Diskussionsrunde auf der KZVB-VV zum Thema PAR

Ziel erreicht

Als Berufsstand mit einer Stimme zu sprechen – das war Ziel der Diskussionsveranstaltung zum Thema PAR auf der KZBV-Vertreterversammlung am 2.7. in Köln. Die Spitzenvertreter von KZBV, BZÄK, der DG PARO, des FVDZ und der IGZ waren sich ihrer Mammutaufgabe bewusst: Die Veranstaltung verstand sich als erster – interprofessioneller – Aufschlag, um eine gemeinsame Strategie des Berufsstands zur Versorgung von Parodontalerkrankungen auf den Weg zu bringen. Der Schulterschluss der Verbände ist erreicht, der Weg bis zur Umsetzung wird aber noch Jahre in Anspruch nehmen.

Diskussionsrunde in Köln (v.l.n.r.): Dr./RO Eric Banthien, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Zahnärztlicher Verbände Deutschlands e. V. (IGZ), Prof. Dr. Peter Eickholz, Direktor der Poliklinik für Parodontologie an der Universität Frankfurt/M. als Vertreter der DG PARO, Dr. Ute Maier, Vorsitzende der KZBV-AG „PAR-Strategie“, Dr. Wolfgang Eßer, Vorsitzender des Vorstands der KZBV, Dr. Peter Engel, Präsident der BZÄK, ZA Harald Schrader, Vorsitzender des Freien Verbands Deutscher Zahnärzte (FVDZ) © KZBV-M.Darchinger

Die Diskussionsrunde zum Thema „Systematische Behandlung von Parodontopathien gemäß § 135 Absatz 1 SGB V“ im Rahmen der KZBV-Vertreterversammlung: Dr. Wolfgang Eßer erklärte: „Wir müssen unserer Aufgabe gerecht werden, für die Zahnärzte und die Patienten das Bestmögliche zu erreichen.“ Dabei stehe nicht das Wunschdenken der Profession im Vordergrund. Vielmehr gehe es um den sozialversicherungsrechtlichen Anspruch des Patienten bei der Versorgung. Danach erst würden Fragen der Bewertung und Honorierung geklärt. Wichtig sei auch die ethische Verantwortung für den Patienten. © KZBV-M.Darchinger
Dr. Peter Engel hält es für wichtig, dass sich die Aktivitäten der zahnärztlichen Berufspolitik im PAR-Bereich ergänzen. Er votierte für eine klare Abgrenzung zwischen UPT und PZR, um eine Schnittstellenproblematik mit den Maßnahmen der Sekundärprävention zu vermeiden. Sollte die Bewertung der Evidenzlage im IQWIG schwach ausfallen, könnten weitere Initiativen zur Verbesserung der Evidenz entwickelt werden, gegebenenfalls unter der Nutzung des Innovationsfonds. © KZBV-M.Darchinger
Dr. Ute Maier moderierte die Diskussion. Sie benannte folgende Kernfragen: Wie gehen wir als Berufsstand begleitend in den Prozess beim G-BA hinein? Wie positionieren wir uns zu der Methodenbewertung im Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG)? Oder: Wie kann die Sicherstellung der Behandlung und Nachsorge erfolgen? © KZBV-M.Darchinger
Prof. Dr. Peter Eickholz schlussfolgerte aus wissenschaftlicher Sicht: Parodontalerkrankungen seien sehr häufig, sie stellten einen unabhängigen Risikofaktor für Allgemeinerkrankungen (zum Beispiel Diabetes Typ II, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Schwangerschaftskomplikationen) dar. Die UPT sei die entscheidende Maßnahme zur langfristigen Aufrechterhaltung des Therapieerfolgs. © KZBV-M.Darchinger
ZA Harald Schrader kündigte an, dass sich der FVDZ künftig bei versorgungspolitischen Fragen verstärkt einbringen werde. Er forderte eine kontinuierliche Teilhabe der Patienten am zahnmedizinischen Fortschritt. Eine BEMA-Ausweitung könne nur mit adäquater Anhebung der Honorarobergrenze oder extrabudgetär erfolgen. Für begrenzte Mittel könne es aber nur begrenzte Leistungen geben. © KZBV-M.Darchinger
Dr./RO Eric Banthien mahnte zum verantwortungsvollen und sorgsamen Umgang des Berufsstands mit dem Thema. Das PAR-Konzept sei wissenschaftlich gut fundiert. Wichtig sei, dass der Patient einen eigenen Anteil an der Finanzierung der Parodontalbehandlung leisten müsse. © KZBV-M.Darchinger

Die KZBV hatte zu einem Dialog eingeladen, bei dem alle Verbände und die Wissenschaft ihre Sichtweisen einbringen konnten. Vor dem Hintergrund des Antrags der Patientenvertreter im G-BA zur Nutzenbewertung der Behandlung von Parodontopathien – einem Prozess, den die Zahnärzteschaft konstruktiv-kritisch begleitet – ist der Weg für eine strategische Aufstellung des Berufsstands nun vorgezeichnet: Es gibt ein konsentiertes Konzept für eine moderne und zeitgemäße PAR-Behandlung (siehe dazu den Leitartikel S. 8 und den Problemaufriss in zm 13/2016, S. 18ff.).

