Zahnmedizin

Was Zähne über Rachitis verraten

Im Unterschied zu Knochen erzählen Zähne noch hunderte Jahre später die Geschichte von Menschen, die nicht genug Sonne abbekommen haben - und Forscher gewinnen mithilfe dieser Funde neue Erkenntnisse zum Vitamin D-Mangel.

Fossilien im Mund: Anhand der Zähne können Forscher erkennen, ob der Tote in seinem Leben an Rachitis gelitten hat. Milan Lipowski - Fotolia

Diese Aufnahme zeigt das Dentin eines archäologische Erwachsenen mit Vitamin D-Mangel. Journal of Archeological Science

Forscher an der McMaster Universität in Hamilton, Kanada, haben einen neue Methode gefunden, um Vitamin D-Mangel nachzuweisen: Das Anthropologen-Team stellte fest, dass der Blick auf die mikroskopische Struktur von Zähnen ein Fenster in das Leben der Menschen öffnet, die vor Hunderten von Jahren gelebt haben, und deren einziger Überrest aus ihren Skeletten besteht.

Wie die Ringe eines Baums

Ihre Arbeit, online veröffentlicht im Journal of Archaeological Science, offenbart, dass ein Vitamin D-Mangel zu mikroskopisch kleine Anomalien in den Dentinschichten führt. Die Zahnstruktur unter dem Zahnschmelz liefert dabei eine laufende Aufzeichnung, die später gelesen werden kann wie die Ringe eines Baums.

"Die Schichten speichern, was passiert, wenn die Zähne wachsen", sagt Autorin Lori D'Ortenzio, Doktorandin in der Anthropologie an der McMaster-Universität. "Wir kennen alle die Bedeutung von Vitamin D, aber bis jetzt gab es keinen Weg zu messen, was genau wann passiert."

Die Entdeckung ist deshalb von Bedeutung: Sie kann wertvolle Informationen über den Vitamin-D-Mangel geben. Denn Rachitis ist weiter eine ernste Krankheit - weltweit sind rund 1 Milliarde Menschen betroffen, die meisten Fälle werden durch einen Mangel an Sonneneinstrahlung verursacht, mit Folgen angefangen mit Schmerzen bis hin zu Knochenmissbildungen und Defiziten im Knochenniveau.

Fossilien im Mund

Bisher haben Wissenschaftler, die versuchten, die historischen Muster beim Vitamin D-Mangel zu verstehen, Knochen verwendet - für solche Informationen eher problematische Quellen, da im Leben das Knochenmaterial ständig umgebaut wird und die Details aufgrund von vorherigen Schädigungen verschleiert bleiben. Während Knochen nach dem Tod mit dem Boden verschmelzen und brechen, wird Dentin nicht umgebaut. Zahnschmelz ist außerdem viel härter als Knochen und schützt das Dentin lange nach dem Tod, so dass die Zähne eine reiche und genaue Quelle für archäologische Informationen darstellen. "Zähne sind im Prinzip Fossilien im Mund", erläutert Autorin Bonnie Kahlon, eine der Mitarbeiterinnen des McMaster Departments of Anthropology.

Die Forscher verglichen die Zähne jetzt lebender Kontrollpersonen mit Zähnen von Menschen, die im ländlichen Quebec und in Frankreich in den 1700er und 1800er Jahre ansässig waren. Ihre Analyse ergab unter anderem, dass ein Mann Quebec vier Rachitis-Schübe innerhalb seines 24-jährigen Lebens durchlitt - alle, bevor er 13 Jahre alt war.

Indem sie unter einem Elektro-Mikroskop dünne Abschnitte der Zähne untersuchten, konnten die Wissenschaftler zeigen, dass immer, wenn die Opfer unter Vitamin D-Mangel litten, in den Dentinschichten Anomalien ausgebildet wurden. Das heißt, aufgrund des Vitamin D-Mangels konnten keine vollständig mineralisieren Strukturen entwickelt werden, die dann das Dentin und die Knochen ausbilden.


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