Eine ZMF in Namibia

"Mein RDG ist ein Spülbecken"

In diesem Jahr wurde ich zur "Wiederholungstäterin": Als Zahnmedizinische Fachassistentin (ZMF) flog ich im April wieder für zwei Wochen mit namCare nach Namibia. Als wir um 8 Uhr morgens an der Klinik ankamen, warteten dort schon 80 Patienten! Insgesamt 13 Osteotomien führten wir an diesem ersten Tag durch – sportlich, oder?

Desinfektion wie vor 30 Jahren Sylvia Gabel

Im Februar rief mich Dr. Rainer Schwedt, Vereinsvorsitzender des namCare e. V., an und fragte, ob ich wieder mit nach Namibia fliegen würde – na klar! Nachdem ich auf der IDS in Köln meine „Bittgänge“ für Materialien erledigt hatte, kam ich beim Abflug auf 66 Kilogramm Gepäck. Alles – angefangen von Watterollen über Desinfektionstücher, Instrumente, Composite – wird benötigt, denn es gibt in Südwestafrika kein Dentaldepot, das Materialien schnell liefern würde.

Im Vorfeld telefonierten wir viel, wer was mitbringt. Logistik ist die halbe Miete. Dr. Schwedt und ich sind ein eingespieltes Team, schließlich war das unser dritter gemeinsamer Einsatz, der zweite mit namCare. Es ist eine kleine, aber sehr feine Organisation, die auf Nachhaltigkeit setzt. Ich hoffe, der Erfolg wird sich in den nächsten Jahren zeigen.

Am 7. April traf ich mich mit Dr. Schwedt und dem Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen Dr. Dr. Christoph Fischenbeck am Frankfurter Flughafen. Insgesamt 14 Stunden dauerte der Flug nach Windhoek. Dort angekommen fuhren wir sechs Stunden mit dem Jeep auf der Autobahn in Richtung Norden. Der erste Zwischenstopp war Outjo, wo wir die erste Nacht verbrachten. Am nächsten Morgen ging es über eine Schotterpiste noch einmal fünf Stunden bis zu unserem Ziel: Sesfontein. 

Als Überraschung einen Luftballon | Sylvia Gabel

Das Gesundheitszentrum in Sesfontein | Sylvia Gabel

66 kg Materialien im Gepäck

Wer bei einem solchen Einsatz mitfährt, erfährt viel Wertschätzung seitens der Zahnärzte – das begeistert mich immer wieder! Hier arbeitet man im Team auf Augenhöhe zusammen, hilft sich und respektiert sich. Jeden Abend nach Feierabend wird der Tag reflektiert und besprochen. Man verlässt sich blind auf das Team.

Im Dorf selber gibt es nichts. Und wenn ich sage nichts, meine ich nichts. Nothing, zumindest wenn man eine Shoppingmeile oder eine Mainstreet erwartet. Was es gibt, sind Sand, Staub, Sonne und viele Menschen, die dankbar sind, dass jetzt zweimal jährlich ein Zahnarztteam kommt. Und es gibt eine „Lodge“ – unser Zuhause –, eine Schule mit Internat für 780 Kinder, einen Supermarkt, in dem man Getränke, Putzmittel und einige Hygieneartikel kaufen kann, sowie ein „Health Center“. Das vor zwei Jahren eröffnete Gesundheitszentrum wird von der Bevölkerung sehr gut angenommen. In diesem Hospital arbeiten zwei Krankenschwestern, die zur Not auch einen Kaiserschnitt machen, ein „Chief“ der Pharmazie und ein Helfer. Wer eine größere Operation benötigt, muss sechs Stunden Schotterpiste bis zum nächsten Krankenhaus in Opowu fahren, wo Ärzte vorhanden sind.

Wir haben in „unserem“ Hospital zwei Behandlungszimmer und einen Lagerraum. Zuerst haben wir die Behandlungszimmer geputzt, die Behandlungsstühle mit den Einheiten aufgebaut und das Instrumentarium sterilisiert, um dann den Tisch im Raum mit Instrumenten systematisch so zu bestücken, dass alles leicht zu finden ist. Im ersten Behandlungsraum habe ich meinen Aufbereitungs- und einen „Steribereich“.

Jetzt stellt sich jeder diesen Bereich wie in Deutschland vor, leider ist es nicht so. Mein RDG dort ist ein Spülbecken, aufgeteilt in rein/unrein, Wannendesinfektion und ein Sterilisator – Drucktopfsterilisator. Also „back to the roots“, und genauso wie früher habe ich die benutzten Instrumente nach RKI aufbereitet. Hier haben RKI, MPG, Hygiene eine ganz große Bedeutung. Dabei ist äußerste Sorgfalt angezeigt, weil die meisten Patienten an HIV, HEP oder TBC erkrankt sind.

