Deutsche Gesellschaft für Zahnerhaltung (DGZ), Deutsche Gesellschaft für Präventivzahnmedizin (DGPZM) und Bundeszahnärztekammer (BZÄK)

Stellungnahme zur Karex-Werbung von Dr. Wolff

Die von Dr. Wolff in ihrer Werbung in Aussicht gestellte kariespräventive Wirkung der Zahnpasta Karex ist wissenschaftlich nicht belegt; der Versuch, den Einsatz von Fluorid in Zahnpasten zu diskreditieren, unbegründet: Mit dieser Stellungnahme reagieren Deutsche Gesellschaft für Zahnerhaltung (DGZ), Deutsche Gesellschaft für Präventivzahnmedizin (DGPZM) und Bundeszahnärztekammer (BZÄK) auf das Angst-Marketing.

Während für Fluoridzahnpasten umfangreiche Studien auf hohem wissenschaftlichem Niveau vorliegen, gibt es für Karex und seine Bestandteile bislang noch keine wissenschaftliche Evidenz. zm-mg

„Das Unternehmen Dr. Wolff, Bielefeld, betreibt seit einigen Wochen eine aggressive Werbung für das Produkt Karex und streut gezielt Verunsicherungen zu Fluoriden. Dies ist ein unredlicher Marketingschachzug. Die Behauptungen entbehren der wissenschaftlichen Datenlage.

 

Dr. Kurt Wolff hat eine Zahnpasta auf den Markt gebracht, die ohne Fluorid umfassend vor Karies schützt. Zum Verkauf bedient die Firma mit Verweis auf Vergiftungstheorien die Ängste der Verbraucher.

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Die oben benannten Organisationen stellen fest:

Sicher und nützlich

Fluoride sind weltweit sehr gründlich untersucht. Die herausragende kariesprophylaktische Wirksamkeit von Fluoridzahnpasten wurde in vielen Studien belegt. Zuletzt wurde sie im Jahre 2010 in einer Meta-Analyse von 71 qualitativ hochwertigen klinischen Studien durch die renommierte Cochrane Collaboration bestätigt [1]. Auch die im Jahre 2016 erschienene „Leitlinie zur Kariesprophylaxe bei bleibenden Zähnen“ empfiehlt die mindestens zweimal tägliche Anwendung einer fluoridhaltigen Zahnpasta als Basisprophylaxe [2]. Fluoride in Zahnpflegeprodukten sind nachgewiesenermaßen sicher und unbedenklich. Gesundheitliche Nachteile sind nicht zu befürchten.

Ohne wissenschaftliche Evidenz

Während für Fluoridzahnpasten umfangreiche Studien auf hohem wissenschaftlichem Niveau vorliegen, gibt es für Karex und seine Bestandteile bislang noch keine wissenschaftliche Evidenz. Die Werbung bezieht sich vor allem auf eine noch nicht publizierte klinische Studie. Eine breite wissenschaftliche Basis für Aussagen zur kariespräventiven Wirkung des Produktes ist nicht gegeben.

Im Folgenden sollen einige Aussagen der Werbekampagne zu Fluoriden genauer erläutert werden.

  • Zunächst wird der Eindruck erweckt, als habe die Europäische Union aktuell strenge Grenzwerte für den Einsatz von Fluorid in kosmetischen Mittel festgelegt. Dies trifft nicht zu.
    Die Grenzwerte für Fluorid wurden bereits in der ersten europäischen Kosmetik-Verordnung im Jahre 1978 definiert. Es gibt keine neuen Festlegungen.
  • Die von der Firma Dr. Wolff als Veröffentlichung in mehreren Tageszeitungen platzierte Werbung mit dem Titel „Fluorid – erste Verbraucherschützer rufen nach Verbot“, erweckt den Eindruck, als würden unabhängige Verbraucherschutz-Organisationen vor Fluorid warnen. Dies ist nicht der Fall.
  • Im Kontext der Vermarktung von Karex wird auch eine Studie aus 2017 zitiert [3]. Diese in Mexiko durchgeführte Untersuchung stellte einen Zusammenhang zwischen systemischer (!) Fluoridexposition bei Schwangeren und dem kognitiven Leistungsvermögen der Kinder her.
  • Unabhängig von der methodischen Qualität und der fraglichen Belastbarkeit der Studienergebnisse ist eindeutig zu konstatieren, dass die Studie keinerlei Relevanz für die Fluoridprophylaxe in Deutschland hat, weil die in der Studie ermittelten relevanten Fluoridkonzentrationen in Deutschland bei weitem nicht erreicht werden. Nicht nur die aufgenommenen Fluoridmengen in Deutschland und Mexiko unterscheiden sich ganz erheblich. Zu unterscheiden sind zudem die systemische Fluoridaufnahme, wie im Beispiel Mexiko, und die Verwendung von Fluoridverbindungen in Zahnpflegeprodukten, die wieder ausgespuckt werden.


