Nach dem Brexit: Dürfen Zahnärzte aus der EU in England noch praktizieren?

„Eventuell brauchen sie künftig eine Arbeitserlaubnis!“

Was passiert nach dem Brexit mit der zahnärztlichen Versorgung in Großbritannien? Gibt es noch genügend Personal? Dürfen Zahnärzte aus der EU dort überhaupt noch praktizieren? Wie ernst die Lage ist, schildert der Vorstandsvorsitzende der British Dental Association (BDA), Mick Armstrong.

Mick Armstrong ist seit März 2013 Vorsitzender des Vorstands der British Dental Association (BDA). Dem Vorstand gehört er seit Juni 2012 an. Er graduierte 1985 in Newcastle und war sein ganzes Berufsleben lang als praktischer Zahnarzt tätig. Seit 17 Jahren ist er Partner bei Armstrong Haire Ltd in Castleford, West Yorkshire, einer Praxis, die überwiegend Patienten des National Health Service (NHS) behandelt. © BDA

Welche Folgen hat Ihrer Meinung nach der Brexit für den NHS und das britische Gesundheitswesen?
Mick Armstrong:
Eines der Hauptthemen ist natürlich die künftige Verfügbarkeit von Personal im Gesundheitswesen. Bei den meisten Gesundheitsberufen – Ärzten, Zahnärzten, Krankenschwestern, aber auch bei anderen – ist der prozentuale Anteil von EU-Bürgern gemessen an der Gesamtzahl hoch. Der Status der EU-Bürger nach dem Brexit (ab März 2019) ist weiterhin nicht klar. Es handelt sich um einen der wichtigsten Punkte im Rahmen der Verhandlungen, die ja nun begonnen haben. Erste Aussagen unserer Premierministerin Theresa May liegen ja bereits vor.

Die in Großbritannien tätigen EU-Zahnärzte sind, wie die einheimischen auch, beim General Dental Council (GDC) registriert. Wir haben keinen Grund, anzunehmen, dass sich deren Status ändern wird, solange sie die erforderlichen Bedingungen für die Registrierung erfüllen. Was sich aber theoretisch ändern könnte, ist ihr Recht, hier zu arbeiten, also zum Beispiel, ob sie in Zukunft bei uns eine Arbeitsgenehmigung brauchen. Genaueres hängt von den künftigen Verhandlungen mit der EU ab.

Es gibt auch weitere Bereiche, die man im Hinterkopf behalten sollte: etwa die Verfügbarkeit von Arzneimitteln und Medizinprodukten, der Zugang zu bestimmten medizinischen Therapien, Fragen des Datenschutzes, die Umsetzung der Kosmetikverordnung zur Regulierung von Bleaching, die Europäische Krankenversicherungskarte – um nur ein paar Beispiele zu nennen. Nichts davon ist im Moment richtig klar. Wir und andere Organisationen haben unsere Belange beim britischen Parlament eingereicht, so dass sich die Politik der Auswirkungen bewusst ist, die das Gesundheitssystem betreffen.

Und wie geht es mit der zahnärztlichen Versorgung im NHS weiter?
Wie eben schon gesagt, wenn sich der Status von Zahnärzten und zahnärztlichem Praxispersonal aus der EU im Hinblick auf die Arbeitserlaubnis ändert, dann wird das wahrscheinlich Auswirkungen auf die Verfügbarkeit dieser Fachkräfte für die Versorgung und für die Berufsausübung in der Praxis wie im Klinikalltag insgesamt haben.

Im NHS haben wir schon lange ein Problem mit finanzieller Unterversorgung, die Zahnärzte im NHS-System haben im vergangenen Jahrzehnt einen realen Einkommensverlust von 35 Prozent erlebt. Neben den Generalisten haben wir auch zahnmedizinische Spezialisten aus der EU, die sowohl in Krankenhäusern als auch in Praxen arbeiten. Für sie hängt von den Brexit-Verhandlungen viel ab.

Unsere Regierung hat gesagt, dass sie die allgemeine Freizügigkeit von Unionsbürgern abschaffen möchte. Das könnte bedeuten, dass es für EU-Zahnärzte schwieriger wird, ihre Qualifikation hier anerkannt zu bekommen. Weniger Zahnärzte bedeutet jedoch weniger Versorgung, und in einigen Gegenden des Landes haben wir schon länger Probleme mit dem Anwerben von Zahnärzten, in anderen Gegenden dagegen herrscht ein Überschuss. Wir haben ein Stadt-Land-Gefälle.

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