Statement von DGET-Präsident Prof. Christian Gernhardt

"Einmalinstrumente können eine sichere Variante sein"

Eine Instrumentenfraktur stellt ein nicht unerhebliches Risiko und eine gängige Komplikation der Wurzelkanalbehandlung dar. DGET-Präsident Prof. Christian Gernhardt wirbt deshalb für die Verwendung von Einmalinstrumenten.

Prof. Christian Gernhardt, stellv. Direktor, Präsident der DGET privat

Die Reihe zur Thematik der Instrumentenfraktur und der Entfernung frakturierter Instrumententeile beschäftigt sich mit einem äußerst relevanten und zugleich viel diskutierten Thema der Endodontie [Parashos and Messer 2006, McGuigan, Louca et al., 2013].

Unstrittig ist, dass die Aufbereitung des Wurzelkanals mit Instrumenten, die sowohl im Rahmen der Handinstrumentierung wie auch der maschinellen Aufbereitung verwendet werden, ein essenzieller Bestandteil einer erfolgreichen Wurzelkanalbehandlung ist. Zusammen mit der chemischen Desinfektion des Kanalsystems und anderen Schritten einer lege artis durchgeführten Wurzelkanalbehandlung erlaubt nicht zuletzt die instrumentelle Bearbeitung der Wurzelkanäle, betroffene Zähne langfristig erfolgreich in der Mundhöhle in Funktion zu halten.

Daten zum Risiko einer Instrumentenfraktur sind in der Literatur aus zahlreichen Untersuchungen verfügbar. Iqbal et al. untersuchten beispielsweise mehrere Tausend endodontische Behandlungen von postgraduierten Studenten an der Universität Pennsylvania und beobachteten eine Frakturrate – bei im Durchschnitt achtmaliger Anwendung – für Handfeilen von 0,25 Prozent und für rotierende NiTi-Feilen von 1,68 Prozent der verwendeten Instrumente [Iqbal, Kohli et al., 2006].

Weitere Untersuchungen zeigten, dass etwa 95 Prozent der Endodontologen und etwa 85 Prozent der Allgemeinzahnärzte Erfahrungen mit Instrumentenfrakturen gemacht haben [Madarati, Watts et al., 2008]. Folglich stellt das Auftreten einer Instrumentenfraktur ein nicht unerhebliches Risiko und – vor allem durch die Einführung der maschinellen Aufbereitung mit NiTi-Instrumenten – eine gängige Komplikation der Wurzelkanalbehandlung dar [Tzanetakis, Kontakiotis et al., 2008].

Der mögliche Einfluss eines Instrumentenbruchs auf den Erfolg der endodontischen Behandlung ist bis heute allerdings nicht eindeutig geklärt und hängt sicherlich von zahlreichen Faktoren ab [Spili, Parashos et al., 2005; Panitvisai, Parunnit et al., 2010; McGuigan, Louca et al., 2013]. Prinzipiell werden zwei Arten von Frakturmechanismen unterschieden, der Torsionsbruch und der Ermüdungsbruch. Einerseits können Wurzelkanalaufbereitungsinstrumente immer dann frakturieren, wenn die angewandte Kraft die Elastizitätsgrenze und Stabilität des Instruments übersteigt.

Zunächst wird sich dabei die Feile deformieren und anschließend brechen. Dies bezeichnet man als Torsionsbruch. Andererseits können Instrumente infolge von Materialermüdung frakturieren. Ein Ermüdungsbruch entsteht bei fortgesetzten Rotationen einer Feile im Wurzel- kanal über die Zeit. Mit jeder halben Umdrehung wechselt bekanntermaßen die Belastung von Druck auf Zug und wieder zurück, wodurch sich mit der Zeit minimale Veränderungen in der Metallstruktur des Instruments ergeben. Ausgehend von mikroskopischen Oberflächenfehlern kommt es zunächst zur Rissbildung und letztlich zur Fraktur. Als eine der Hauptursache wird immer wieder die Häufigkeit der Anwendung der Instrumente beschrieben. Eine Übersichtsarbeit zu diesem Thema zeigte, dass der Großteil – bis zu 92 Prozent der Frakturen – Ermüdungsbrüchen zuzuordnen ist [Iqbal, Kohli et al., 2006]. Je öfter die Feilen verwendet wurden, desto häufiger traten diese Brüche auf.

Prinzipiell lässt sich jedoch sagen, dass die Verwendung der Aufbereitungsinstrumente heute durch verbesserte und geeignete Materialien und spezielle Endodontiemotoren sicherer als je zuvor geworden ist. Allerdings lassen sich vor allem Ermüdungsbrüche im Praxisalltag nicht gänzlich ausschließen. Bei der Verwendung von Mehrfachinstrumenten ist daher eine stringente und jederzeit verlässliche Dokumentation aller Instrumente unerlässlich, um die Anwendungshäufigkeit zu kontrollieren. Dies ist jedoch im täglichen Betrieb, gegebenenfalls auch mit wechselndem Personal, oft schwierig und unterliegt bisweilen vielen Fehlerquellen.

Eine sichere Variante und mittlerweile verfügbare Alternative, nicht nur unter Berücksichtigung der Frakturvermeidung, sondern auch der Instrumentenqualität, der Schneidleistung und der wichtigen hygienischen Aufbereitung kann daher die Verwendung von Einmalinstrumenten sein, die sich inzwischen in zahlreichen Praxen immer mehr durchsetzt [Arens, Hoen et al., 2003; Shen, Coil et al., 2009; Dagna, 2015]. Inwieweit dies den Kostenaspekt einer endodontischen Behandlung beeinflusst, soll nicht Thema dieses kurzen Beitrags sein, muss jedoch sicherlich individuell überprüft und diskutiert werden.

Prof. Dr. Christian Gernhardt
Stellv. Direktor, Präsident der DGET
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Department für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde
Universitätspoliklinik für Zahnerhaltungskunde und Parodontologie
Harz 42a, 06108 Halle
christian.gernhardt@uk-halle.de

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