KBV-Versichertenbefragung

Schluss mit „Warten, bis der Arzt kommt.“

Fühlen sich die Deutschen krank, möchten sie schnell behandelt werden. Deshalb gehen sie rasch zum Arzt, oft auch in die Notaufnahme. Dabei schätzen Patienten die Dringlichkeit von Terminen oft höher ein, als sie aus medizinischer Sicht ist. Dies ist ein Ergebnis der jüngsten Versichertenbefragung, die die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) durchführte.

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Fast 90 Prozent der Befragten waren in den vergangenen zwölf Monaten beim Arzt, führte der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Dr. Andreas Gassen, bei der Vorstellung der Untersuchung am 16. August in Berlin aus. Davon gaben 91 Prozent der Patienten an, ein gutes oder sehr gutes Vertrauensverhältnis zu ihrem Arzt zu haben, so Gassen.

Zwei Drittel mussten „dringend“ zum Arzt

Auf die Frage, wie dringlich die Patienten selbst ihren letzten Arztbesuch einschätzen, antworteten zwei Drittel (66 Prozent) mit „dringlich“ (47 Prozent) oder „sehr dringlich“ (19 Prozent) – unabhängig davon, aus welchem Grund dieser erfolgte. Selbst Anlässe wie eine Vorsorgeuntersuchung oder eine Impfung empfanden 36 Prozent der Befragten noch als „eilig“ oder „sehr eilig“. „Die ‚gefühlte‘ Dringlichkeit ist in vielen Fällen höher als die tatsächliche – auch wenn das aus medizinischer Sicht nicht angebracht ist“, sagte Dr. Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV.

Lieber gleich in die Notaufnahme

Wenn Patienten nachts oder am Wochenende ärztliche Hilfe benötigen, gehen sie meist in ein Krankenhaus respektive eine Ambulanz. Ohne allzu große Unterschiede zwischen Männern und Frauen, zwischen Berufstätigen und Rentnern oder zwischen Ost und West waren 20 Prozent aller deutsch-sprachigen 18- bis 79-Jährigen nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr einmal selbst zur Behandlung in der Notaufnahme.
Aber auch an normalen Werktagen, wenn die Praxen geöffnet sind, werden die Notaufnahmen häufig frequentiert. Diesen Umstand stuft die KBV als problematisch ein: „Wir wissen, dass ein großer Teil der Patienten, die im Erkrankungsfall die Notaufnahme einer Klinik aufsuchen, ambulant versorgt werden könnten. Fragt man die Menschen allerdings selbst, ob der Gang in die Notaufnahme wirklich zwingend war, so antworten 87 Prozent der Befragten mit „Ja,“ Gassen: „Das mag etwas damit zu tun haben, dass keiner im Nachhinein gerne zugibt, dass es vielleicht doch nicht so dringend war.“
Es habe aber auch etwas damit zu tun, dass Warten nicht zum heutigen Lebensstil passe. In der Medizin müsse allerdings nach Dringlichkeit, das heißt nach medizinischem Bedarf, und nicht nach einem nur „gefühlten“ Bedürfnis behandelt werden. Gassen: „Nicht alle Termine sind per se dringend. Auf eine routinemäßige Vorsorgeuntersuchung muss ich als Patient im Zweifel tatsächlich länger warten, als wenn ich eine Grippe habe.“

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Videosprechstunde –nein danke

Viele Patienten gehen bei der Möglichkeit, Videosprechstunden in Anspruch nehmen zu können, auf Distanz: Zwar würden 37 Prozent aller 18- bis 79-Jährigen eine solche Videosprechstunde nutzen, allerdings lehnen 62 Prozent dies ab. Maßgeblich bestimmt wird die Nutzungswahrscheinlichkeit von den Faktoren Alter, Bildung und/oder Geschlecht: Unter jüngeren Befragten würden erheblich mehr Versicherte eine solche telemedizinische Leistung in Anspruch nehmen als in der älteren Generation, so die Ergebnisse der Befragung. Außerdem ist das Nutzungspotenzial unter Befragten mit formal hohem Bildungsniveau wesentlich höher als unter Befragten mit niedrigen Schulabschlüssen.
Die Ablehnung der Videosprechstunde basiert bei 72 Prozent der Befragten darauf, dass sie lieber direkt mit dem Arzt sprechen wollen. 15 Prozent geben an, dass ihnen für eine telemedizinische Beratung die Technik fehlt. Diejenigen, für die Videosprechstunden grundsätzlich eine Option darstellen, wollen sie nur in einem beschränkten Rahmen wahrnehmen, für zahlreiche Befragte käme eine Videosprechstunde nur bei kleineren beziehungsweise unproblematischen Anlässen – zur Weiterbehandlung, zur Nachsorge oder mangels Möglichkeit oder Zeit für eine persönliche Konsultation – infrage.

