26 Jahre Nachbeobachtung

Stabile Verhältnisse nach GTR-Therapie

Die GTR-Therapie erhielt über die Hälfte der behandelten Zähne bis zu 26 Jahre stabil in situ, wie Regensburger Forscher unlägst zeigen konnten. Raucher und Diabetiker hatten allerdings schlechtere Karten.

Bis zu 26 Jahre nach der GTR-Therapie befanden sich über die Hälfte (53 Prozent) der Zähne noch in situ. Adobe Stock_Zerbor

Die Guided Tissue Regeneration (GTR) ist für intraossäre Defekte an parodontal vorgeschädigten Zähnen eine erfolgversprechende Therapieform, auch wenn ihre technische Ausführung recht anspruchsvoll ist. Mittels einer Membran sollen Epithelzellen daran gehindert werden, entlang der Wurzeloberfläche in die Tiefe zu wachsen und eine Art „Reparationsgewebe“ zu bilden.

Wird der intraossäre Raum mit einer Barrieremembran geschützt, kann sich parodontales Ligament, Wurzelzement und Alveolarknochen langsam wieder regenerieren. Histologische Studien haben den Erfolg der Methode mehrfach gezeigt [Karring et al., 1993; Larsson et al., 2016; Sallum et al., 2019].

Wie erfolgversprechend ist die GTR?

Wissenschaftler aus Regensburg nahmen sich dieser Frage an. Sie hatten Gelegenheit, Patienten, die Anfang und Mitte der 1990er Jahre mit GTR innerhalb von drei randomisierten klinischen Studien behandelt worden waren [Christgau et al., 1995, 1998 und 2002], aktuell bis zu 26 Jahre später nachzuuntersuchen. Die Forscher fokussierten sich auf das generelle „Überleben“ des entsprechenden Zahns in der Mundhöhle und die Stabilität des Attachment-Gewinns nach GTR-Therapie.

Ursprünglich wiesen alle Patienten Sondierungstiefen von mindestens sechs Millimetern und einen Knochenverlust (intraossär) von mindestens vier Millimetern auf. An den Defekten erhielten die Patienten eine GTR-Therapie. Nach einem Jahr dokumentierten die Forscher die Ergebnisse. Zähne mit Furkationsbeteiligung wurden nicht in die Studie eingeschlossen. Alle operierten Patienten erhielten zur perioperativen Infektionsprophylaxe eine antibiotische Abschirmung.

Von den ursprünglich 72 Patienten aus allen drei Ausgangsstudien konnten 50 Patienten und 102 operierte Defekte von den Wissenschaftler aktuell nachuntersucht werden. Allerdings stellten sich lediglich 34 Patienten (69 operierte Defekte) physisch für eine klinische Untersuchung in der Abteilung für konservative Zahnheilkunde und Parodontologie des Universitätsklinikums Regensburg vor, die restlichen 16 Patienten konnten nur telefonisch kontaktiert werden.

Mehr als die Hälfte der Zähne waren noch in situ

Bis zu 26 Jahre nach der GTR-Therapie befanden sich über die Hälfte (53 Prozent) der Zähne noch in situ, während 47 Prozent inzwischen extrahiert worden waren. Die mediane Überlebensdauer der Zähne, die aktuell noch in situ waren betrug 23,4 Jahre. Fast 14 Jahre waren die mit GTR-behandelten Zähne im Median in situ verblieben, bevor sie extrahiert werden mussten.

Die mittlere Sondierungstiefe zu Beginn betrug acht Millimeter an den Zähnen in situ oder neun Millimeter an den schließlich extrahierten Zähnen. Sie verringerte sich nach einem Jahr auf vier beziehungsweise fünf Millimeter. Nach bis zu 26 Jahren waren die Taschen für die noch in situ befindlichen Zähne nicht tiefer geworden.

In der Tendenz gingen Zähne eher verloren, wenn an den Operationsstellen eine Rest-Sondierungstiefe von ≥ 6 mm nach einem Jahr vorhanden war, im Vergleich zu Stellen mit einer Ein-Jahres-Rest-Sondierungstiefe von ≤ 3 mm oder vier bis fünf Millimetern als Rest-Sondierungstiefe.

