biofilm in den Zahnfleischtaschen und eliminiere das Granulationsgewebe. Das Antibiotikum wirke dazu noch antimikrobiell.

Eine frühere Studie von Larson et al. [2017] zeigte bereits, dass Chitosanborsten die Menge an Porphyromonas gingivalis signifikant reduzieren konnte. Möglicherweise hat die rotierende Bürste auch noch Zementreste entfernt, die eine häufige Ursache von Periimplantitiden sind.

Der klinische Attachmentverlust reduzierte sich in beiden Gruppen ohne signifikanten Unterschied. Ein Teil dieser Reduktion lasse sich auf eine Rezession des Weichgewebes und ein Teil auf die Wiederanlagerung des Bindegewebes zurückführen, meinen die Forscher.

Limitierend an dieser Studie ist der relativ kurze Nachbeobachtungszeitraum von einem Jahr. Zudem gab es nur wenige Röntgenaufnahmen, die die Situation vor der Behandlung und nach einem Jahr dokumentierten.

Fazit

Die Kombination von mechanischem Debridement mit einer antiseptischen und entzündungshemmenden Behandlung ergab einen synergistischen Effekt, der die klinischen Parameter Sondierungstiefen und BOP signifikant verbesserte. Diese Form der Behandlung kann in leichten bis mittelschweren Fällen von Periimplantitis eine Alternative zu einem operativen Vorgehen sein.

Yaniv Mayer, Ofir Ginesin, Jacob Horwitz: A nonsurgical treatment of peri‐implantitis using mechanic, antiseptic and anti‐inflammatory treatment: 1 year follow‐up. Clinical and Experimental Dental Research; Volume 6, Issue 4, August 2020, Pages 478-485. doi.org/10.1002/cre2.286 

Literatur

  1. Rakic, M., Galindo‐Moreno, P., Monje, A., Radovanovic, S., Wang, H. L., Cochran, D., Canullo, L. (2018). How frequent does peri‐implantitis occur? A systematic review and meta‐analysis. Clinical Oral Investigations, 22(4), 1805–1816. doi.org/10.1007/s00784-017-2276-y
  2. Larsen, O. I., Enersen, M., Kristoffersen, A. K., Wennerberg, A., Bunæs, D. F., Lie, S. A., & Leknes, K. N. (2017). Antimicrobial effects of three different treatment modalities on dental implant surfaces. The Journal of Oral Implantology, 43(6), 429–436. doi.org/10.1563/aaid-joi-D-16-00147
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