Volker Looman zur Absicherung privater Schäden

Eine richtige Privathaftpflicht ist nicht teuer!

Der Autor ist freiberuflicher Finanzanalytiker in Stuttgart. Jede Woche veröffentlicht er in der FAZ einen Aufsatz über Geldanlagen. Außerdem unterstützt er Zahnärzte auf Honorarbasis bei der Gestaltung des Privatvermögens. privat

Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. Fahrlässigkeit, Krankheit und Erwerbsunfähigkeit können in Bruchteilen von Sekunden ganze Existenzen vernichten. Folglich kommt es beim Aufbau des Vermögens nicht nur darauf an, Chancen zu erkennen und zu nutzen. Genauso wichtig ist es, Gefahren aus dem Weg zu gehen oder Maßnahmen zu treffen, um gegen die finanzielle Auswirkungen dieser Risiken gewappnet zu sein.

In Paragraf 823 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) steht der Satz, der jeden Mensch in den finanziellen Ruin treiben kann, wenn nicht genügend Geld vorhanden ist: „Wer vorsätzlich oder fahrlässig das Leben, den Körper, die Gesundheit, die Freiheit, das Eigentum oder ein sonstiges Recht eines anderen widerrechtlich verletzt, ist dem anderen zum Ersatz des daraus entstehenden Schadens verpflichtet.“

Ich will an zwei Beispielen erläutern, was das für Sie bedeuten kann. Sie sind ein flotter Zahnarzt, 30 Jahre alt, und zünden am Geburtstag Ihrer bildhübschen Flamme nicht nur 25 Kerzen an, sondern fackeln auch noch die halbe Wohnung ab. Der Schaden beträgt 75.000 Euro. Haben Sie schon so viel Geld auf dem Konto, um diesen Schaden beheben zu können? Sollte das nicht der Fall sein, kann es für Sie ungemütlich werden. Sie müssen zur Bank gehen, mangels Sicherheiten um Geld betteln und, sollte man Ihnen gewogen sein, bei einem Zins von 6 Prozent insgesamt 96 Raten à 984 Euro abdrücken. Das finde ich ätzend!

Sie sind eine umweltbewusste Zahnärztin, 35 Jahre jung und auf dem Rad unterwegs. Allerdings sind Sie heute nicht ganz bei der Sache, weil Sie gerade telefonieren, wer heute die Kinder aus der Tagesstätte abholt. Sie fahren bei Rot über die Kreuzung. Der Fahrer eines Lasters kann Ihnen in letzter Sekunde ausweichen. Allerdings kommt das Fahrzeug ins Schleudern. Es kracht in die nächste Hauswand, und der Fahrer wacht im Krankenhaus mit einer Querschnittslähmung auf. Sie werden verurteilt, dem Opfer eine lebenslange Monatsrente von 3.000 Euro pro Monat zu bezahlen. Werden Sie in der Lage sein, die Zahlungen etwa 40 Jahre lang zu leisten?

Ich sehe Sie, liebe Doktores nebst Nicht-Doktores, heftigst die Köpfe schütteln. Das sei doch das übliche Geschwätz von Vertretern, die Versicherungen verkaufen wollen, alles maßlose Übertreibung, solche Unglücke passierten doch nur alle Jubeljahre und Ihnen schon gar nicht! Ja, da haben Sie (fast) recht. Gott sei Dank, dass solche Unglücke nur selten geschehen. Doch Gott sei in besonderem Maße gedankt, wenn Sie in diesen Lebenslagen eine Privathaftpflicht-Versicherung haben, die Sie jedes Jahr vielleicht 100 Euro kostet.

Ich stehe wirklich nicht im Verdacht, ein Freund von Versicherungen zu sein. Und die meisten Vermittler sind auf mich nicht gut zu sprechen, weil ich Ihnen mit meinen Artikeln das Leben schwer mache. Es gibt jedoch Grenzen. Wer gegen die finanziellen Folgen von Haftpflichtschäden, Krankheit und Erwerbsunfähigkeit nicht gerüstet ist, ist in meinen Augen nicht nur ein guter Zahnmediziner, sondern auch ein veritabler Spieler! Brauchen Sie diesen Kick wirklich?

Die Privat-Haftpflicht-Versicherung gehört in meinen Augen zu den wenigen Versicherungen, die in jedem Haushalt vorhanden sein sollten. Ich bin froh, dass 85 Prozent aller Haushalte das genauso sehen und Vorsorge getroffen haben. Heikel ist in vielen Fällen nur die Ausgestaltung der Verträge. Bei zahlreichen Freiberuflern, auch bei Zahnärzten, ist die private Haftpflichtversicherung eine „billige“ Zugabe zur teuren Berufshaftpflichtversicherung. Das mag auf den ersten Blick eine feine Sache sein, doch im Ernstfall kann sich die „Knauserigkeit“ bitter rächen.

In der beruflichen Haftpflichtversicherung liegt die Deckungssumme in aller Regel bei höchstens fünf Millionen Euro. Diese Grenze gilt auch für die private Haftpflichtversicherung. Ich plädiere bei Personen- und Sachschäden jedoch für Deckungssummen von jeweils 50 Millionen Euro. Bei Vermögensschäden sollte die Deckung wenigstens 10 Millionen Euro betragen. Wollen Sie mal nachsehen, wie das bei Ihnen aussieht?

Bitte haben Sie jetzt nicht den Eindruck, ich sei ein Angsthase und Liebhaber hoher Versicherungssummen. Ich rate bei der Privathaftpflichtversicherung zu hohen Summen, weil geringere kaum Preisvorteile bieten. Die Differenz liegt in der Regel unter 50 Euro pro Jahr! Folglich rate ich Ihnen, für Praxis und Heim getrennte Policen abzuschließen.

Darüber hinaus sollten einige Besonderheiten beachtet werden, weil Versicherungen dazu neigen, im Kleingedruckten viele Risiken auszuschließen. Ich empfehle Ihnen zum Beispiel, den Verlust privater Schlüssel zu versichern, falls Sie (noch) zur Miete wohnen.

Genauso rate ich zum Ausschluss der Deliktunfähigkeit, wenn Sie schon Kinder haben. Bei den Schäden, die kleine Kinder verursacht haben, bezahlen Versicherungen in der Regel nichts, weil das junge Gemüse noch gar nicht „schuldfähig“ ist. Das kann zu handfestem Ärger führen, so dass ich darauf vertraue, dass Sie in Ihrer Police die Deliktunfähigkeit kleiner Kinder ausgeschlossen haben. Bitte machen Sie sich keine Sorgen, dass diese zusätzlichen Vereinbarungen ein Vermögen kosten. Sie bekommen den ganzen Versicherungsschutz für etwa 120 Euro pro Jahr.

• Kolumnen entsprechen nicht immer der Ansicht der Herausgeber.


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