Regina Först zur Frage „Wie finde ich das richtige Praxis-Outfit für mein Team?“

„Ihr Polohemd entscheidet, wie kompetent Sie wirken!“

Hellblaue Polohemden – praktisch im Arbeitsalltag, einfach zu waschen, schnell geordert. Theoretisch. In der Praxis gibt es mindestens eine Mitarbeiterin im Team die im himmelblauen Outfit keine gute Figur macht. Laut Unternehmensberaterin Regina Först hat dies ernste Konsequenzen.

M. Goldenbaum

Frau Först, warum ist die Wahl der ‚richtigen‘ Berufsbekleidung so wichtig? Kommt es in einer Zahnarztpraxis nicht vielmehr auf die Kompetenz der Mitarbeiter an?

Regina Först: Lassen Sie mich zunächst eine Gegenfrage stellen: Wie wollen Sie Gesundheit, Wohlbefinden und Ästhetik verkaufen, wenn Ihre Praxismitarbeiterin aufgrund des falschen Polohemd-Farbtons etwas kränklich aussieht?

Natürlich ist die Kompetenz der Mitarbeiter entscheidend! Aber: Wir alle wissen doch, wie es läuft: Der erste Eindruck zählt. Und dafür haben wir gerade einmal 90 bis 150 Millisekunden Zeit, also genauso lange wie für einen Augenaufschlag. In dieser Zeit kann ich meinem Gegenüber nicht beweisen, wie kompetent ich bin, aber – und das ist ausschlaggebend – ich kann ihm dies vermitteln! 

Entscheidend ist dabei in erster Linie allerdings nicht die Kleidung, sondern meine innere Haltung. Wenn ich mit den Nerven fix und fertig bin, kann ich keine gute Ausstrahlung haben. Das ist einfach so. Wenn ich aber ein starkes Selbstvertrauen, ein gutes Selbstbewusstsein, eine große Selbstverantwortung, sprich eine gute innere Haltung habe, dann habe ich genau die – ich nenne es – ‚gewinnende Ausstrahlung‘, mit der ich vom allerersten Eindruck an überzeugen kann.

Inwiefern kann dabei meine Kleidung diese ‚gewinnende Ausstrahlung‘ fördern?

Ein einfaches Beispiel: Wenn die Schulternaht meines T-Shirts direkt auf der Schulter anliegt, dann wirke ich motivierend. Wenn die Schulternaht jedoch neben der Schulter anliegt, wirke ich demotivierend – selbst wenn ich gar nicht demotiviert bin. Trotzdem wirke ich so! Und zwar weil die Schulter optisch kippt und wirkt wie runtergezogene Mundwinkel.

Genauso ist es bei den Farben, etwa beim Weiß-Ton. Es gibt Kalkweiß-Töne, die wirklich kaum einem Menschen stehen, und es gibt gebrochene Weiß-Töne, die fast jeder tragen kann. Das ist keine Magie, sondern das Harmoniegesetz der Farben. 

Sie kommen ursprünglich aus der Modebranche. Könnte es sein, dass nur Sie als Profi solche Details wahrnehmen?

Vielleicht kann ich die Fehler besser benennen, sehen können wir sie aber alle (lacht). Ein kurzer Exkurs: Alle Menschen tragen in sich ein unbewusstes Bedürfnis nach Harmonie. Und es gibt stimmige Farbwelten und stimmige Proportionen, die einer Gesetzmäßigkeit folgen. Wenn ich eine Person sehe, die diesen Gesetzmäßigkeiten folgt, die also eine stimmige Kleidersprache hat zu ihrem Körper und die eine stimmige Farbsprache hat zu ihren eigenen Farben, dann ist mein erster Eindruck von dieser Person rundum positiv, weil mein Bedürfnis nach Harmonie unbewusst befriedigt ist. 