Diabetes und Rauchen führte zu mehr Zahnverlust

Die Diabetiker unter den Probanden verloren signifikant mehr Zähne als die Nicht-Diabetiker und die Raucher (mindestens 10 Packungsjahre in der Anamnese) signifikant mehr als die Nicht-Raucher.

Überraschenderweise konnte kein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen Zahnverlust und der Häufigkeit der Termine in der Unterstützenden Parodontaltherapie (UPT) nach einem und nach bis zu 26 Jahren festgestellt werden. Nur etwas über die Hälfte (54 Prozent) der Operationsstellen erhielten über den gesamten Nachbeobachtungszeitraum mindestens zwei UPT-Termine pro Jahr (einschließlich parodontaler Untersuchungen sowie supra‐ und subgingivaler Zahnreinigung).

Diese Angaben beruhten allerdings nicht nur auf Aktenlage, sondern auch auf Patienteninformationen und sind daher vorsichtig zu interpretieren. Eine andere Vermutung, warum Zahnverlust und die Häufigkeit der Termine in der UPT keinen statistischen Zusammenhang aufweisen, liefert die Studie nicht.

Fazit

Nach GTR-Therapie konnten über die Hälfte der der behandelten Zähne bis zu 26 Jahre lang erhalten werden. Der Verlust von 47 Prozent der behandelten Zähne kann zumindest teilweise auf unregelmäßige Termine in der Phase der UPT zurückgeführt werden. Diabetiker und Raucher verloren signifikant mehr Zähne. Der Gewinn an klinischem Attachment-Niveau blieb im Vergleich zum Ein-Jahres-Follow-up über bis zu 26 Jahre stabil.

Cieplik F, Ihlenfeld I, Hiller KA, Pummer A, Schmalz G, Buchalla W, Christgau M. Tooth survival and clinical outcomes up to 26 years after guided tissue regeneration therapy in deep intra-bony defects: Follow-up investigation of three randomized clinical trials. J Clin Periodontol. 2020 Jul;47(7):863-874. doi.org/10.1111/jcpe.13302

Literatur:

  1. Christgau, M., Bader, N., Felden, A., Gradl, J., Wenzel, A., & Schmalz, G. (2002). Guided tissue regeneration in intrabony defects using an experimental bioresorbable polydioxanon (PDS) membrane. A 24‐month split‐mouth study. Journal of Clinical Periodontology, 29, 710–723. doi.org/10.1034/j.1600‐051X.2002.290808.x
  2. Christgau, M., Bader, N., Schmalz, G., Hiller, K.‐A., & Wenzel, A. (1998). GTR therapy of intrabony defects using 2 different bioresorbable membranes: 12‐month results. Journal of Clinical Periodontology, 25, 499–509. https://doi.org/10.1111/j.1600051X.1998.tb02479.x
  3. Christgau, M., Schmalz, G., Reich, E., & Wenzel, A. (1995). Clinical and radiographical split‐mouth‐study on resorbable versus non‐resorbable GTR‐membranes. Journal of Clinical Periodontology, 22, 306–315. https://doi.org/10.1111/j.1600
  4. ‐051X.1995.tb00153.xKarring, T., Nyman, S., Gottlow, J., & Laurell, L. (1993). Development of the biological concept of guided tissue regeneration–animal and human studies. Periodontology 2000, 1, 26–35. https://doi.org/10.1111/j.16000757.1993.tb00204.x
  5. Larsson, L., Decker, A. M., Nibali, L., Pilipchuk, S. P., Berglundh, T., & Giannobile, W. V. (2016). Regenerative medicine for periodontal and peri‐implant diseases. Journal of Dental Research, 95, 255–266. doi.org/10.1177/0022034515618887
  6. Sallum, E. A., Ribeiro, F. V., Ruiz, K. S., & Sallum, A. W. (2019). Experimental and clinical studies on regenerative periodontal therapy. Periodontology 2000, 79, 22–55. doi.org/10.1111/prd.12246
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