Volker Looman über die teure Ausbildung der lieben Kleinen

Erst das Haus, dann die Kinder!

Die heutige Preisfrage lautet: Wie sieht die optimale Finanzierung der Ausbildung der Kinder aus? Eigenen sich die Tochter oder der Sohn überhaupt für die Hochschule?

Der Autor ist freiberuflicher Finanzanalytiker in Stuttgart. Jede Woche veröffentlicht er in der FAZ einen Aufsatz über Geldanlagen. Außerdem unterstützt er Zahnärzte auf Honorarbasis bei der Gestaltung des Privatvermögens. www.looman.de

Die Frage ist nicht einfach zu beantworten, weil viele Wege nach Rom führen. Ich habe die Frage zur Sicherheit meiner Freundin aus dem Holsteinischen vorgelegt. Die Dame ist als Physikerin, Mutter und Professorin an der Universität in Stuttgart und im besten Sinne des Wortes eine Frau vom Fach, so dass ich Ihnen ihren Kommentar nicht vorenthalten möchte. Sie steht beinhart zu ihrer Meinung, dass die optimale Finanzierung des Studiums mit der nüchternen Analyse beginnt, ob der Sohn oder die Tochter überhaupt das intellektuelle Rüstzeug für die Hochschule mitbringen. Sonst sei die ganze Investition, die in die Zehntausende gehe, ja für die Katz.

In meinen Augen hat die Dame völlig Recht. Es ist heikel, dass immer mehr Studienanfänger, die sich in Fächer wie Maschinenbau oder Physik eingeschrieben haben, mittels Nachhilfeunterricht in Mathematik erst einmal auf Hochschulniveau gehievt werden müssen. Genauso kenne ich genügend Jura-Professoren, die darüber klagen, dass viele Studenten mit Orthografie und Interpunktion auf Kriegsfuß stehen. Bei diesen Begabungen beziehungsweise Defiziten stellt sich, wenn ich meine Freundin richtig verstanden habe, weniger die Frage nach der optimalen Finanzierung des Studiums, sondern eher die Frage nach artgerechten Alternativen – wenn ich das so verschwurbelt ausdrücken darf. 

Nun will ich den Teufel nicht an die Wand malen. Es gibt – Gott sei Dank – noch genügend Kinder, bei denen durchaus die Hoffnung besteht, dass aus ihnen tüchtige Akademiker werden. Und für sie lohnt es sich natürlich, tief in die Tasche zu greifen. Die Berechnung des notwendigen Betrags ist ein Klacks: Zuerst ist zu klären, wie lange das Studium dauert, und dann ist die Frage zu prüfen, wie spendabel Sie sind. Darf ich meine Überlegungen an zwei Beispielen konkretisieren?

Ingenieure brauchen in der Regel zwölf Semester, bis sie ihren Master in der Tasche haben. Sechs Jahre sind 72 Monate, und falls Sie bereit sind, die Bemühungen des Sohnes mit 750 Euro pro Monat zu honorieren, kostet das Studium rund 54.000 Euro. Bei Medizinern dauert die Ausbildung etwas länger. Hier sind 14 bis 16 Semester die Regel, und wenn die Tochter mit 1.000 Euro pro Monat unterstützt wird, kommen 84.000 bis 96.000 Euro zusammen.

Bei diesen Summen ist es kein Wunder, dass sich viele Eltern fragen, wie sie das bezahlen sollen. Die einen neigen dazu, gleich nach der Geburt des Kindes irgendeinen Sparvertrag abzuschließen, und die anderen vertrauen darauf, die Geschichte zu gegebener Zeit „aus der Portokasse“ bezahlen zu können. Ich neige aus praktischen Erwägungen zur zweiten Lösung. Erstens bedeutet die Geburt eines Kindes noch lange nicht, dass dieser Spross eines Tages auch studieren wird, und zweitens sind viele Eltern vor dem Studium ihrer Kinder damit beschäftigt, die auf dem Eigenheim lastenden Schulden zu tilgen. Beides parallel erscheint mir ein bisschen viel auf einmal, so dass ich es mit meinen friesischen Vorfahren halte: Bloß nich in‘ Tüdel geraten, immer schön eines nach dem anderen!

Volker Looman zur Finanzierung des Eigenheims

Die Finanzierung von Eigenheimen ist in meinen Augen eine triviale Angelegenheit. Eigentlich.

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Wenn Ihnen diese Anordnung gefällt, dürfen Sie sich (finanziell) aber nicht aufs Ohr legen. Die Schulden sollten vor dem Beginn des Studiums der Kinder vom Tisch sein. Sonst kann es finanziell eng werden. Falls das älteste Kind fünf Jahre alt ist, haben Sie noch 15 Jahre für die Rückzahlung der Kredite, wenn das älteste Kind schon acht Jahre alt ist, müssen Sie eben ein bisschen Gas geben, weil die Verbindlichkeiten in zwölf Jahren getilgt sein sollten.

Ich lehne „Ausbildungsverträge“ wie Kapitalversicherungen ab, weil deren Renditen in der Regel unter den Kosten der Kredite liegen. Folglich halte ich es mit dem schlichten Spruch: erst das Haus, dann die Kinder. Es gibt aber keine Regel ohne Ausnahme. Wenn Sie zu den Liebhabern von Aktien gehören, dann kann sich das „lange“ Aktiensparen auszahlen. Bei einer Laufzeit von 15 Jahren und einer Verzinsung von 6 Prozent pro Jahr sind monatlich 344 Euro nötig, um auf 100.000 Euro zu kommen. Wer mit nur 4 Prozent pro Jahr rechnet, muss die Sparleistungen auf 406 Euro erhöhen, um nach 15 Jahren auf denselben Endbetrag zu kommen.

An den beiden Vorschlägen mögen Sie erkennen, dass es keinen „Königsweg“ gibt, wie Sie das Studium der Kinder bezahlen. Die Entscheidung wird von Ihrer persönlichen Risikoneigung abhängen. Wer ruhig schlafen will, wird die Bezahlung aus dem laufenden Einkommen wählen, und wer den Nervenkitzel liebt, wird auf die Börse setzen. In beiden Fällen rate ich jedoch von der Finanzierung von akademischen „Selbstfindungskursen“ und „Dauerstudien“ ab. Stattdessen empfehle ich, mit den Kindern klare Absprachen zu treffen, wie lange Sie bezahlen werden. Die eleganteste Art, um Kindern bewusst zu machen, dass Studieren auch Geld kostet, ist ein fiktives Depot. Darauf wird zu Beginn des Studiums der notwendige Betrag einbezahlt, und mit dem monatlichen Wechsel erhält der Student einen Auszug mit der neuen Wasserstandsmeldung. Das sorgt für ein Höchstmaß an Transparenz, und wenn das Depot vor Ende des Studiums leer ist, dann ist es eben leer!

Kolumnen entsprechen nicht immer der Ansicht der Herausgeber.

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