Wenn ich jedoch jemanden sehe, der völlig unstimmig angezogen ist, also Farben trägt, die ihm überhaupt nicht stehen, die nicht zusammenpassen, dann habe ich sofort das Gefühl ‚Irgendetwas stimmt hier nicht‘. Und das sehe nicht nur ich als Profi. Diese Gefühle kennt jeder Mensch. Wenn Sie im Restaurant sitzen und auf ein schiefes Bild an der Wand schauen, spüren Sie doch auch den Impuls, es gerade hängen zu wollen? 

Wie findet der Praxisinhaber denn die richtige Berufskleidung für das Team? Oder anders: Gibt es dann überhaupt die richtige Kleidung, die auf ein ganzes Team passt?

Ich plädiere bei Berufskleidung immer für Gleichheit, aber nicht für eine Uniform. Ein gutes Beispiel sind Westen. Sie bieten Gleichheit, weil jede Mitarbeiterin eine Weste trägt und damit für den Patienten sichtbar und erkennbar ist. Dennoch lassen sie viel Raum für Individualität. So kann die Mitarbeiterin, die wahnsinnig stolz auf Ihre Wespentaille ist, gerne die ganz schmal und kurz geschnittene Weste tragen. Andere Kolleginnen, die vielleicht lieber ihren Po bedecken wollen, tragen stattdessen eine längere Weste. Denn nur wer sich in seiner Kleidung wohlfühlt, kann auch eine gute Ausstrahlung haben.

Ich finde, dass die Wahl der Kleidung daher grundsätzlich im Team diskutiert werden sollte und dass – soweit wie möglich – die Individualität des Einzelnen berücksichtigt werden sollte. 

Wie sieht es mit Piercings, Schmuck und Tätowierungen aus? 

Generell finde ich, dass eine Tätowierung, die am Oberarm unter dem Poloshirt hervorlugt, überhaupt kein Problem darstellt. Piercings und übermäßiger Schmuck dürfen aus Hygienegründen meist sowieso nicht getragen werden. 

Aber egal, wie viel Freiraum für Individualität Sie als Behandler Ihren Mitarbeitern geben wollen, wichtig ist, dass Sie eine klare Ansage machen und sachlich argumentieren. Reine Verbote auszusprechen ist nie klug. Machen Sie Ihren Mitarbeitern stattdessen klar, dass sie Ihre Praxis repräsentieren und deshalb auch ein entsprechendes Bild vermitteln sollen. Ich sage immer ‚Der Bote ist die Botschaft‘ und ‚hingeguckt ist weggehört‘. Damit meine ich, dass ein extravaganter Mitarbeiter durch große Tätowierungen, Piercings im Gesicht oder viel Schmuck auch viel Ablenkung bietet – in einem Aufklärungsgespräch mit dem Patienten ist dies wohl nicht von Vorteil. Denn je mehr Ablenkung ich biete, also je mehr es zu gucken gibt, desto weniger kann mein Gegenüber zuhören und desto mehr lenke ich ab von den fachlichen Inhalten. 

Aber – das muss ich auch zugeben – die Frage, wie viel Individualität ich in meiner Praxis zulassen kann, hängt auch von meiner Zielgruppe ab. Wenn ich als Zahnarzt in der Innenstadt von Frankfurt inmitten von Start-up-Unternehmen und hippen Leuten niedergelassen bin, passen extravagante Mitarbeiter wohl eher zu meiner Zielgruppe als auf dem platten Land in Brandenburg.

Tragelust statt Tragefrust

Die Karriere von Unternehmensberaterin Regina Först begann in der Modebranche – als Verkaufsleiterin und Personalchefin international agierender Unternehmen wie „Hennes & Mauritz“ und „New Yorker“. Noch heute ist die studierte Textil-Betriebswirtin in Sachen Mode unterwegs und plädiert für eine bewusst gewählte Berufskleidung, die in Stil, Farbe und Schnitt genau zum einzelnen Mitarbeiter passt.

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