Als wir am ersten Tag um 8 Uhr an der Klinik ankamen, warteten dort schon 80 Patienten! Im Vorfeld wurde im Dorf und in den umliegenden Farmen per Funk bekannt gegeben, dass die „Dentists“ zwei Wochen da sind. Also haben wir nach und nach die ersten 40 abgearbeitet, an erster Stelle standen Extraktionen, die meistens in einer Osteotomie endeten. Gleich am ersten Tag führten wir 13 Osteotomien durch – das ist sportlich. Um die Mittagszeit befanden sich immer noch 40 Patienten im Wartezimmer. In den nächsten Tagen haben wir diese dann aufgeteilt – 30 Patienten morgens, 30 nachmittags. Kamen mehr Patienten, wurden sie auf den nächsten Tag terminiert. Für die vielen kleine Kinder, die zur Behandlung kamen, gab es als Überraschung einen Luftballon. Leuchtende Kinderaugen sind ganz viel Lob.

Teamarbeit auf Augenhöhe: Dr. Dr. Christoph Fischenbeck, Sylvia Gabel, Dr. Rainer Schwedt (v.l.n.r.) | Sylvia Gabel

5 Fußbälle steigern die Motivation

Fürs kommende Jahr habe ich den Frauen im Ort „Cleanings“ versprochen. Zu Anfang war es nicht möglich, in Richtung Prophylaxe einzusteigen. Am Ende der ersten Woche sind wir dann in die Schule gefahren, um wieder Präsenz zu zeigen und die Kinder zu motivieren, ins Hospital zu kommen und ein Screening machen zu lassen.

Zum Glück hatte ich die „Motivationsschlüssel“ in meinem Koffer mitgebracht: fünf Fußbälle. Dass ich für jede behandelte Klasse einen echten Fußball als Belohnung aus meinem Koffer zauberte, steigerte unseren Stellenwert ungemein. Besonders wichtig ist, dass es uns gelungen ist, die lokalen Strukturen in die Arbeit von namCare e. V. zu integrieren. Den „School Principal“ (Schulleiter) und die Lehrer davon zu überzeugen, dass unser Tun nicht Mehrarbeit, sondern Hilfe bedeutet, wurde mit glücklichen Kinderaugen belohnt. Das bestätigte uns auch der „Principal“, es war wirklich als Kompliment gemeint: Seit dem letzten Besuch der Zahnärzte im November habe er keine Meldung mehr wegen Zahnschmerzen in seiner Schule gehabt, das sei ungewöhnlich.

Fakt ist, dass die Behandlungsbedürftigkeit in der Region nach wie vor immens ist. Da namCare eine nachhaltige Versorgung anstrebt, haben wir mit den zwei „Nurses“ der Klinik vereinbart, dass sie bei ihren Untersuchungen künftig auch einen Blick in den Mund ihrer Patienten werfen und sie bei Bedarf anhalten, die Zahnärzte aufzusuchen. Auch müssen wir den Informationsfluss vor unserer Ankunft noch besser koordinieren. Derzeit kommen Patienten von entfernteren Kliniken erst kurz vor unserer Abreise, einfach weil sie zu spät erfahren, dass Zahnärzte vor Ort sind. Dr. Mahimbi, ein lokaler Zahnarzt, hat uns zugesagt, dass das von Opuwo aus besser organisiert wird.

Das sind die ersten Erfolg versprechenden Schritte, um langfristig etwas wie Nachhaltigkeit unserer Arbeit zu erreichen. Trotzdem wissen wir, dass wir schon beim nächsten Einsatz wieder Zeit einplanen müssen, um das zuvor Erreichte zu reaktivieren. Um unsere Arbeitsverhältnisse weiterhin zu verbessern, ist auch eine Aufrüstung unseres zahnärztlichen Equipments notwendig. Schmerzbehandlungen und vor allem Füllungstherapien werden noch für lange Zeit unsere Hauptbeschäftigungen bleiben. Prophylaxe oder konsequente Sanierungen sind derzeit Zukunft. Wie auch, wenn bei circa 400 der 780 Kinder, die auf dem Gelände in einer „Home School“ leben, seit Monaten die sanitären Anlagen defekt sind? 

Sylvia Gabel war mit namCare unterwegs. Hier berichtet sie von Ihrem Einsatz. Gabel arbeitet als ZMF und Datenschutz-, MPG- und Hygienebeauftragte in einer Gemeinschaftspraxis in Lindlar. Sie ist Referatsleiterin Zahnmedizinische Fachangestellte beim Verband medizinischer Fachberufe e. V. (VmF).

namCare e. V. – dental aid for namibia

 

| Sylvia Gabel

Vorsitzender des Vereins ist Dr. Rainer Schwedt aus Heusweiler. Er engagiert sich seit acht Jahren in der zahnärztlichen Entwicklungshilfe in Namibia. Zusammen mit Dr. Markus Schifferdecker, Dr. Dieter Lehmann, Dr. Patrick Goedicke und Dr. Christoph Fischenbeck baut er eine nachhaltige Grundversorgung in der südlichen Kuene-Region auf. Für den November planen Schwedt und Lehmann ihren siebten gemeinsamen Einsatz.

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