FDI legt Whitepaper vor

Karies weltweit wirksam bekämpfen

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Zahnkaries gilt als die weltweit am stärksten verbreitete Erkrankung: 44 Prozent der Weltbevölkerung leiden unter einer unbehandelten Zahnkaries. Der Weltverband der Zahnärzte FDI hat deshalb auf seiner letzten Tagung in Posen (Polen) auch ein gesundheitspolitisches Grundsatzpapier zur weltweiten Kariesprophylaxe verabschiedet. Das sogenannte Whitepaper fordert, die Prävention gegen Karies vehement zu stärken.

„Fast die Hälfte der Weltbevölkerung ist von unbehandelter Zahnkaries betroffen. Dennoch wurden in zahlreichen Ländern noch keine Maßnahmen implementiert, um dieser zunehmenden Krankheitslast entgegenzuwirken“, berichtet Dr. Patrick Hescot, Präsident der FDI. Der Weltverband der Zahnärzte sehe sich daher in der Pflicht, Bevölkerungen durch wirksame Präventionsstrategien vor Schmerzen, Leiden und Zahnverlust zu schützen, die durch Karies verursacht werden.

Das auf dem jährlichen Weltkongress der FDI entwickelte Whitepaper zur „Vorbeugung und Behandlung von Zahnkaries“ fordert, gezielt evidenzbasierte Strategien zu entwerfen, um Zahnkaries vorzubeugen und zu behandeln. Zahnärzte sollten dementsprechend von einem wiederherstellenden Ansatz zu einem Ansatz übergehen, der sich auf die Versorgung mit einer präventiven Zahnmedizin konzentriert.

Von kurativ zu restaurativ – zu präventiv

Zwar habe sich die FDI schon seit Jahren dafür eingesetzt, es möge zu einem Paradigmenwechsel von einer kurativen und restaurativen zu einer präventiven Kariesbehandlung kommen, heißt es in dem Papier – doch im klinischen Alltag würde sich dieser Wechsel teilweise sehr langsam vollziehen. In vielen Ländern der Welt habe sich wenig geändert über die letzten Jahrzehnte, so dass sich der präventive Ansatz (noch) nicht habe durchsetzen können, moniert die FDI.

Ein zeitgemäßes Verständnis der Karies- erkrankung gehe von einem dynamischen Prozess der Mineralisation auf die Zähne aus. Schützende oder schädigende Einflussfaktoren könnten entscheiden, ob es zu einer Karies kommt oder nicht. Hierbei könnten vor allem Fluoride dazu verhelfen, Kariesentwicklungen zu stoppen oder zu verstärken. Ob ein Patient einem geringen, mittleren oder hohen Krankheitsrisiko unterliegt, Karies zu entwickeln, hänge unter anderem von der individuellen Plaquebildung und der persönlichen Mundhygiene ab. Auf jeden Fall gelte es, Karies schon so früh wie möglich zu entdecken, zu diagnostizieren und zu behandeln. Dies schließe den Zeitpunkt ein, in dem noch keine Kavität vorliegt. Maxime müsse es sein, die Zahnstruktur zu erhalten und nur dann zu restaurieren oder extrahieren, wenn es absolut notwendig ist.

In dem Whitepaper wird zudem unterstrichen, dass die weltweite Bekämpfung der Karies nicht nur von den Zahnärzten allein zu bewältigen ist. Deshalb ruft die FDI politische Entscheidungsträger dazu auf, Präventionsstrategien für die Gesamtbevölkerung einzuführen. Dies könne etwa dadurch geschehen, dass der Bevölkerung Fluorid zur Verfügung gestellt wird. Die Fluoridisierung von öffentlichem Wasser sei eine kostenarme aber sehr effiziente Art der Karieserkrankung vorzubeugen. Dennoch sei diese Maßnahme in vielen Ländern der Welt aus infrastrukturellen Gründen nicht umgesetzt. Des Weiteren schlägt die FDI konkret vor, zuckerhaltige Lebensmittel und Getränke mit einer Sondersteuer zu be- legen.

