Zahnärztin erhält Posterpreis auf dem Deutschen Ärztinnenkongress

Wie geschlechtersensibel sind wissenschaftliche Arbeiten?

Auf dem 35. Kongress des Deutschen Ärztinnenbundes wurde der einzige Posterpreis an eine Zahnärztin verliehen - für ein neues Bewertungssystem zur Bestimmung der Geschlechtersensibilität von wissenschaftlichen Publikationen.

Im Rahmen des Kongresses beteiligten sich Zahnärztin Ulrike Uhlmann aus Leipzig, Mitglied des Gender Dentistry International e.V. (GDI), und Sarah Hiltner von der Charité in Berlin mit einem gemeinsamen Projekt an der Posterausstellung zum Motto "... biologische und/oder soziokulturelle Unterschiede zwischen den Geschlechtern mit Relevanz zur Prävention, Diagnostik und/oder medizinischen Versorgung in Klinik oder Praxis".

Das vorgestellte Poster von Uhlmann und Hiltner mit dem Thema „Gender Sensitivity in Scientific Publications Index (GSSPI) – Ein neues Bewertungssystem zur Bestimmung der Geschlechtersensibilität von wissenschaftlichen Publikationen“ fand große Resonanz unter den Teilnehmern und wurde schließlich mit dem einzigen Posterpreis, dotiert mit 500 Euro, ausgezeichnet.

Das preisgekrönte Projekt ist die Fortführung einer Untersuchung, die bereits vor zwei Jahren mit dem Posterpreis der International Society of Gender Medicine ausgezeichnet worden war. Uhlmann hatte damals ein Bewertungssystem vorgestellt, das mit einer Zahl erfasst, inwieweit eine Publikation das Geschlecht dezidiert als Forschungskategorie berücksichtigt. In dem jetzt vorgestellten Projekt testete sie den Index zunächst an 310 zahnmedizinischen Veröffentlichungen (Bereich nicht-kariöse Zahnhalsdefekte). Hiltner evaluierte mithilfe des Index 100 internistische Publikationen aus den Bereichen Kardiologie und Endokrinologie.

Nur 31 Prozent der zahnmedizinischen Forschungsarbeiten sind geschlechtsspezifisch

Das Ergebnis: Es zeigten sich deutliche Unterschiede zwischen den Disziplinen und ein großer Nachholbedarf für die Zahnmedizin: Nur 31 Prozent der zahnärztlichen Forschungsarbeiten enthielten wenigstens Grundinformationen über geschlechtsspezifische Aspekte, es gab erhebliche Mängel im Forschungsdesign und bei der Datenanalyse. Dagegen erreichten über 77 Prozent der Veröffentlichungen aus der Gendermedizin-Datenbank – insofern handelte es sich bei den medizinischen Forschungsarbeiten um eine Positivauswahl – das Level „hoch geschlechtersensibel“. Auffällig war, dass die Begriffe „sex“ und „gender“ in beiden Disziplinen unsystematisch verwendet wurden: Zum Beispiel wurden rein biologische Aspekte (sex) häufiger mit „gender“ bezeichnet.

„Die geschlechtsspezifische Medizin hat ungefähr zwei Jahrzehnte Vorsprung, das schlägt sich in der Publikationspraxis nieder“, so PD Dr. Dr. Christiane Gleissner, GDI-Präsidentin und Betreuerin des Forschungsprojekts von GDI und Charité. „Ich bin aber zuversichtlich, dass wir sehr schnell die existierenden Lücken schließen können. Mit dem Bewertungssystem verfügen wir über ein Instrument, das uns bei der Aufarbeitung der Literatur gute Dienste leisten und gleichzeitig als Feedback-System für Autoren und Autorinnen eingesetzt werden kann.“

Gleissner plädiert für mehr Gender-Sensibilität in der Forschung: "Ein validierter Index, wie wir ihn hier vorgestellt und getestet haben, ist die Grundlage dafür, dass die Praxen zuverlässige Daten erhalten, in welchen Bereichen sie geschlechterspezifische Faktoren berücksichtigen müssen und wo vermutlich nicht.“

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