Rekordzulauf zum 51. Zahnärztetag Westfalen-Lippe

Winde des Lebens – auch für Zahnärzte

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Der 51. Zahnärztetag der Landeszahnärztekammer (ZÄK) und der Kassenzahnärztlichen Vereinigung (KZV) Westfalen-Lippe (WL) brachte einmal mehr frischen Wind in alle Bereiche, die eine Zahnarztpraxis betreffen. Unter dem Thema „Der Patient im Mittelpunkt“ referierten Wissenschaftler, Praktiker, Politiker und Pioniere Tag um Tag, Schlag auf Schlag.

Über die hohe Qualität des Gebotenen freuten sich die Teilnehmer, über die Rekordbeteiligung Kammerpräsident Dr. Walter Dieckhoff, Dr. Dietmar Gorski mit Tagungsleiter Prof. Wilfried Wagner, die hochkarätige Referenten gewonnen hatten. Der 51 Zahnärztetag WL vom 9. bis 12. März 2005 in der Stadthalle in Gütersloh lockte viele Zahnärzte und Mitarbeiter an. Zum festlichen Auftakt am Donnerstag hatte Kammerpräsident Dr. Dieckhoff bereits Dr. Dr. Jürgen Weitkamp, Ehrenpräsident der ZÄK WL und Präsident der Bundeszahnärztekammer, sowie viele Kollegen aus fast allen Bundesländern begrüßt.

Mut zum Disput

Birgit Fischer, Nordrhein-Westfalens Gesundheitsministerin, lobte die Kooperationsbereitschaft und das gute Verhältnis der Zahnärzte zur Politik. Friedrich Merz, MdB (CDU), gab sich am Freitag abend kämpferisch, forderte in seinem Referat „Die Zukunft des deutschen Sozialstaates“ mehr Mut zum Disput in der Politik und von den Menschen mehr Bereitschaft, etwas für das Land zu tun, dem jeder viel verdanke. Er betonte, dass der Patient im Mittelpunkt aller Bemühungen stehen müsse – ganz im Sinne des Fortbildungskongresses.

Interdisziplinäre Aspekte der Zahnmedizin, etwa neue Lösungswege für Spezialist und Generalist an konkreten Behandlungsfällen, standen bei der Fortbildung im Vordergrund. Mit dem neuen Konzept, einen Fall vorzustellen, Lösungswege aufzuzeigen und die erfolgte Behandlung mit dem Auditorium zu diskutieren, gewannen die Veranstalter die volle Aufmerksamkeit der Teilnehmer. Dieckhoff fasste es in seiner Eröffnungsrede treffsicher zusammen: „Die Zahnärzte wollen eine Gelegenheit zum Austausch in einem intellektuellen Umfeld! Auf die paar Fortbildungspunkte kommt es der Kollegenschaft gar nicht an.“

Eine Frage der Geisteshaltung

Ehe Tagungsleiter Prof. Wagner, Mainz, die lange Reihe der Fachreferenten ans Mikrofon bat, umriss er unter anderem die Gründe für die Primärkompetenz des Zahnarztes bei der Prävention, denn kein Arzt habe regelmäßig so viele Patientenkontakte wie der Hauszahnarzt. Deshalb bilde die Orientierung auf Prävention und Risikoadaptation einen der Eckpfeiler einer modernen, individuellen Patientenbetreuung. Er erinnerte an die Maxime, dass zwar „anders“ nicht zwingend „besser“ bedeutet, aber nur eine Änderung Besserung bringen kann.

Zeitgleich zu den Vorträgen für die Zahnärzte liefen die Upgrades für die Mitarbeiterinnen zu Abrechnungswesen, Praxisorganisation oder zum Beispiel über den Umgang mit schwierigen Patienten auf Hochtouren. Auch hier verzeichneten die Veranstalter enormen Zulauf.

Der Festredner, der Schweizer Arzt und Ballonfahrer Dr. Bertrand Piccard, Lausanne, setzte mit seinem Vortrag die Arbeit eines Arztes oder Zahnarztes gleich mit jenen Erfahrungen, die er bei seiner Weltumrundung im Ballon gesammelt hatte. „Das Abenteuer ist eine Geisteshaltung in den Winden des Lebens“ – schon der Titel zeigte den 1 600 Zuhörern an, dass Piccard mit ungewöhnlichen Ansichten aufwarten würde. „Als Flugzeugpilot habe ich immer geglaubt, ich müsse kämpfen gegen etwas, gegen den Wind, die Luftströmungen. Als Ballonfahrer habe ich gelernt, dass ich in erster Linie die Gegebenheiten nutzen muss, die ich vorfinde. Den Wind kann ich nicht ändern, wohl aber meine Flughöhe und mein Equipment.“ Ein Weg, der auch Zahnärzten bei widrigen Rahmenbedingungen offenstehe. Aussicht auf Erfolg könne nur der haben, der auch den Mut zum eventuellen Misserfolg aufbringe, daraus lerne, sich und seine Startbedingungen verbessere – und neu starte, mit neuem Mut. Er erzählte, wie die Ballonfahrt wegen Tiefsttemperaturen einmal zu scheitern drohte und er mit dem Schweizer Messer das Eis loskratzte: „Und auch wenn das Eis die Sicht aus dem Fenster unmöglich zu machen schien, auf der anderen Seite des Glases schien doch die Sonne.“

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