Stiftung Hilfswerk Deutscher Zahnärzte für Lepra- und Notgebiete

Auf Inspektionsreise nach Madagaskar

Heftarchiv Gesellschaft
LL
Madagaskar ist die viertgrößte Insel der Welt. 80 Prozent der Bevölkerung leben unterhalb des Existenzminimums. Nur wenige können sich eine medizinische Versorgung leisten. Dr. Klaus Winter und Dr. Jürgen Kiehne wollen sich vor allem ein Bild davon machen, wie die Menschen die HDZ-Projekte vor Ort erleben.

48 Stunden dauert die Reise. Dann kommen der stellvertretende HDZ-Vorsitzende Winter und sein HDZ-Wegbegleiter Kiehne in Tolagnaro an. Kurz darauf finden sie sich in den vollen Straßen der Stadt wieder und bahnen sich ihren Weg zwischen LKW und Autos, Tuc-Tucs, Mopeds, Ochsenkarren und Fahrrädern. Besonders zur Rushhour muss man hier höllisch aufpassen, um nicht unter die Räder zu kommen. Winter und Kiehne sind froh, als sie Maria Damer, ehrenamtlich tätig beim „Arbeitskreis – Eine Welt“ in Mettingen und ihren Partner, Entwicklungshelfer Norbert Determann, treffen. Sie leben hier und kennen sich aus.

Winter und Kiehne lernen auch Soeur Louise kennen. Sie ist die Generaloberin des Provinzials der Communauté des Filles de la Charité. Nichts geschieht ohne ihr Wissen und ihre Zustimmung. Seit der Gründung des Ordens vor etwa 400 Jahren sorgen sich diese Schwestern um Arme und Kranke und um die Ausbildung der Kinder.

Eine Mine weckt Hoffnung auf ein besseres Leben

Die Fahrt führt an Märkten vorbei, auf denen jeden Tag Bauern die Stadt mit Obst, Gemüse, Holzkohle und Bauholz versorgen. Auf dem Kopf tragend, bringen unzählige Menschen die Ware mit oder aber auf ihren Fahrrädern, die so beladen sind, dass die Radler bei dem oft starken Wind einen besonders gut ausgeprägten Gleichgewichtssinn benötigen. Längst haben große Unternehmen aus Frankreich und Großbritannien in den Ausbau der Infrastruktur investiert. Die Nationalstraße nach Norden wird beispielsweise von einer chinesischen Staatsfirma saniert. Um den enormen Stromverbrauch für die Ilmenit-Mine und die ganze Stadt zu sichern, wurde mit der Errichtung einer Solaranlage begonnen. Dazu sollen künftig zahlreiche Windräder kommen. Von außen betrachtet scheint es Tolagnaro gut zu gehen. Die Stadt wächst, denn überall wird gebaut.

Bei voller Auslastung wird künftig eine Ilmenit-Mine etwa 750.000 Tonnen Ilmenit (Titan-Eisen) jährlich produzieren. Dabei ist Zirkon eines der Nebenprodukte. Dieser Boom zieht immer mehr Arbeitskräfte und ihre Familien an. Alle wollen am Aufstreben der Region teilhaben. Allerdings nimmt die Unzufriedenheit derjenigen zu, die sich durch die Mine und den Staat in der Ausübung ihres eigentlichen Berufs, zum Beispiel als Fischer, behindert fühlen.

In Madagaskar lebt insgesamt mehr als 80 Prozent der Bevölkerung unterhalb des Existenzminimums. Und so ist das Stadtbild geprägt von vielen Menschen, für die das tägliche Überleben ein Kampf ist. Obwohl es wieder regelmäßig regnet, so dass endlich neu angepflanzt und ausgesät werden kann, ist die Bedürftigkeit nicht zu übersehen.

Das müssen auch Winter und Kiehne feststellen. Die wöchentliche Ration an Lebensmitteln wird nach wie vor von den Sozialzentren der Kirchen oder von privaten Organisationen verteilt. Die Menschen ernähren sich von Raketa, den Früchten der Kaktusfeige, oder von Maniok, Süßkartoffel und Reis. Die Bedeutung der Schulkantinen, die Unterstützung bei Mietschulden, bei der Zahlung von Schulgeld oder medizinischer Behandlung sind Hinweise auf die verbreitete Armut.

Ohne Schule keine Chance

Durch kontinuierliche Aufklärung und Sensibilisierung haben die Dorfbewohner erkannt, dass ihre Kinder nur die Chance auf ein besseres Leben haben, wenn sie lesen, schreiben und rechnen lernen. Weil das Interesse der Einheimischen immer mehr stieg, wurden schließlich zwei einfache Klassenräume für die Primärstufe für rund 70 Kinder gebaut. Das HDZ finanzierte zusätzlich ein Schulgebäude mit fünf Klassenräumen, ein multifunktionales Gebäude, einen Sportplatz, eine Zisterne und WCs für Schüler und Lehrer. Der gesamte Bau ist ein Pilotprojekt für alle umliegenden Dörfer.

Nicht nur die Kinder und Jugendlichen, sondern auch die Frauen und Männer werden angesprochen, an Bildungskursen teilzunehmen. Und so wie die Dorfbewohner die provisorischen Räume selbst gebaut haben, waren sie jetzt auch bereit, sich am Neubau der Schule zu beteiligen.

Im Gepäck hatten Winter und Kiehne noch hunderte Zahnbürsten, Fußbälle, Malstifte, Luftballons und Spielsachen. Denn die Aufklärung und das Üben der Zahnpflege gehören zum gemeinsamen Standardprogramm.

Spendenkonto

Stiftung Hilfswerk Deutscher Zahnärzte
Deutsche Apotheker- und Ärztebank
IBAN: DE2830060 6010004444000
BIC (SWIFT-Code): DAAEDEDD

Einer der Höhepunkte der Inspektionsreise ist der Besuch des Leprazentrums in Ampasy. Madagaskar, die Rote Insel, ist immer noch von der Lepra betroffen. Das Ziel der Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Lepra auszurotten, liegt hier in weiter Ferne. Verstümmelt, verachtet, verstoßen hoffen die Leprakranken auf Hilfe. Zurecht, denn Lepra ist heilbar. Die Schwestern vom Communauté des Filles de la Charité sind aufopferungsvolle, geschulte Helferinnen. Sie versorgen die Betroffenen mit Medikamenten, behandeln ihre Wunden, leisten Aufklärung, auch mithilfe des Hilfswerks Deutscher Zahnärzte für Lepra- und Notgebiete unter Führung von Dr. Klaus Sürmann, Stiftungsvorsteher aus Göttingen.

Melden Sie sich hier zum zm-Newsletter des Magazins an

Die aktuellen Nachrichten direkt in Ihren Posteingang

zm Heft-Newsletter


Sie interessieren sich für einen unserer anderen Newsletter?
Hier geht zu den Anmeldungen zm Online-Newsletter und zm starter-Newsletter.