Zwar könne die internationale Zahnärzteschaft mit dem Hinweis auf eine präventive Zahnheilkunde einen Weg zur wirksamen Behandlung von Karies aufzeigen, die hierfür erforderlichen Maßnahmen müssten jedoch vor allem auf der (gesundheits-) politischen Ebene umgesetzt werden. Nur dann könne das Fachpersonal der zahnärztlichen Berufe seinen Patienten die bestmögliche Versorgung bereitstellen. Innerhalb der Zahnmedizin sollten den Patienten daher Hinweise zur richtigen Ernährung gegeben werden und darüber, was sie selbst für ihre Mundgesundheit tun können. Zusätzlich sollten sie bei einer bereits bestehenden Kariesprävalenz zu einer Verhaltensänderung animiert werden. Außerhalb der Zahnmedizin müsse darauf hingewirkt werden, dass das Verständnis, dass jeder für seine Zahngesundheit auch eine Verantwortung trägt, Raum greift. Frühzeitige Aufklärung über Karies in Schulen etwa, so verweist das Papier auf Beispiele in Neuseeland und anderen 50 Staaten, seien hier erfolgsversprechend.

Datenerhebungen forcieren

Ein aktualisiertes Verständnis betreffe auch die Vergütungsordnungen für Zahnärzte in den einzelnen Ländern. Das Papier ruft generell dazu auf, die jeweiligen Vergütungsregelungen, die für die Kariesbehandlung bestehen, zu überdenken. Laut Whitepaper würde ein Wechsel der Honorarsysteme für Zahnärzte in vielen Ländern als zu kompliziert angesehen.

Und schließlich lenkt das Papier den Blick darauf, dass für eine wirksamere Bekämpfung der Karies auch eine verbesserte Datenlage hergestellt werden müsse. Valide regionen- und länderweite Datenerhebungen, die einen besseren Vergleich über Quantität und Qualität des Kariesaufkommens zulassen, müssten ausgebaut werden, um Vorbeugung und Behandlung von Karies besser implementieren zu können.

Angesichts der vielen kariesgeschädigten Patienten verweist Prof. Nigel Pitts, Leiter des dentalen Innovations- und Umsetzungszentrums am King’s College London und Mitautor des Dokuments, in einer Mitteilung zum Whitepaper auf die Mundgesundheit als „grundlegendes Menschenrecht“. Dennoch seien 3,9 Milliarden Menschen weltweit von oralen Erkrankungen betroffen. Dies nur, aus dem einfachen Grund, weil die zur Kontrolle der Krankheitslast erforderlichen Instrumente in vielen Gesundheitssystemen der Welt nicht vorhanden seien, so Pitts.

Mitautor Prof. Domenick Zero, Leiter des Forschungsinstituts für Mundgesundheit an der Indiana University School of Dentistry, bilanziert das Papier so: „Viele Gruppen und Organisationen der Zahnmedizin fordern seit mehr als 20 Jahren einen Übergang zu einer wirksameren Kariesprophylaxe und dem Erhalt einer gesunden Zahnsubstanz. Es ist Zeit, die Diskussionen zu beenden und in die Tat umzusetzen.“

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Zuletzt verweist das Whitepaper auch auf den Zusammenhang zwischen Mund- erkrankungen wie Karies oder Parodontitis hin zu Beeinträchtigungen und möglichen Erkrankungen der allgemeinen Gesundheit wie beispielsweise Diabetes oder koronaren Herzerkrankungen. Daher sollte die orale Gesundheit als wichtiger Teil der Allgemeingesundheit betrachtet werden. Davon ausgehend, komme der Kariesbekämpfung eine übergeordnete gesundheitliche Stellung zu, die dazu verhelfen könne, auch andere Krankheiten zu vermeiden.

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