Die erfolgreiche Praxisabgabe

Fall 2: Angestellt in der Ex-Praxis

Rollentausch vom Chef zum Angestellten: Das Beispiel des Oralchirurgen Dr. Michael Nitzschke zeigt, dass das Modell der Anstellung in der vormals eigenen Praxis bei der Abgabe viele Vorteile mit sich bringt - vorausgesetzt, man schafft es, sich zurückzunehmen, um dem Neuen die Führung zu überlassen.

Dr. Michael Nitzschke (rechts) ist gelassen – als Angestellter in seiner ehemaligen Praxis widmet er jetzt seine Zeit uneingeschränkt der Behandlung. © zm-sf

Dr. Michael Nitzschke ließ sich 1991 in Berlins nördlicher Mitte – heute eine 1a-Immobilienlage – als Oralchirurg nieder. Bis er 60 wurde verbrachte er 25 Jahre lang mindestens 40 Stunden pro Woche hier. Dann gab er die Praxis ab. Doch statt „das Altenteil zu genießen“, ließ er sich beim Käufer für 30 Stunden pro Woche anstellen. Der Freitag wird allerdings seinem Namen gerecht: Nitzschke hat frei, macht Sport und gibt seinem Körper so nach jahrzehntelanger einseitiger zahnärztlicher Arbeitshaltung etwas zurück.

Dutzende Bewerber, aber gepasst hat keiner

„Total angenehm“ sei das neue Leben: Banken, Kreditabzahlung und Personalangelegenheiten – alles nicht mehr seine Sorgen. Mit dem Älterwerden hatte sich zuvor der subjektive Druck Jahr für Jahr erhöht. Letztlich, das wusste er, sind für die Gewinnermittlung der Praxis die letzten drei Inhaberjahre relevant. Als er sich erstmals Gedanken um einen Nachfolger machte, war es für Nitzschke schon fünf vor zwölf: Der Verkaufswert drohte bereits zu sinken.

Die Suche nach einem Partner für die neue Konstellation war schließlich viel schwieriger, als er gedacht hatte. Bewerber gab es Dutzende. Gepasst hat keiner. Je nach Bieter sollte aus der Praxis mit dem chirurgisch-implantatprothetischem Profil mal eine Kinderzahnarztpraxis, mal eine KFO-Praxis werden. Oder in Raten abgezahlt werden. Das alles aber wollte Nitzschke nicht. Deshalb wandte er sich an einen Makler, der für ihn den passenden Kandidaten – liquide und mit dem geeigneten Profil – suchte und auch fand.

Ein Jahr dauerte die Übergabe. Während der Substanzwert aufgrund der asymptotischen Abschreibung vielleicht noch 10.000 Euro betrug, lag der Goodwill als eigentlicher Wert der Praxis deutlich höher.

Ideen des Kollegen muss man akzeptieren lernen

Die alten Mitarbeiter wurden übernommen und aus steuerlicher Sicht war es zudem attraktiv, die Praxis zu Beginn eines Jahres zu veräußern. „Eine Mischung aus Alt und Neu“ – so beschreibt der Oralchirug seine alte Praxis jetzt. Wände wurden komplett anders gestellt, Räume umfunktioniert, ein digitaler Workflow installiert. Begonnen wurden die Umbauten allerdings erst vom neuen Besitzer. Für Nitzschke stand nämlich fest: Er verkauft die Praxis unsaniert, damit der Käufer die Möglichkeit hat, „sich frei auszuleben“.

Ein Arbeitsmodell bis 70

Dass er einen Seelenverwandten als Nachfolger finden würde, hielt er ohnehin für illusorisch. „Man sollte die Ideen des Kollegen akzeptieren lernen, sonst hat man es schwer“, rät er.

„Ich lebe freier“, sagt Nitzschke jetzt, wo er den Rollentausch vom Praxischef zum Angestellten vollzogen hat. Seine Patienten müssen nun zwar länger auf einen Termin warten, können dafür aber weiterhin von ihm behandelt werden. Und das war ihm wichtig. Denn so übergibt er sukzessive nicht nur seine Praxis an seinen Nachfolger, sondern auch seine Patienten.

Bis zum 70. Lebensjahr kann er sich dieses Arbeitsmodell gut vorstellen. Jetzt, wo er nicht mehr der Controller ist, sondern ganz Zahnarzt aus Leidenschaft.


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