Wartezeit: GKV- und PKV-Patienten gleichen sich an

Beim Dauerbrenner Wartezeiten für einen Termin, sagen wie schon im vergangenen Jahr fast die Hälfte aller Befragten (45 Prozent), dass sie nicht warten mussten, weil sie entweder sofort einen Termin bekommen haben oder direkt zum Arzt gegangen sind. Allerdings: 38 Prozent mussten sich länger als drei Tage gedulden, 15 Prozent „länger als drei Wochen“. Längerfristig betrachtet, zeigt sich, dass insbesondere der Anteil privat Versicherter mit keinen oder nur sehr kurzen Wartezeiten rückläufig ist. Umgekehrt gibt es über die Jahre betrachtet inzwischen auch deutlich mehr PKV-Angehörige mit längeren Wartezeiten für einen Arzttermin. Der Anteil der Patienten, die länger als drei Wochen auf einen Termin warten mussten, ist in allen Versichertengruppen in den zurückliegenden Jahren prozentual am stärksten gestiegen. Grund laut Gassen: „Arztzeit wird immer knapper. Die Tatsache, dass wir einen nahezu barrierefreien Zugang zu ärztlichen Leistungen haben, ohne Steuerung, bei gleichzeitig steigendem medizinischen Bedarf, führt dabei auch noch zwangsläufig zu einer höheren Nachfrage.“
Deutliche Unterschiede bei den Wartezeiten gibt es vor allem auch zwischen den Facharztgruppen: Patienten, die beim letzten Arztbesuch einen HNO-Arzt oder einen Chirurgen aufsuchten, mussten deutlich weniger Zeit einplanen, um einen Termin zu erhalten, als Personen, die bei einem Frauenarzt, einem Kardiologen oder einem Psychiater einen Beratungs- oder Behandlungstermin benötigten. Während beim HNO-Arzt 31 Prozent ohne Wartezeit behandelt wurden, sind es knapp drei Viertel der Patienten beim Frauenarzt oder beim Herzspezialisten, die auf ihren Termin mehr als drei Tage gewartet haben. Beim Kardiologen (44 Prozent), beim Frauenarzt (41 Prozent), beim Hautarzt (37 Prozent), beim Augenarzt (35 Prozent) und beim Psychiater (35 Prozent) liegt der Anteil der Patienten, die länger als drei Wochen auf einen Termin warten, bei mehr als einem Drittel. 

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Die Hälfte hat Probleme, einen Facharzt zu finden

Für 68 Prozent aller Befragten gibt es nach eigenem Dafürhalten dort, wo sie wohnen, genügend Hausärzte. Allerdings ist dies laut Befragung für rund ein Drittel (27 Prozent) nicht der Fall. Viele Patienten (30 Prozent) haben auch Schwierigkeiten, für sich selbst einen Hausarzt zu finden. Noch angespannter ist die Lage bei Fachärzten: Hier meinen 44 Prozent, dass es wohnortnah zu wenige Fachärzte gibt. Erheblich größer sind hier dann auch die Konsequenzen: Für fast die Hälfte (49 Prozent) der Befragten, war es schon einmal schwierig, einen geeigneten Spezialisten zu finden.

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Info

 

Die KBV-Versichertenbefragung ...

 wird seit 2006 regelmäßig von der Forschungsgruppe Wahlen Telefonfeld GmbH im Auftrag der KBV durchgeführt. Im Zeitraum vom 11. März bis zum 29. April 2019 wurden telefonisch mehr als 6.100 Versicherte ab 18 Jahren zu ihrer Einschätzung der Versorgungssituation in Deutschland befragt.

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