Einigkeit der Verbände gab es in folgenden Punkten:

• Das von der AG „PAR-Strategie“ erarbeitete Therapiekonzept ist Basis für die weitere Vorgehensweise.

• Erforderlich ist eine Ausarbeitung von politischen Forderungen und eine Flankierung mit öffentlichkeitswirksamen Maßnahmen zur Aufklärung für die Bevölkerung.

• Die Unterstützende Parodontaltherapie ist

die aus wissenschaftlicher Sicht notwendige Maßnahme für die Nachsorge.

• Finanzierungsfragen müssen sorgfältig erörtert und geklärt werden.

• Das Prinzip der Delegation von Leistungen

durch den Zahnarzt muss erhalten bleiben.

Der Berufsstand kann nun kraftvoll agieren

Dr. Wolfgang Eßer, Vorstandsvorsitzender der KZBV, zeigte sich über das Ergebnis der Diskussion sehr zufrieden: „Wir haben mit den politisch Verantwortlichen in der Zahnärzteschaft einen Konsens bei der Strategie zur PAR-Versorgung erreicht.“ Unter der Federführung der KZBV, die die politische Legitimation zu den Verhandlungen im G-BA besitze, könne der Berufsstand nun kraftvoll agieren.

Eßer unterstrich die Zielrichtung der zahnärztlichen PAR-Strategie: Eine Anpassung der Parodontitistherapie an den Stand der Wissenschaft sei notwendig, die strukturierte Nachsorge (UPT) sei relevanter Therapiebestandteil. Wichtig dabei sei das Grundprinzip der Präventionsorientierung, das die KZBV bereits in ihrer „Agenda Mundgesundheit“ verankert hatte. Dies sei auch ein wichtiger Aspekt bei der PAR-Therapie.

Sowohl im individuellen Zahnarzt-Patienten-Kontakt wie auch bei Therapiestrategien gehe es darum, alle Anstrengungen zu unternehmen, um die Prävention der Erkrankung zu intensivieren. „Wir müssen die PAR im Frühstadium vermeiden, damit keine schweren Fälle entstehen.“ Dabei spiele auch die Eigenverantwortung des Versicherten eine Rolle. Was die Finanzierung in der GKV angeht, müsse über entsprechende Steuerungsinstrumente nachgedacht werden. Hier hätten sich bereits Modelle wie Mehrkostenregelung, Bonus- oder Anreizsysteme bewährt.

Viele offene Fragen bleiben

Dr. Ute Maier, Vorsitzende der KZBV-AG „PAR-Strategie“ gab den Delegierten einen Sachstand über die PAR-Diskussion (siehe nachfolgendes Interview): Wie gehen wir mit der PAR-Frage im Rahmen der Diskussionen im G-BA um? Wie positionieren wir uns zu der im Herbst zu erwartenden Nutzenbewertung durch das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG)? Wie kann die Behandlung und Nachsorge durch die bestehenden Kapazitäten in den Zahnarztpraxen sichergestellt werden? Welche Rolle spielt die Delegation an Assistenzberufe? All dies seien offene Fragen, die der Berufsstand zu erörtern habe. Eine erfolgreiche Therapie setze Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention voraus, zurzeit fehle aber das zweite Standbein in der Therapie: „Eine regelmäßige Nachsorge nach der PAR-Behandlung ist zwingend erforderlich und bringt die größte Aussicht auf dauerhaften Erfolg.“

65027996489121648912764891286502800 6502801 6489130
preload image 1preload image 2preload image 3preload image 4preload image 5preload image 6preload image 7preload image 8preload image 9preload image 10preload image 11preload image 12preload image 13preload image 14preload image 15preload image 16preload image 17preload image 18preload image 19preload image 20preload image 21preload image 22preload image 23preload image 24preload image 25preload image 26preload image 27preload image 28preload image 29preload image 30preload image 31preload image 32preload image 33preload image 34preload image 35preload image 36preload image 37preload image 38preload image 39preload image 40preload image 41preload image 42preload image 43preload image 44preload image 45preload image 46preload image 47preload image 48preload image 49preload image 50preload image 51preload image 52preload image 53preload image 54preload image 55preload image 56preload image 57preload image 58preload image 59preload image 60preload image 61preload image 62preload Themeimage 0preload Themeimage 1preload Themeimage 2preload Themeimage 3preload Themeimage 4preload Themeimage 5preload Themeimage 6preload Themeimage 7preload Themeimage 8preload Themeimage 9preload Themeimage 10preload Themeimage 11preload Themeimage 12preload Themeimage 13preload Themeimage 14preload Themeimage 15preload Themeimage 16preload Themeimage 17preload Themeimage 18preload Themeimage 19preload Themeimage 20preload Themeimage 21preload Themeimage 22preload Themeimage 23preload Themeimage 24preload Themeimage 25preload Themeimage 26preload Themeimage 27preload Themeimage 28
Bitte bestätigen Sie
Nein
Ja
Information
Ok
loginform
Kommentarvorschau
Kommentarvorschau schliessen
Antwort abbrechen
Ihr Kommentar ist eine Antwort auf den folgenden Kommentar

Keine Kommentare




Weitere Bilder
Bilder schließen