Die WHO drängt auf eine Zuckersteuer
Insbesondere würden die steuerlichen Möglichkeiten nicht ausgeschöpft, kritisiert die WHO. Infolgedessen sei es seit 2022 in den meisten Ländern nicht teurer geworden, zuckerhaltige Getränke zu kaufen – im Gegenteil. Laut dem „Globalen Bericht über die Verwendung von Steuern auf zuckerhaltige Getränke, 2025“ der WHO ist es in 62 Staaten sogar billiger.
Die Auswertung ergab, dass im Juli 2024 weltweit mindestens 116 Länder auf mindestens eine Art von zuckerhaltigen Getränken nationale Verbrauchsteuern erhoben hatten. „Die WHO-Region Afrika wies mit 89,4 Prozent die höchste Abdeckung auf, gefolgt von der Region Östliches Mittelmeer (76,5 Prozent), der Region Südostasien (75 Prozent), der Region Amerika (66,7 Prozent), der Region Westpazifik (50 Prozent) und der Region Europa (42 Prozent)“, heißt es in dem Bericht.
In Europa gibt es demnach in 21 der 50 in dieser WHO-Region zusammengefassten Staaten eine entsprechende Verbrauchssteuer, unter anderem in Frankreich, den Niederlanden, Großbritannien, Portugal und Irland. Deutschland gehört nicht dazu.
„Gesundheitssteuern gehören zu den wirksamsten Instrumenten, die uns zur Gesundheitsförderung und Krankheitsprävention zur Verfügung stehen.“
Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus, Generaldirektor der WHO
Auch das geht aus dem WHO-Bericht hervor: Während viele Limonaden besteuert werden, sind andere zuckerreiche Produkte wie 100-prozentige Fruchtsäfte, gesüßte Milchgetränke und trinkfertige Kaffee- und Teegetränke von der Besteuerung ausgenommen. Energy-Drinks unterliegen in 97 Prozent der Länder einer Besteuerung, dieser Wert hat sich laut WHO seit dem vorigen globalen Bericht im Jahr 2023 nicht verändert.
Ein weiteres Manko: In allen Regionen sind die Steuern auf zuckerhaltige Getränke aus Sicht der WHO schlecht gemacht. „Der Medianwert der Steuer macht nur etwa zwei Prozent des Preises eines gängigen zuckerhaltigen Erfrischungsgetränks aus“, steht in dem Bericht. Während Unternehmen in diesem Marktsegment weltweit Milliardengewinne erwirtschaften, erzielen die Regierungen durch Besteuerung nur einen relativ geringen Anteil daran.
Die langfristigen gesundheitlichen und wirtschaftlichen Kosten müsste die Bevölkerung daher weitgehend allein tragen, gibt die WHO zu bedenken: „Schwache Steuersysteme führen dazu, dass schädliche Produkte billig bleiben, während die Gesundheitssysteme einem zunehmenden finanziellen Druck durch vermeidbare nichtübertragbare Krankheiten und Verletzungen ausgesetzt sind.“
So sieht es beim Alkohol aus
In ihrem „Global report on the use of alcohol taxes, 2025“ stellt die WHO folgende Punkte fest:
Mindestens 167 Länder erheben Steuern auf alkoholische Getränke, während zwölf Länder Alkohol vollständig verbieten.
Die Steueranteile an Alkohol bleiben niedrig, mit einem globalen Median der Verbrauchsteueranteile von 14 Prozent für Bier und 22,5 Prozent für Spirituosen. Wein bleibt in mindestens 25 Ländern, vor allem in Europa, trotz eindeutiger Gesundheitsrisiken unversteuert.
Sowohl bei zucker- als auch bei alkoholhaltigen Getränken ist der WHO zufolge zu bemängeln, dass nur wenige Länder die Steuern an die Inflation anpassen. Gesundheitsschädliche Produkte würden dadurch mit der Zeit immer erschwinglicher.