Die ominöse Studie wurde bislang gar nicht publiziert, auch die Ergebnisse sind unter Verschluss. Einzig das Verbrauchermagazin 'Guter Rat' publizierte in seiner Ausgabe 12/2016 einige Auszüge: „Laut einer gerade abgeschlossenen randomisierten und placebokontrollierten Studie der Universitätszahnklinik Würzburg macht es in Sachen Kariesvorbeugung kaum einen Unterschied, ob man eine fluoridfreie Zahncreme mit Hydroxylapatit oder eine Paste mit Aminfluorid verwendet“, heißt es in dem Artikel.

Für die doppelblinde Untersuchung hatten demnach insgesamt 150 Probanden nach dem Zufallsprinzip entweder fluoridhaltige oder fluoridfreie Zahnpasten mit Hydroxylapatit verwendet; beide Testgruppen wiesen nach zwölfwöchiger Studienphase vergleichbar häufig Karies auf, die Teilnehmer mit fluoridierter Zahnpasta dem Beitrag zufolge angeblich "sogar  etwas häufiger“.

„Offenbar schützt der Inhaltsstoff Hydroxylapatit den Zahnschmelz vor Säureschäden, indem er sich an die Zähne heftet", kommentierte Studienleiter Prof. Ulrich Schlagenhauf in "Guter Rat" dieses Ergebnis.

Übrigens verweist Dr. Wolff auf seiner Homepage ebenfalls auf die Studie - und nennt in der Literaturangabe als Quelle den Beitrag in 'Guter Rat' ("Eine aktuelle Studie an fünf deutschen Universitätskliniken belegt, dass eine hydroxylapatithaltige Zahnpasta die Zähne ebenso gut vor Karies schützt wie eine fluoridhaltige Zahnpasta.[2] 2. Guter Rat - Das unabhängige Verbrauchermagazin (12.2016)")!


Alles in allem sind die von der Firma Dr. Wolff in ihrer Werbung in Aussicht gestellten kariespräventiven Wirkungen der Zahnpasta Karex wissenschaftlich nicht belegt. Der Versuch, den Einsatz des hoch effektiven und sicheren Wirkstoffes Fluorid in Zahnpasten zu diskreditieren, muss als unbegründete Verunsicherung der Bevölkerung und unserer Patienten zurückgewiesen werden.

Berlin, 22. Januar 2018"

[1] Walsh T, Worthington HV, Glenny AM, Appelbe P, Marinho VC, Shi X. Fluoride toothpastes of different concentrations for preventing dental caries in children and adolescents. Cochrane Database Syst Rev 2010:CD007868. [2] Deutsche Gesellschaft für Zahnerhaltung (DGZ) und Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK). Kariesprophylaxe bei bleibenden Zähnen – grundlegende Empfehlungen. 2016: www.dgzmk.de/uploads/tx_szdgzmkdocuments/kariesprophlang_02.pdf [3] Bashash M, Thomas D, Hu H, Martinez-Mier EA, Sanchez BN, Basu N, et al. Prenatal Fluoride Exposure and Cognitive Outcomes in Children at 4 and 6–12 Years of Age in Mexico. Environmental health perspectives 2017;125:097017.

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