PKV-Verband legt Regionalatlas für Bayern vor

Privatversicherte stärken die medizinische Versorgung auf dem Land

Privatpatienten sind nicht für Versorgungsmängel auf dem Land verantwortlich. Sie tragen gerade auch in ländlichen Regionen überproportional zum Einkommen der Ärzte und damit zum Fortbestand von Arztpraxen bei. Das belegt laut PKV-Verband der neue PKV-Regionalatlas Bayern.

Dem Regionalatlas zufolge beträgt der Mehrumsatz bundesweit 12,9 Milliarden Euro pro Jahr (Ende 2017), auf Bayern entfallen 2,2 Milliarden Euro. Diese Summe – "anders als oft vermutet" – kommt vor allem den Ärzten auf dem Land zugute. Adobe Stock_Gina Sanders

„Die Regionaldaten widerlegen die These, dass sich Ärzte angeblich seltener in ländlichen Regionen niederlassen, weil es dort weniger Privatversicherte gibt“, erklärte Florian Reuther, Direktor des Verbands der Privaten Krankenversicherung (PKV). 

Der PKV-Regionalatlas Bayern

Der Regionalatlas, der bisher für Bayern vorliegt, aber vom PKV-Verband auch für weitere Bundesländer geplant ist, schlüsselt zusätzliche Einnahmen der Arztpraxen durch den Anteil der Privatversicherten nach Städten und Landkreisen auf. Diese Mehrumsätze entstehen, weil Privatpatienten für viele Leistungen höhere Honorare entrichten als sie bei Kassenpatienten anfallen. Die so erzielten zusätzlichen Mittel können Ärzte, Apotheken, Therapeuten und Krankenhäuser laut Aussagen des Atlas in Fachpersonal oder moderne Geräte investieren. Davon profitieren der Untersuchung zufolge auch ihre gesetzlich versicherten Patienten.

Dem Regionalatlas zufolge beträgt der Mehrumsatz bundesweit 12,9 Milliarden Euro pro Jahr (Ende 2017), auf Bayern entfallen 2,2 Milliarden Euro. Diese Summe komme - "anders als oft vermutet" - vor allem den Ärzten auf dem Land zugute. Weil Privatpatienten auf dem Land im Durchschnitt älter und in den Ballungszentren Mieten, Gehälter und andere Kosten höher seien, sei der Mehrumsatz auf dem Land besonders wertvoll: "Landärzte in Bayern profitieren von Mehrumsätzen im Realwert von durchschnittlich 65.000 Euro pro Jahr, in den Praxen der Metropolen sind es 53.000 Euro." 

Einige ausgewählte Ergebnisse aus dem Regionalatlas Bayern:

