Volker Looman über eine sinnhafte Vermögensstruktur

Bargeld und Sorgen sind miserable Anlagen

Volker Looman

Der Autor ist freiberuflicher Finanzanalytiker in Stuttgart. Jede Woche veröffentlicht er in der FAZ einen Aufsatz über Geldanlagen. Außerdem unterstützt er Zahnärzte auf Honorarbasis bei der Gestaltung des Privatvermögens. www.looman.de

Der Autor ist freiberuflicher Finanzanalytiker in Stuttgart. Jede Woche veröffentlicht er in der FAZ einen Aufsatz über Geldanlagen. Außerdem unterstützt er Zahnärzte auf Honorarbasis bei der Gestaltung des Privatvermögens. www.looman.de

In meinen Augen sind Sie viel reicher als Sie denken. Bevor Sie mir jetzt die Freundschaft kündigen, sollten wir die These überprüfen und Ihr gesamtes Vermögen bilanzieren. Fangen wir mit dem Bargeld an! Bitte zählen Sie zusammen, was auf Ihren diversen Girokonten und in Ihren verschiedenen Geldmarktfonds herumliegt: 400.000 Euro? Dann sind die Kurswerte der Anleihen und die Rückkaufwerte der Kapitalversicherungen an der Reihe: 300.000 Euro? Bitte vergessen Sie ja nicht die Barwerte der Rentenansprüche, weil beispielsweise 500.000 Euro eine halbe Million sind, die nicht einfach unter den Teppich gekehrt werden darf. Die Immobilien mögen 1.000.000 Euro wert sein? Die Marktwerte aller Aktien liegen bei 200.000 Euro? Das Gold könnte zurzeit vielleicht für 100.000 Euro versilbert werden, und die Schulden sind vom Tisch?

Sollten das Ihre persönlichen Zahlen sein, dann sind das 2.500.000 Euro. Bitte zählen Sie, bevor Sie vor lauter Schreck zur Flasche greifen, lieber noch einmal in Ruhe nach, ob alles in Ordnung ist, doch die Summen müssten stimmen. 

Wenn das Ihre Werte sind, dann sind Sie zweieinhalbfacher Millionär. Und wenn Sie nur die Hälfte dieser Summe besitzen, müssen Sie sich nicht vor Scham in den Keller bemühen. Sie sind immer noch einfacher Millionär und sollten jetzt um Himmels willen nicht anfangen, sich für diesen Reichtum zu rechtfertigen. Sie sind keinem Menschen eine Erklärung schuldig. Ich möchte Ihnen, solange das Jahr jung ist, eher den Vorschlag machen, zur Abwechslung einfach mal nichts zu sagen und sich nur über Ihren finanziellen Wohlstand zu freuen. Meinen Sie, dass das geht, einfach so, ohne Widerrede?

Ich habe den Verdacht, dass neun von zehn Zahnärzten – in Zahlen also 90 Prozent – nicht in der Lage sind, sich pro Jahr wenigstens eine Stunde über ihren Wohlstand zu freuen. Irgendwann kommt in diesen 60 Minuten die Angst auf, das Geld ganz oder teilweise zu verlieren, irgendwann wird in dieser „Mußestunde“ die Frage auftauchen, was aus dem Vermögen in Zukunft werden wird. Bestimmt wissen Sie, dass Ihnen diese Frage kein Mensch dieser Welt beantworten kann, doch können Sie – Hand aufs Herz – diese Ohnmacht auch ertragen?

Bitte erwarten Sie von mir keine Prognosen für 2018. Ich kann Ihnen nicht sagen, wann wir wieder eine Regierung haben werden. Mir ist nicht bekannt, wie sich die Renditen festverzinslicher Anleihen entwickeln werden. Ich habe keine Ahnung, wie viel eine 100 Quadratmeter große Eigentumswohnung am 1. Mai 2018 in Kleingießhübel kosten wird. Ich sehe kein Land, wo der DAX am 11. November 2018 stehen wird. Und überhaupt: diese Ausländer, diese Geldschwemme, diese Inflation, diese Politiker, und weit und breit keine Zinsen! 

Das ist alles nur schwer zu ertragen, und weil das so schwierig ist, kann ich Ihnen nur raten: Schalten Sie den Fernseher aus, drehen Sie das Radio ab, und lassen Sie das Smartphone in der Schublade. Es reicht völlig aus, ab und zu in die Zeitung zu schauen. Ihnen wird nichts entgehen, das Leben macht, was es will, und Sie dürfen diesem Leben eine Weile zusehen, mehr aber auch nicht.

Ich bin kein Fatalist, und auch ich kann mich nicht dagegen wehren, mir Gedanken über die Zukunft zu machen, doch das geht an die Nieren. Die letzten Nerven, das gebe ich Ihnen schriftlich, kosten die Bänkelsänger, die in diesen Tagen wieder mit Harfen und Schalmeien durch die Lande ziehen und Ihnen schaurige Moritaten vortragen, hinter welchem Berg in diesem Jahr die bösen Buben lauern. Vergessen Sie den ganzen Unfug! In meinen Augen ist es besser, eine gewisse Vorsorge für das Geld zu treffen und ansonsten das Vermögen „laufen“ zu lassen.

Grundlage der Strukturierung ist das Vermögen (2.500.000 Euro). Die Aufteilung ist das Ergebnis individueller Vorlieben und kann bei mäßiger Risikoneigung beispielsweise 5, 20, 40, 30 und 5 Prozent lauten. Dann müssen 125.000 Euro auf Bargeld, 500.000 Euro auf Anleihen, 1.000.000 Euro auf Immobilien, 750.000 Euro auf Aktien und 125.000 Euro auf Rohstoffe entfallen. Die Folgen lassen sich an den Fingern einer Hand abzählen. Der Kassenstand muss um 275.000 Euro sinken. Die Anleihen und Kapitalversicherungen sind um 300.000 Euro zu senken. Die Rentenansprüche sind „gesetzte“ Anlagen, weil Sie das Kapital nicht umschichten können. Die Immobilien bleiben bestehen. Die Aktien sind um 550.000 Euro aufzustocken. Die Rohstoffe müssen um 25.000 Euro erhöht werden. Das ist einfach, logisch und nachvollziehbar. Oder sind Sie doch anderer Meinung?

Vorsicht, überlegen Sie genau, was Sie jetzt sagen, weil jede Aussage gegen Sie verwendet werden kann. Sind Sie tatsächlich bereit, sich von Bargeld und Anleihen zu trennen und 575.000 Euro in Aktien und Gold zu investieren? Oder geht jetzt wieder die alte Leier los, es sei finanzieller Selbstmord, so viel Geld an der Börse anzulegen? Ich bin mir sicher, dass die meisten von Ihnen wunderbare Argumente zur Hand haben, warum der schöne Plan in diesen Tagen nicht umsetzbar ist. Wenn das so ist, dann ist es eben so. Ich kann und will Sie nicht ändern. 

Halt, das stimmt nicht ganz. Ich würde mich freuen, wenn Sie zuversichtlich in dieses Jahr blicken, auch bei der Anlage des Geldes. Es geht uns trotz fehlender Zinsen dermaßen gut, dass zur Klage kein Anlass besteht.

Kolumnen entsprechen nicht immer der Ansicht der Herausgeber.

Der Autor ist freiberuflicher Finanzanalytiker in Stuttgart. Jede Woche veröffentlicht er in der FAZ einen Aufsatz über Geldanlagen. Außerdem unterstützt er Zahnärzte auf Honorarbasis bei der Gestaltung des Privatvermögens.

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