Editorial

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Liebe Leserinnen und Leser,

ist Deutschland ver-“hartzt“? Gerhard Schröders Programm für die Zukunft der Republik verläuft mehr als zähflüssig. Hagelt es strichweise Proteste, bläst der „Ich kann nur diese Politik“-Kanzler der image-angeschlagenen Volkspartei SPD zum strategischen Rückzug. Der Sommer zeigte: Auch dieser Reformansatz klebt fest.

Der „Dauerbaustelle“ Arbeitsmarkt bietet das keine Aussicht auf Besserung. Weder die generelle Trendwende, noch eine erstrebenswerte „Vollbeschäftigung“ im Lehrstellenmarkt zeichnen sich ab. Zu Beginn des Ausbildungsjahres 2004/2005 am 1. Oktober rechnet Bundesarbeitsminister Clement mit einer Lücke von eher an die 30 000 als der vorher optimistisch avisierten 20 000 fehlenden Ausbildungsplätzen.

Sicher, auch dieses Thema ist traurig. Aber es ist wahrhaftig nicht neu. Deutschlands Nachwuchs weiß seit Jahren um das sommerliche Gerangel zur Schaffung zusätzlicher Ausbildungsplätze. Da werden Pakte geschmiedet, öffentliche Erfolge – vom Überregionalen bis hinein ins Lokale – vermeldet. Und die Bemühungen der Beteiligten sind sicherlich redlich, für jeden Jugendlichen ja auch extrem wichtig. Aber selbst hunderte neu geschaffener Lehrstellen in Ministerien und Behörden ändern nichts an den Ursachen der Arbeitslosigkeit. Durch Zwang, wie zu guter Letzt über die Ausbildungsplatzabgabe versucht, lässt sich auch diese Wirtschaft nicht ankurbeln. So funktioniert auch soziale Marktwirtschaft nicht.

Statt der fast schon chronisch kränkelnden Wirtschaft weiteres Geld abzuluchsen, wäre es besser, ihr die Voraussetzungen zur konjunkturellen Belebung zu bieten. Nur wer Arbeit schafft, erhält Arbeitsplätze. Das andere nennt sich im Volksmund schlicht Beschäftigungstherapie.

Um das Übel an den Wurzeln zu packen, bedarf es Reformen, die Freiheiten für unternehmerisches Handeln schaffen. Dazu bedarf es einfacher Strukturen statt zusätzlicher bürokratischer Mängelverwaltung.

Deutschlands Zahnarztpraxen haben auch dieses Jahr wieder etwa 14 000 Schulabgänger für die Lehrberufe in der zahnmedizinischen Versorgung aufgenommen. Und die Zahnärzte sind sich ihrer Verantwortung in der Ausbildung künftiger zahnmedizinischer Fachangestellter durchaus bewusst. Dafür haben sie allerdings anderes verdient als Diskussionen um Ausbildungsplatzabgaben.

Zum nachhaltig beschäftigungsförderlichen Handeln gehört der Blick auf Zukunft versprechende Arbeitsmärkte. Der Gesundheits-„ Markt“ hat hier viele Möglichkeiten. Und er bietet schon heute mehr Arbeitsplätze als die gesamte deutsche Automobilindustrie zusammen.

Der Tip für die Politiker: Der direkte Weg vom Schulabschluss in die Arbeitslosigkeit ist mit Sicherheit kein Faktor, der „Bock“ auf selbstbewusstes Engagement in dieser Gesellschaft macht. Das müsste denen, die auf Stimmen künftiger Wähler hoffen, zum Nachdenken – und Handeln – eigentlich ausreichen.

Mit freundlichem Gruß

Egbert Maibach-Nagelzm-Chefredakteur

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