  • Bayern hat mit einem PKV-Marktanteil von 12,7 Prozent vergleichsweise überdurchschnittlich viele Privatpatienten (Gesamt-Deutschland: 10,6 Prozent).
  • Von den Mehrumsätzen durch privat versicherte Patienten – bei rechnerischem Bezug auf den PKV-Marktanteil – verbleiben in Bayern jährlich 2,20 Milliarden Euro. Je Einwohner entspricht das 170 Euro (Gesamt-Deutschland: 142 Euro).
  • Von den in Bayern verbleibenden Mehrumsätzen entfallen 1,18 Milliarden Euro auf die ambulante ärztliche Versorgung. Je ambulant niedergelassenen Arzt entspricht das rechnerisch rund 57.300 Euro jährlich (Gesamt-Deutschland: circa 51.200 Euro).
  • Mit Bezug auf die regionalen PKV-Marktanteile gibt es in Bayern in den strukturell schwächeren Kreisen und kreisfreien Städten einen in den Regionen verbleibenden „Sockel-Mehrumsatz“, der einen jährlichen Betrag von 5,6 Millionen Euro beziehungsweise 105 Euro je Einwohner (Stadt Schweinfurt) nicht unterschreitet. Je Einwohner lässt sich damit in Bayern zwischen den Kreisen und den kreisfreien Städten eine in den Regionen verbleibende „Mehrumsatzspanne“ von 105 bis 329 Euro messen. Der Durchschnitt liegt in Bayern bei 170 Euro je Einwohner.
  • Alte Menschen gehen in der Regel häufiger zum Arzt. Und das Preis- und Kostenniveau in der Stadt ist höher als auf dem Land. Beides muss einbezogen werden, um die Bedeutung der Privatversicherten für die Versorgung auf dem Land richtig zu bewerten. Die Untersuchung folgt deshalb dem Ansatz einer Realwert-Analyse altersadjustierter Mehrumsätze.
  • Die Realwerte der in den Regionen verbleibenden altersadjustierten Mehrumsätze unterscheiden sich demnach deutlich von den Nominalgrößen. In städtischen Regionen liegen die realen Werte der Mehrumsätze in der Regel unterhalb der Nominalwerte. So sind zum Beispiel die in München verbleibenden Nominal-Mehrumsätze in der ambulanten ärztlichen Versorgung in Höhe von 181,7 Millionen Euro (= 51.043 Euro je niedergelassenen Arzt) bei Berücksichtigung der regionalen Alters- und ärztlichen Kostenstrukturen real lediglich 134,7 Millionen Euro (= 37.851 Euro je niedergelassenen Arzt) wert.
  • In ländlichen Regionen zeigt sich ein umgekehrtes Bild. Die Realwerte der von PKV-Versicherten ausgelösten altersadjustierten Mehrumsätze liegen über denen in der Nominalwertanalyse. So sind zum Beispiel die im Landkreis Regen (Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge) je ambulant niedergelassenen Arzt regional verbleibenden Nominal-Mehrumsätze in Höhe von 60.794 Euro (46.032 Euro) real 77.344 Euro (67.656 Euro) wert. Beide Landkreise stehen damit als ländliche Region im bayerischen Realwert-Vergleich gut da.
  • Mit dem Konzept der Raumordnungsregionen lassen sich laut der Untersuchung „Stadt-Umland-Verzerrungen“ weitestgehend vermeiden. Deshalb ergibt sich ein differenzierteres Bild: Privatversicherte lösen sowohl in ländlichen Raumordnungsregionen als auch in städtischen Ballungszentren je niedergelassenen Arzt durchschnittliche nominale Mehrumsätze in Höhe von 55.000 bis 58.000 Euro jährlich aus. Zwischen städtischen und ländlichen Regionen lassen sich keine signifikanten Unterschiede erkennen.

Der PKV-Regionalatlas zeigt laut PKV-Verband, dass eine Vereinheitlichung der Vergütungssysteme von Gesetzlicher und Privater Krankenversicherung, wie sie etwa die SPD anstrebt, keineswegs zu einer besseren Verteilung der Ärzte in Deutschland führen würde: „Wer die Mehrumsätze der Privatpatienten streicht, gefährdet die medizinische Versorgung durch niedergelassene Ärzte auf dem Land stärker als in den Städten“, betonte PKV-Verbandsdirektor Reuther.

Zur Methodik

Bei der Betrachtung der regionalen Unterschiede hat der Regionalatlas die Überlegung zugrunde gelegt, dass größere Städte die umliegenden Regionen mitversorgen. Deshalb liegen der Untersuchung nicht Stadt- und Kreisgrenzen, sondern sogenannte Raumordnungsregionen zugrunde. Damit sollen Stadt-Land-Verzerrungen vermieden werden.

Auf Basis der Strukturdatenbank der Stiftung Gesundheit, von Vorarbeiten des Wissenschaftlichen Instituts der PKV (WIP) und Zahlen des Verbandes der Privaten Krankenversicherung (PKV) legt der Regionalatlas Bayern erstmals detaillierte Analysen zur regionalen Bedeutung der Privatversicherten und deren Mehrumsätzen in Bayern vor. Dabei wird – mit Blick auf die regionalen Altersunterschiede der Privatversicherten („Privatversicherte in den Städten sind im Durchschnitt jünger“) und mit Blick auf das regional unterschiedliche Preis- und Kostenniveau („Mehrumsätze in der Stadt sind in der Regel real weniger wert“) – sowohl eine altersadjustierte als auch eine wertbereinigte Auswertung der Bedeutung der Privatversicherten für die medizinische Infrastruktur vorgenommen. So sollen Verzerrungen durch regionale Alters- und ärztliche Kostenunterschiede weitestgehend vermieden werden.

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