Metaanalyse aus China

Warten mit Zähneputzen nach erosiven Speisen ist unnötig

Ob es wirklich sinnvoll ist, nach erosiven Speisen und Getränken mit dem Zähneputzen zu warten, daran gab es schon länger Zweifel. Ein Metaanalyse chinesischer Forscher konnte nun erneut keine belastbare Evidenz dafür finden.

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Zahnoberflächen demineralisieren und erweichen nach dem Kontakt mit sauren Speisen oder Getränken. Mithilfe des Speichels werden die Oberflächen remineralisiert und wieder erhärtet. Um die Resistenz der Zahnhartgewebe gegenüber Abrieb nach erosiven Angriffen zu erhöhen, wurde daher lange empfohlen, dem Speichel ausreichend Zeit zu geben, die Zahnoberflächen wieder zu remineralisieren.

Das führte zu der Empfehlung, mit dem Zähneputzen 30 bis 60 Minuten zu warten, nachdem saure Speisen oder Getränke konsumiert wurden [Lussi, 2006; Buzalaf et al., 2012]. Im Gegensatz dazu wurden in einer epidemiologischen Studie [Bartlett et al., 2013] und einer Fall-Kontroll-Studie [Toole et al., 2017] keine direkten Zusammenhänge zwischen verzögertem Zähneputzen und dem Grad des erosiven Zahnverschleißes festgestellt.

Speichelproteine verhindern die Remineralisation

Ein Grund dafür ist, dass im Speichel Proteine vorkommen, die die Ausfällung der Mineralien und in der Folge die Remineralisation hemmen, wie Lussi et al. in den zm 18/2015 bereits erläutert hatten.

Europastudie zu Überempfindlichkeit und Säureschäden
Statherine, PRP (=proline-rich phosphor), Cystatine, Albumine und weitere Proteine hemmen, so Lussi, aufgrund ihrer großen Affinität zu Hydroxylapatit die Remineralisation. Sie sind laut Lussi auch dafür verantwortlich, dass der mit Kalzium und Phosphat übersättigte Speichel nicht ausfalle und kristallisiere [Helmerhorst und Oppenheim, 2007; Jin und Yip, 2002]. Da diese Proteine wegen ihrer Größe kaum in eine Initialläsion (Kreidefleck) eindringen können, kann dort mithilfe von Fluorid Remineralisation stattfinden, doch dieser Prozess beansprucht auch unter optimalen Verhältnissen längere Zeit [Iijima et al., 1999].

Laboruntersuchungen zur Remineralisation nach Erosion werden danach jedoch mit künstlichem Speichel durchgeführt, der eine ausgezeichnete Remineralisation zeigt, weil er die oben erwähnten Proteine nicht enthält. Diese Versuchsanordnung führt Lussi zufolge zu falschen Folgerungen für die Klinik.

Rinderzähne in Studien reagieren anders

Einen weiteren Grund dafür, dass es offensichtlich doch nicht so wichtig ist, nach sauren Speisen und Getränken mit dem Zähneputzen zu warten, zeigte jüngst ein systematisches Review und eine Metaanalyse aus China. Die Wissenschaftler durchsuchten die Literatur unter der Fragestellung, ob bei Zahnschmelz und Dentin ein Unterschied zwischen sofortigem und verzögertem Zähneputzen nach einer erosiven Attacke besteht.

Aus den zwölf inkludierten Studien (8 in-situ, 4 in-vitro) ging hervor, dass es auf die Art der Proben ankommt: Bei menschlichem Zahnschmelz bestand kein signifikanter Unterschied an säurebedingtem Substanzverlust zwischen verzögertem und sofortigem Zähneputzen. Beim Rinderzahnschmelz jedoch, der in vielen Studien verwendet wird, führte das verzögerte Zähneputzen sehr wohl zu signifikant weniger erosiv-bedingtem Substanzverlust. Beim Rinderdentin wiederum konnten die Forscher keinen signifikanten Unterschied beim Substanzverlust nach erosiver Attacke zwischen verzögertem und sofortigem Zähneputzen beobachten.

Die Verwendung von fluoridierter Zahnpasta verringerte den säurebedingten Substanzverlust bei menschlichem Zahnschmelz durch Zahnbürstenabrieb signifikant gegenüber nicht fluoridfreier Zahnpasta, wie Subgruppenanalysen ergaben.

Fazit

Rinder- und menschliche Zähne verhalten sich in ihrer Reaktion auf Erosion und anschließendem Zahnbürstenabrieb unterschiedlich. An menschlichem Schmelz brachte ein Zuwarten mit dem Zähneputzen nichts im Hinblick auf Zahnhartsubstanzverlust nach erosiven Attacken, beim Rinderzahnschmelz dagegen schon. Der vorliegenden Metaanalyse zufolge kann allein die Empfehlung, das Zähneputzen nach dem Verzehr erosiver Lebensmittel oder Getränke zu verschieben, den Zahnabrieb nicht verhindern.

Quelle: Hong DW, Lin XJ, Wiegand A, Yu H. Does delayed toothbrushing after the consumption of erosive foodstuffs or beverages decrease erosive tooth wear? A systematic review and meta-analysis. Clin Oral Investig. 2020 Dec; 24(12): 4169-4183. doi: 10.1007/s00784-020-03614-9.

Literatur

  1. Bartlett DW, Lussi A, West NX, Bouchard P, Sanz M, Bourgeois D (2013) Prevalence of tooth wear on buccal and lingual surfaces and possible risk factors in young European adults. J Dent 41:1007–1013. doi.org/10.1016/j.jdent.2013.08.018
  2. Buzalaf MAR, Hannas AR, Kato MT (2012) Saliva and dental erosion. J Appl Oral Sci 20:493–502. https://​doi.​org/​10.​1590/​s1678-7757201200050000​1
  3. Helmerhorst EJ, Oppenheim FG. Saliva: a dynamic proteome. Journal of Dental Research 2007, 86(8): 680–93.
  4. Iijima Y, Takagi O, Ruben J, Arends J. In vitro remineralization of in vivo and in vitro formed enamel lesions. Caries Research 1999;33(3):206–13.
  5. Jin Y, Yip HK. Supragingival calculus: formation and control. Critical Reviews in Oral Biology and Medicine 2002 ;13(5) :426–41.
  6. Lussi A (2006) Dental erosion: from diagnosis to therapy. Karger Medical and Scientific Publishers, Basel
  7. Toole SO, Bernabé E, Moazzez R, Bartlett D (2017) Timing of dietary acid intake and erosive tooth wear: a case-control study. J Dent 56:99–104. doi.org/10.1016/j.jdent.2016.11.005
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