Editorial

ÖGD ist mehr als Infektionsschutz

Sascha Rudat, Chefredakteur Lopata/axentis

Wie sich die SARS-CoV-2-Infektionszahlen entwickelthaben werden, wenn Sie diese Zeilen lesen, vermag ich nicht zu sagen. Aktuell steigen sie wieder – in Deutschland und weltweit. Ob das bereits der Beginn der vielzitierten zweiten Welle ist, darüber wird viel diskutiert. Ohne Diskussion ist hingegen, dass dem Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) seit Beginn der Corona-Pandemie eine besondere Rolle zukommt. Stichwort Infektionsschutz. Die Gesundheitsämter stehen seitdem in der Bekämpfung der Pandemie an vorderster Front. Dabei wurden die seit langer Zeit bekannten Defizite des ÖGD in vollem Umfang auch nach außen sichtbar: Personalmangel, veraltete Technik und Kommunikationswege, behäbige Strukturen. Die Folge war und ist eine teilweise extreme Arbeitsbelastung des vorhandenen Personals in diesen schwierigen Zeiten.

425 Zahnärztinnen und Zahnärzte arbeiten in deutschen Gesundheitsämtern. In Kiel wird das Gesundheitsamt von einer Zahnärztin geleitet (siehe auch zm 12).Unisono ist zu hören, dass das Thema Nachwuchs eines der drängendsten Probleme im ÖGD ist, nicht zuletzt, weil die Gehälter deutlich hinter denen von in anderen Bereichen angestellten Ärzten und Zahnärzten herhinken. Soweit bekannt. Neu ist, dass dies nun endlich auch der Bund erkannt zu haben scheint. Im Rahmen des Konjunktur- und Zukunftspakets ist nicht weniger als ein „Pakt für den öffentlichen Gesundheitsdienst“ geplant. Vier Milliarden Euro sollen in den nächsten fünf Jahren für ausreichend Personal und für eine adäquate digitale Auf- und Ausrüstung sorgen und die Gesundheitsämter endlich auf einen modernen Stand bringen. Von einer unverzichtbaren Säule des Gesundheitswesens ist zu lesen. Dass diese Säule in den vergangenen Jahrzehnten so kaputtgespart wurde, dass von ihrer Tragkraft nur mehr wenig übrig ist, wird in diesen wohlfeilen Ankündigungen meist außen vor gelassen. Also „Die Botschaft hör ich wohl, ...“

Denn seit zu langer Zeit ist man in deutschen Behörden und in der Politik dem Glauben verfallen, Zahnärzte und Ärzte im ÖGD seien lediglich Verwaltungsangestellte – und dabei wurde ihre besondere Rolle ebenso vergessen wie die Tatsache, dass sich der medizinische Arbeitsmarkt in den vergangenen 15 Jahren grundlegend gewandelt hat. Mit dieser Denkweise hat man die Attraktivität eines interessanten Berufsfeldes nachhaltig beschädigt. Um diese Anziehungskraft insbesondere für den Nachwuchs wiederherzustellen, braucht es einen langen Atem. Wenn man mit ÖGD-Angestellten spricht, ist immer wieder zu hören, dass es sich um ein spannendes Arbeitsfeld mit vielen Betätigungs- und Gestaltungsmöglichkeiten handelt…eigentlich. Mehr Geld ist daher zwingend notwendig, aber auch kein Allheilmittel. Vielmehr sollte das Know-how der Angestellten im ÖGD auch für dessen Reform genutzt werden. Sie wissen am besten, wo es überall knirscht.

Allerdings ist zu hoffen, dass Politik und öffentliche Verwaltung angesichts der allgegenwärtigen Corona-Pandemie nicht der Versuchung erliegen, die Ausgestaltung des ÖGD nur unter dem Gesichtspunkt des Infektionsschutzes voranzutreiben. Der ÖGD ist schließlich viel mehr. So gibt es beispielsweise bei der zahnmedizinischen Gruppenprophylaxe ungenutzte Potenziale. Daher erscheint es erforderlich, den ÖGD auf ganzer Front breiter und gleichzeitig besser aufzustellen. Nur so kann er seiner Rolle als elementarer Bestandteil der gesundheitlichen Daseinsvorsorge in Deutschland gerecht werden.

Fakt ist: Kurzfristig wird sich an der Situation im ÖGD nicht viel ändern. Sollte es zu einer zweiten Corona-Welle kommen, wird somit an der Belastung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Gesundheitsämtern weiterhin hoch bleiben. Aber jetzt ist der richtige Zeitpunkt, den dringend notwendigen Wandel endlich ernsthaft einzu-leiten.

Sascha Rudat
Chefredakteur

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