Gründung in einer Brandenburgischen Kleinstadt

Mit Anfang 30 glücklich in Finsterwalde

Irgendwann im Frühjahr 2018 war klar: Berlin ist zu laut. Heute sind Tanja und Jan Ratzke, beide Anfang 30, niedergelassen in Finsterwalde. Die Kleinstadt in Brandenburg hat alles zu bieten, worauf es den jungen Eltern ankommt. Und einen kürzeren Arbeitsweg gibt es wohl nicht.

Praxis Zahnquartier Finsterwalde

Als sie zum Durchatmen mal wieder  in die alte Heimat nach Brandenburg fuhren, wurde der Plan wegzuziehen, plötzlich konkret. „Bis dahin konnte ich es mir eigentlich nicht vorstellen, zurück in die Kleinstadt zu gehen, wo ich aufgewachsen bin“, erzählt Jan Ratzke. „Aber ab 30 fängt man an nachzudenken: Was macht mich langfristig zufrieden? Wo kann ich meine Pläne am besten umsetzen? Und ja, unsere Work-Life-Balance ist auf dem Land perspektivisch besser möglich.“

Für beide war dann klar: „Wir wollen mehr Ruhe und Natur. In Berlin war die Option auf ein Haus mit Grundstück und einer adäquaten Anbindung an die Arbeit weniger gegeben. Nicht zuletzt haben wir uns auch gefragt, wie unsere Kinder aufwachsen sollen.“ Und siehe da: Die Kleinstadt Finsterwalde bietet so ziemlich all das. Sogar eine Kinderbetreuung.

| Praxis Zahnquartier Finsterwalde

Für die Neueröffnung machten sie nur Werbung auf Facebook und Instagram. Dazu kamen drei Beiträge in den Lokalzeitungen und einer im Lokalsender. „Das größte Marketing war aber die Mundpropaganda,“ sagen die beiden. | Praxis Zahnquartier Finsterwalde

| Praxis Zahnquartier Finsterwalde

Vor zehn Monaten eröffnete das Ehepaar seine Praxis „Zahnquartier Finsterwalde“ – auf 470 Quadratmetern und mit sechs Behandlungszimmern, vier davon sind aktuell in Betrieb. Es gibt zwei Wartebereiche mit Blick ins Grüne und einen „Patientengarten“. Auch das Labor ist integriert, aber noch nicht im Einsatz. 

Ein Vorteil ist: Hier kann man noch günstig bauen

Ausschlaggebend für den Standort waren die günstigeren Bau- und Grundstückspreise sowie das verfügbare Bauland. Außerdem sind viele Kolleginnen und Kollegen vor Ort über 60 Jahre alt – Finsterwalde hat also Bedarf. „Da sahen wir eine Lücke, in die wir hineinpassen würden, ohne als Konkurrenz zu erscheinen“, sagt Jan Ratzke. „Ich habe auch von einigen Patienten gehört, dass wir sie mit unserem breiteren Behandlungsangebot, etwa bei Alternativen für Zahnersatz, für uns gewinnen konnten.“

Der Bau war bestimmt von der Pandemie und den dadurch bedingten Schwierigkeiten. Lieferengpässe, der kurzfristige Wegfall eines der Gewerke und der zum Teil schleppende Bauprozess – dazu ein Kind an der Hand, das zweite im Bauch und dann noch ein gebrochener Fuß auf der Baustelle. „Dafür war die Kommunikation mit dem Depot gut, die selbstgesuchten Gewerke wie Schreiner und Lieferanten waren für uns sehr zufriedenstellend“, resümiert Jan Ratzke. „Wir konnten unsere eigenen Vorstellungen größtenteils umsetzen. Und das zählt!“

Zurzeit liegen die Schwerpunkt der Praxis auf Wurzelkanalbehandlungen und der Prävention. Perspektivisch will sich Tanja Ratzke zudem mehr der Kinderzahnheilkunde widmen. Schon jetzt bietet sie jeden Donnerstag eine Spezial-Sprechstunde an, die sehr gut angenommen wird. Der Bedarf ist groß, denn die nächsten Kinderspezialisten sind in Berlin oder Dresden ansässig. „Wir sind von Anfang an der Meinung gewesen, dass man überall gute Zahnmedizin umsetzen und seinen GOZ-Anteil verdienen kann. Man muss den Patienten nur in Ruhe Sinn und Zweck der Behandlung erklären“, betont Jan Ratzke.

Obwohl sie mit der Neugründung in einem neuen Gebäude keine bestehenden Patientenstrukturen übernommen haben, ist der Terminkalender voll, erzählt Tanja Ratzke. „Wir waren erstaunt, dass wir am Anfang 15 bis 20 Neupatienten am Tag zählten, ohne selbst viel Akquise betrieben zu haben!“ Seit dem Eröffnungstag sind sie voll bestellt. „Per Anruf und E-Mail haben sich die Patienten teilweise besorgt erkundigt, ob wir sie noch aufnehmen können. Das ist für uns als Praxisbetreiber natürlich eine Luxusfrage. Wir sind sehr froh über die große Nachfrage.“

| Praxis Zahnquartier Finsterwalde

Sie versuchen das Haus möglichst autark zu betreiben. Geheizt wird mit einer Wärmepumpe, außerdem ist eine große Photovoltaikanlage auf dem Dach. Im Sommer ersetzt der Patientengarten (l.) das Wartezimmer. | Praxis Zahnquartier Finsterwalde

Das Gründerpaar hat sich mit 16 Kolleginnen und Kollegen in und um Finsterwalde vernetzt. Sie tauschen sich aus über Patientenfälle oder über neue Materialien. Alle waren eingeladen, die neue Praxis zu besichtigen. Bei der Gelegenheit erfuhren sie auch, dass einige der örtlichen Zahnarztpraxen einen Aufnahmestopp haben. „Es gibt für alle mehr als genug zu tun vor Ort. Wir spüren keine Konkurrenz“, so Jan Ratzke.

Selbst die Mitarbeitersuche war aufgrund der großen Nachfrage unkompliziert. Und wie halten sie es mit der Teamführung? „Menschlichkeit und ein gutes Miteinander sind für uns als Praxischefs das Wichtigste. Die Hierarchien lassen wir aber unbedingt bestehen, halten sie im täglichen Umgang allerdings flach. Wir versuchen viel an Aufgaben abzugeben und die Mitarbeiter selbst machen zu lassen. Daran haben die meisten viel Freude und es stärkt das Selbstbewusstsein“, erklärt Jan Ratzke. 

Ein Arbeitsweg von unter einer Minute

Und die (Work-)Life-Balance? Der Arbeitsweg hat sich mit der eigenen Praxis auf unter eine Minute verkürzt. „Montags bis freitags arbeiten wir in der Praxis. Am Wochenende an unserem Haus und zurzeit viel im Garten. Die Kinder sind hier von der Natur umgeben. Außerdem haben wir nun die Unterstützung der Familie“, berichtet die Zahnärztin. Beide fühlen sich hier an ihre Kindheit erinnert.

Ihr Rat an potenzielle Gründer: „Habt keine Angst vor der Gründung abseits großer Städte und traut Euch in ländlichere Gegenden. Wir haben unseren Platz gefunden.“

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